Dortmunds Angreifer Pulisic Beim BVB gibt es auch einen Verlierer

Borussia Dortmund enttäuschte beim 0:0 gegen den FC Brügge in der Champions League. Der BVB steht im Achtelfinale, Sorge bereitet jedoch die Form von Christian Pulisic.

BVB-Profi Christian Pulisic gegen Brügge
FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

BVB-Profi Christian Pulisic gegen Brügge

Aus Dortmund berichtet


Eine Halbzeit, die zweite nämlich, ohne klare Torchance, zum ersten Mal ein Heimspiel unter Trainer Lucien Favre, ohne dass dem BVB ein Tor gelingt - das 0:0 gegen den FC Brügge wirkt wie ein Rückfall in die Zeit des Saisonbeginns, als Borussia Dortmund in der Offensive noch nach dem richtigen Konzept suchte.

Inzwischen ist es gefunden, es beruht vor allem auf Geschwindigkeit im Angriffsdrittel. Der BVB schoss in der Bundesliga im Schnitt nahezu drei Tore pro Spiel, in der Champions League waren es sogar im Heimspiel gegen Atletico Madrid vier. Diesmal keines.

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Champions League: Viel Aufwand, kein Ertrag

Das Hinspiel in Brügge hatten die Dortmunder noch 1:0 gewonnen, auch deshalb wirkte der trostlose Kick gegen den belgischen Meister nun wie ein heftiger Rückschlag. Doch anders als beim glücklichen Erfolg Mitte September kontrollierte der BVB ständig die Partie, sicherte sich gut gegen Konter ab und holte den einen Punkt, der nötig war, um das Achtelfinale der Champions League zu erreichen. Schmucklos, aber souverän.

Borussia Dortmund nahm in den nun gerade mal fünf Monaten unter Favre eine sehr gute Entwicklung. Das gilt für nahezu alle Spieler, für Jadon Sancho besonders, auch für Dan-Axel Zagadou.

Bei einem jedoch stockt es, der Pfeil zeigt sogar nach unten. Christian Pulisic schoss in Brügge das einzige Tor und traf auch beim ebenso schmeichelhaften 1:1 bei der TSG Hoffenheim, als die Dortmunder sich noch mühselig zu Chancen schleppten. In den vergangenen Wochen, als es in Hochgeschwindigkeit vor das Tor des Gegners ging, saß Pulisic in der Bundesliga nur noch auf der Bank, wurde - wenn überhaupt - eingewechselt. Gegen Brügge durfte er mal wieder von Anfang an spielen.

"Es war okay", sagte Favre nach dem Spiel gegen Brügge zur Leistung des Flügelspielers. Allerdings erst mit dem letzten Satz. Zunächst führte der Trainer an, dass Brügge in einem 4-4-2-System statt des erwarteten 5-3-2 angetreten war und "sehr eng und sehr tief" verteidigte. Das war durchaus richtig, hatte aber wenig mit der Frage zu tun, die sich auf die Entwicklung von Pulisic bezog. Der US-Amerikaner vergab eine von nur zwei sehr guten Chancen des BVB mit einem schwachen Abschluss und blieb auch in anderen Szenen deutlich unter seinen Möglichkeiten. Favre umschiffte die Frage nach der Entwicklung, indem er auf die starke Konkurrenz in der Offensive verwies.

Christian Pulisic ist erst 20 Jahre alt. Er ist der jüngste Spieler, der je eine Nationalmannschaft der USA als Kapitän auf den Platz führte. Der BVB konzentriert sich in Sachen Marketing auch auf die USA, dabei ist Pulisic ein wichtiger Faktor.

Und er ist immer noch ein Versprechen für die Zukunft. Doch ob sich der Spieler eine Zukunft in Dortmund verspricht, darf bezweifelt werden. Über die Premier League sagte er kürzlich: "Viele Kinder träumen davon, in dieser Liga zu spielen. Deswegen gibt es keinen Grund, warum ich nicht vielleicht auch eines Tages dort spielen sollte".

Liverpool, Chelsea, United - und die Bayern

Entsprechend mehrten sich die Gerüchte, wer denn alles Interesse an einer Verpflichtung habe. Der FC Liverpool und der FC Chelsea wurden genannt, nun soll auch Manchester United eingestiegen sein. Dass auch der FC Bayern mal als potentieller Arbeitgeber in den Raum geworfen wurde, versteht sich angesichts des Kaufgesuchs nach jungen, schnellen Flügelspielern von selbst.

Als Ablöse wurde von 70 Millionen Euro geschrieben, wobei es da inzwischen auf zehn Millionen mehr oder weniger auch nicht ankommt. Handfest ist nur, dass Pulisics Vertrag beim BVB noch bis Sommer 2020 gültig ist. Einen Verkauf schon in der kommenden Wintertransferperiode schloss Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc im Sportmagazin "Kicker" aus.

Ein halbes Jahr später könnte es dann so weit sein, und es ist keine Stimme zu hören, die das derzeit beklagen wollte.

Borussia Dortmund - FC Brügge 0:0
Dortmund: Bürki - Diallo (80. Hakimi), Zagadou, Akanji, Piszczek - Dahoud, Witsel (90. Delaney) - Guerreiro (73. Sancho), Reus, Pulisic - Alcácer
Brügge: Horvath - Denswill, Mechele, Poulain - Dennis (76. Rits), Nakamba, Amrabat, Mata - Vanaken, Vormer (90.+3 Decarli) - Wesley (90.+2 Openda)
Schiedsrichter: Gediminas Mazeika
Gelbe Karten: Alcácer / Denswill
Zuschauer: 66.099 (ausverkauft)



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Nonvaio01 29.11.2018
1. naja
wenn man nur die zahlen nimmt 74% ballbesitzt und ueber 900 paesse, koennte man meinen das der FCB zu Guardiols zeiten gespielt hat. Dabei hatte der BVB nur wenige Torschuesse. Da jetzt einen verlierer rauszusuchen ist etwas falsch. Evt hat Bruegge auch einfach extrem gut verteidigt, so etwas soll es ja geben....Wenn dann sollte man die stuermer hinterfragen. Wichtig ist das man sich qualifiziert hat. Der rest ist unwichtig. CL geht jetzt erst wieder richtig los im neuen Jahr. Das sage ich als FCB fan.
Pela1961 29.11.2018
2. Schlimm,
diese Schnelllebigkeit in der Branche. Mein Gott, der Junge ist 20! Da ist es doch völlig normal, dass er auch mal eine Phase hat, in der es zu Leistungsschwankungen kommt. Deswegen direkt zu sagen, man würde ihm keine Träne nachweinen zeigt nur die Erbarmungslosigkeit dieses Haifischbeckens. Irgendwann kommt wahrscheinlich der erste um die Ecke der meint, dass der Junge seinen Zenit überschritten hat und zu alt ist.
isi-dor 29.11.2018
3.
Äußerste schwache Darbietung. Chancentod Reus konnte nicht mal mit einer seiner Schwalben punkten. Beim FC Bayern hätte man vermutlich den Rücktritt des Trainers gefordert, aber Dortmund scheinen solche Vorstellungen ja zu reichen. Für so was brauche ich jedenfalls kein teures Sky/Dazn-Abo.
widower+2 29.11.2018
4. Chancentod Reus?
Zitat von isi-dorÄußerste schwache Darbietung. Chancentod Reus konnte nicht mal mit einer seiner Schwalben punkten. Beim FC Bayern hätte man vermutlich den Rücktritt des Trainers gefordert, aber Dortmund scheinen solche Vorstellungen ja zu reichen. Für so was brauche ich jedenfalls kein teures Sky/Dazn-Abo.
Immerhin steht "Chancentod" Reus in der aktuellen Torschützenliste vor Chancentod Lewandowski. Und dass man bei Bayern vermutlich den Rücktritt des Trainers gefordert hätte, zeigt nur, was für ein seltsamer Verein das ist und kann Dortmund nicht angelastet werden.
Oihme 29.11.2018
5. Was soll die Aufregung?
Vier Spieler des BVB waren gestern gerade einmal 20 Jahre alt oder jünger; sieben Spieler 23 oder jünger. Also rund die Hälfte des eingesetzten Kaders. In der CL gehört zu so etwas schon einiger Mut! Denn dass es bei solchen jungen Spielern oft an Konstanz fehlt, liegt in der Natur der Sache, Spitzenleistungen gibt es da genauso wie richtige Grottenspiele. Aber wo sollen solche Jungen anders reifen als auf dem Feld und gerade in solchen Wettbewerben? Und wo anders sollen Sie - wie Pulisic! - aus dem Formloch wieder herauskommen?
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