Reserveteams gegen FC Bayern "Betrug am Fan"

Gegen Bayern haben wir eh keine Chance, da schonen wir lieber unsere Top-Spieler: Diese Art der Mannschaftsaufstellung will DFL-Boss Seifert nicht mehr hinnehmen - und droht mit Konsequenzen.

Bayern-Spiel gegen Darmstadt (Februar 2016)
REUTERS

Bayern-Spiel gegen Darmstadt (Februar 2016)


Es gibt keine aussichtslosen Auswärtsspiele: Wer künftig nicht mit seiner stärksten Mannschaft beim deutschen Meister Bayern München antritt, soll bestraft werden. Das ist die Idee von Christian Seifert, dem Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hat der 47-Jährige eine entsprechende Diskussion angeregt. "Ich würde mich sehr stark dafür einsetzen, dass es Konsequenzen hat, wenn so etwas noch einmal passiert", sagte Seifert: "Das zerstört definitiv die Glaubwürdigkeit des Sports."

Was man konkret dagegen tun könne, ließ Seifert offen. Auch zur Frage der Definition - welche Spieler sind top und müssen spielen? - äußerte er sich nicht.

In der vergangenen Saison sollen sich mehrere Spieler vom SV Darmstadt bewusst vor dem Auswärtsspiel in München eine Sperre eingehandelt haben, um diese beim Tabellenführer absitzen zu können. Auch Bremens Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz hatten sich absichtlich eine Sperre abgeholt.

Der offensichtliche Hintergedanke: Gegen Bayern hat man ohnehin keine Chance, also geht man am besten gar nicht erst auf den Platz und schont die eigenen Kräfte.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert
DPA

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

Zur Frage, welche Konsequenzen es geben könnte, sagte Seifert, es sei noch zu früh, darüber zu spekulieren. "Ich gehe einfach davon aus, dass das nicht mehr passiert. Das haben wir den Klubs auch gesagt", erklärte er. Die Medien sollten Aktionen wie absichtliche herbeigeführte Gelbe Karten nicht als "augenzwinkernde Bauernschläue" werten.

Seifert ärgerte sich auch über das unterwürfige Verhalten der Vereine. Er sagte, in der vergangenen Zeit hätten "einige Verantwortliche den Eindruck erweckt: Wir müssen gar nicht mehr nach München fahren".

Seifert sprach in diesem Zusammenhang auch von "Betrug am Fan". Die Bundesliga müsse aber immer glaubwürdig sein. Dies sei man auch den Medienunternehmen schuldig, die für die Fernsehübertragungsrechte von der Saison 2017/2018 bis zur Spielzeit 2020/2021 mehr als 4,5 Milliarden Euro zahlen würden. Anfang Juni hatte der DFL-Chef den höchstdotierten Fernsehvertrag der Liga-Geschichte ausgehandelt.

jan/dpa



insgesamt 157 Beiträge
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Fürstenwalder 30.07.2016
1. Oh Mann,
was für ein Nonsens. Profivereine müssen wirtschaftlich arbeiten, und der Erfolg definiert sich über Siege und Pokale. Und Garanten für den Erfolg sind ausgeruhte Spieler. Also sollte man den Vereinen schon überlassen, wen sie aufstellen. Ausserdem machen das die Bayern andersrum genauso. Ein unterklassiger Gegner und schon steht die zweite Reihe auf dem Platz.
Immanuel K. 30.07.2016
2. Das kommt davon, wenn man die eigene Liga...
...kannibalisiert - das (und dass die Kicks gegen Bayern irgendwann niemand mehr sehen will - genauso wenig wie einen Boxkampf zwischen Klitschko und dem Dorfschläger) habe ich schon vor Jahren vorausgesagt. Herr Seifert soll sich dann erst mal Gedanken bei dieser "Lex Bayern" machen, wer denn bestimmt, was die beste Mannschaft ist - aber dazu fällt dem Herren bestimmt auch noch etwas ein...
Lankoron 30.07.2016
3. Dann sollte die DFL
vllt auch mal wieder Schritte Richtung Chancengleichheit machen...aber mal ernsthaft, wie will er denn solche sinnfreien Ansagen durchsetzen?
Immanuel K. 30.07.2016
4. ...und, ganz Recht Herr Seifert...
...4,5 Mrd.€ sind diese Übertragungsrechte einfach nicht wert! So macht man das. Unternehmerisches Risiko wird einfach per Gesetzes-/Regeländerung abgeschafft.
tekaitora33 30.07.2016
5. welch Unsinn!
damit würde die DFL also immer die Mannschaft aufstellen!? Soll das dann für alle Mannschaften gelten? Bayern oder der BVB schont ja auch oft Stammspieler... In keiner Weise durchdachter Vorschlag.
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