Christoph Daum "Ich habe Kokain genommen"

Mit einem Medienrummel sondergleichen ist Christoph Daum nach Deutschland zurückgekehrt. In einer Pressekonferenz in Köln stellte sich der Ex-Trainer von Bayer Leverkusen der Öffentlichkeit.




Bester Laune: Christoph Daum auf dem Weg zur Pressekonferenz
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Bester Laune: Christoph Daum auf dem Weg zur Pressekonferenz

Köln - Christoph Daum hat erstmals den Konsum von Drogen eingestanden. Einen Tag nach seiner Rückkehr aus den USA erklärte der ehemalige Trainer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen auf einer Pressekonferenz in Köln, dass er "gelegentlich im privaten Bereich" Kokain zu sich genommen habe. Von einer Sucht oder Krankheit könne aber keine Rede sein. Inzwischen habe er aber "keinen Kontakt mehr zu Drogen" und konsumiere Kokain auch nicht mehr, sagte Daum. Er wolle sein Verhalten nicht als Kavaliersdelikt bezeichnen und sei sich der "Tragweite des Fehlers bewusst", so der 47-Jährige.


"Das war ein Fehler"


Über seine Flucht in die USA stellte Daum folgendes fest: Er sei nicht in die USA geflogen, um zu flüchten, sondern um Abstand zu gewinnen. Er habe versucht, mit sich ins Reine zu kommen, und habe nun einen Schlussstrich gezogen. "Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen, mein Verhalten war nicht richtig", stellte Daum weiter fest. Über die Haaranalyse, die ihn als Kokainkonsument überführte, sagte Daum mit einem Schmunzeln: "Das war ein Fehler, das habe ich mir anders vorgestellt."


Drogenkonsum "Privatsache"


Daum wollte mit Blick auf das gegen ihn laufende Ermittlungsverfahren nicht sagen, wann genau er Kokain genommen hat. Dennoch gabe er zu, seinen Drogenkonsum mit einer schmerzhaften Hüftarthrose und der Furcht vor einer Operation begonnen zu haben. Ferner bestritt er, Gerüchte über ein Komplott gegen ihn in die Welt gesetzt zu haben. Niemand - auch nicht sein damaliger Arbeitgeber Bayer Leverkusen - habe etwas von seinem Drogenkonsum gewusst, den er eine "Privatsache" nannte. Seit Ende Oktober ermittelt unter anderem die Staatsanwaltschaft Köln gegen Daum wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Über seine sportliche Zukunft wolle er zunächst noch keine Entscheidung treffen und bis Ende März warten. Zunächst hätten andere Dinge Vorrang - vor allem die noch laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlung gegen ihn. Das Verfahren wird voraussichtlich glimpflich für ihn ausgehen. "Es kann allenfalls eine Geldstrafe herauskommen, was das Kölner Verfahren angeht", sagte der Sprecher der Kölner Staatsanwalt, Günther Feld, am Freitag. Ähnlich hatte sich auch der Koblenzer Oberstaatsanwalt Erich Jung geäußert: "Unsere Ermittlungen konzentrieren sich derzeit nicht auf Herrn Daum."


Bei Hoeneß entschuldigt


Nach seinem Kokain-Geständnis hat sich Daum bei Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß für die im Rahmen der Affäre entstandenen Probleme entschuldigt. "Ich bedaure es zutiefst, was sich für Uli Hoeneß und seine Familie ergeben hat. Und ich weiß, wovon ich spreche", erklärte Daum. Hoeneß war im Herbst von vielen Seiten als vermeintlicher Auslöser der Spekulationen um Daum scharf kritisiert worden. Ein Gespräch mit Hoeneß hat Bayer Leverkusens Ex-Coach nach seiner Rückkehr aus den USA am Donnerstag nach eigenen Angaben noch nicht geführt.

Daum hofft auch auf ein Gespräch mit Mayer-Vorfelder, der den ursprünglich als künftigen Bundestrainer vorgesehenen Coach lange unterstützt hatte: "Ich möchte mich in aller Form bei Gerhard Mayer-Vorfelder entschuldigen. Er war der einzige, der immer nachgefragt hat, ob da nicht doch noch etwas sein könnte, und ich habe ihn im Regen stehen lassen und ihm geschadet. Das kann ich nicht wieder gutmachen." Trotz seines Kokain-Geständnisses hofft Daum auf eine nochmalige Chance auf die Position des Bundestrainers beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). "Ich wäre der Richtige für diesen Posten gewesen und schließe nicht aus, dass ich es auch noch einmal werde"

Traum vom Bundestrainer


Daum war durch eine positive Haaranalyse der Einnahme von Kokain überführt worden und daraufhin am 21. Oktober vergangenen Jahres in Leverkusen entlassen worden. In der Nacht zum 22. Oktober reiste Daum, der ursprünglich am 1. Juni dieses Jahres das Amt des Bundestrainers übernehmen sollte, in die USA ab.



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