Chronologie Der Niedergang der Frankfurter Eintracht seit 1996


Frankfurt am Main - Der Fußball-Club Eintracht Frankfurt steckt in der größten Krise der 103-jährigen Vereinshistorie. Mit dem Lizenzentzug durch den Vorstand der Deutschen Fußball-Liga (DFL) am Mittwoch droht der Absturz aus der 2. Bundesliga in das Amateurlager. Die Entscheidung wurde einstimmig gefasst und ist endgültig. Der Vorstand der Eintracht AG wird trotzdem Rechtsmittel einlegen.

Mai 1996: Erster Abstieg in der Geschichte des Gründungsmitglieds der Fußball-Bundesliga aus der 1. Klasse.


November 1996: Rolf Heller rückt zum Präsidenten auf und ist später auch mitverantwortlich für den einsetzenden Niedergang einer der größten Sportvereine Hessens.


April 1998: Zur besseren Vermarktung des Clubs wird die "Eintracht Frankfurt Sport-Marketing und Service GmbH" gegründet.


Mai 1998: Im zweiten Anlauf schafft die Eintracht mit Trainer Horst Ehrmanntraut die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus.


Mai 1999: Trainer Jörg Berger führt die Eintracht mit dem 5:1 am letzten Spieltag gegen Kaiserslautern doch noch zum Klassenerhalt.


Juli 1999: Die Eintracht schließt mit der Rechte-Agentur ISPR einen hoch dotierten Vertrag zur TV-Vermarktung. Neben einer einmaligen Zahlung von 2,55 Millionen Euro erhält der Club noch ein zinsfreies Darlehen von 7,2 Millionen Euro.


Oktober 1999: Schatzmeister Patella tritt zurück. Zum Nachfolger ernennt das Präsidium den 43-jährigen Rainer Leben, Geschäftsführer eines internationalen Beratungs-Unternehmen.


Dezember 1999: Das Minus der Saison 1997/98 bezifferte Leben auf 0,8 Millionen Euro. Ein Finanzierungsloch von 3,1 Millionen Euro wird dementiert, Trainer Berger von Felix Magath ersetzt.


Januar 2000: Auf der Jahreshauptversammlung tritt Präsident Heller zurück. Leben bezifferte das Minus auf knapp 7 Millionen Euro.


März 2000: Die Eintracht benötigt mehr als 10 Millionen Euro fresh money zur Sicherung der neuen Lizenz. Die Bundesliga- Konkurrenz fordert wegen Lizenz-Verstößen Konsequenzen vom DFB.


April 2000: Eintracht gründete unter Vorsitz von Leben eine Holding AG. Der DFB bestraft die Eintracht mit 2 Punkten Abzug und Zahlung von 251.000 Euro.


Mai 2000: Schatzmeister und Präsidiums-Sprecher Leben gibt sein Amt auf. Verwaltungsrats-Chef Bernd Ehinger wechselt ins Präsidium. Der amerikanische Vermarktungsriese Octagon wird "strategischer Partner". Das Unternehmen kauft insgesamt 49,9 Prozent der AG für rund 25 Millionen Euro und will auch das neue Waldstadion betreiben.


Juli 2000: Peter Fischer wird Nachfolger von Heller als Präsident des Vereins Eintracht Frankfurt. Rolf Dohmen kommt als AG-Manager.


August 2000: Reinhard Gödel wird AG-Aufsichtsrats-Vorsitzender.


Januar 2001: Frankfurt feuert Magath. Dohmen übernimmt.


April 2001: AG-Vorstandschef und Octagon-Beauftragter Steven Jedlicki bestätigt "Treue" von Octagon auch im Abstiegsfall.


Mai 2001: Die Eintracht steigt wieder ab. Dohmen wird entlassen, Friedel Rausch rückt nach. Neuer Trainer: Martin Andermatt.


Juli 2001: Sportvorstand Tony Woodcock wird Rausch-Nachfolger.


November 2001: Octagon zieht sich als künftiger Betreiber des Waldstadions zurück und leitet auch den Rückzug in der AG ein.


Dezember 2001: Der Geschäftsführer der Rhein-Main-Verkehrsbetriebe (RMV), Volker Sparmann, wird neuer AG-Aufsichtsrat-Vorsitzender.


Februar 2002: 15 Prozent seiner Anteile gibt Octagon kostenlos an die Eintracht zurück. Dafür sollen 7,5 Millionen Euro erlöst werden.


März 2002: Andermatt entlassen, Co-Trainer Armin Kraaz übernimmt.


April 2002: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) fordert einen Liquiditätsnachweis in Höhe von 11,5 Millionen Euro für die Lizenzierung. Sparmann verhandelt mit dem ungarischen Geschäftsmann Gábor Várszegi.


2. Mai 2002: Die Eintracht und Várszegi unterzeichnen Vorvertrag.


31. Mai 2002: Várszegi zieht sich zurück. Sparmann verhandelt mit Investoren. Willi Reimann wird Trainer, Woodcock entlassen.


13. Juni 2002: Die Landesbanken Schleswig-Holstein und Hamburg ziehen sich in letzter Minute als neuer Investor zurück. Zur Lizenzerteilung fehlen weitere 3,5 Millionen Euro.


17. Juni 2002: Sparmann verkündet die Rettung. Zahlreiche Gönner sorgen nach Club-Angaben für die Erfüllung der DFL-Forderungen. Zusätzlich ist ein Investor aus der Immobilienbranche gefunden.


19. Juni 2002: Die DFL verweigert der Eintracht die Lizenz, da eine der Bankgarantien nicht den Anforderungen entspricht. Der Club legt Einspruch beim neutralen Schiedsgericht von DFB und DFL ein.



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