Chronologie einer Bewerbung Vom 2.6.1993 bis zum 6.7.2000


Hamburg - In Zürich haben die siebenjährigen Bemühungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) um die WM 2006 ein Happy End gefunden. Die Chronologie einer erfolgreichen Kandidatur:

2. Juni 1993: DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder überreicht FIFA-Präsident Joao Havelange in Zürich eine erste Bewerbung für die WM 2006. Havelange sagt: "Deutschland hat den WM-Zuschlag verdient."

Sommer 1995: Zwischen der FIFA und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) treten verstärkt Konflikte auf. Die UEFA fordert in einem "Vision"-Papier, die FIFA-Präsidentschaft und die WM-Turniere ab 2006 sollten zwischen allen Erdteilen «rotieren», beginnend in Europa. Die FIFA lehnt brüsk ab.

11. Dezember 1995: Bei der Auslosung für das WM-Turnier in Frankreich sagt Havelange in Paris: Im Jahre 2006 wird die WM in Südafrika sein. DFB-Präsident Egidius Braun spricht von "politischen Ränkespielen".

Juni 1996: Unter dem Slogan "Football is coming home" organisiert England die bisher größte und erfolgreichste Europameisterschaft. Der englische Verband fragt danach beim DFB an, ob man die WM 2006 gemeinsam durchführen könne. Der DFB lehnt mit dem Verweis auf interne UEFA-Absprachen ab, dass England die EM 1996 und der DFB die WM 2006 veranstalten solle.

5. Februar 1997: Die UEFA erneuert in Lissabon ihr Votum, dass der DFB als einziger Europa-Bewerber ins WM-Rennen gehen soll. England reagiert bestürzt.

12. Februar 1997: Der britische Premierminister John Major eröffnet die englische Werbekampagne, für die 26 Millionen Mark bereit stehen.

März 1997: Franz Beckenbauer wird WM-Botschafter des DFB. "Wer nicht für die WM 2006 ist, ist gegen unser Land", erklärt er.

27. Mai 1997: Der DFB startet in München vor dem Champions-League- Finale Dortmund-Turin eine WM-Offensive mit dem neuen Motto: "Wir sehen uns im Herzen Europas."

Februar 1998: Beckenbauer sagt, Afrika sei "noch nicht reif" für eine WM, könne aber "der lachende Dritte" im deutsch-englischen Streit werden. Wenn aber Johansson FIFA-Chef würde, "dann hat Deutschland sehr gute Chancen, die WM zu bekommen".

8. Juli 1998: Nicht der vom DFB unterstützte UEFA-Chef Johansson, sondern der bisherige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter wird in Paris zum neuen FIFA-Präsident gewählt. Blatter betont, dass Afrika als WM-Ausrichter an der Reihe sei.

September 1998: Acht Sponsoren erklären sich bereit, den DFB bei der WM-Bewerbung mit dem neuen Slogan "Ganz Deutschland spielt mit" mit 20 Millionen Mark zu unterstützen.

November 1998: Auch die neue Bundesregierung sagt dem DFB bei verschiedenen Treffen in Bonn, unter anderem mit Kanzler Gerhard Schröder, Unterstützung zu.

15. Dezember 1998: Beckenbauer übernimmt die Leitung der Bewerbungskommission.

23. Februar 1999: Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine bestätigt dem DFB, dass die WM 2006 von der 25-prozentigen Ertragssteuer freigestellt würde.

30. April 1999: Bei der von der FIFA geforderten Bestätigung der WM-Bewerbungen bleiben fünf Kandidaten übrig: Der DFB, Brasilien, England, Marokko und Südafrika.

10. August 1999: Endgültige Abgabe der 1 200 Seiten starken DFB- Bewerbung bei der FIFA in Zürich.

3. Juli 2000: Brasilien zieht seine Bewerbung zurück und behauptet, sein Stimmenpaket ginge an Südafrika. In Berlin macht Kanzler Schröder den ersten Spatenstich für das lang umstrittene Umbau-Projekt des Olympiastadions, das bei der WM 2006 als Endspiel- Arena geplant ist.

4. Juli 2000: Beckenbauer beklagt in Zürich die "Mauscheleien" internationaler Sportpolitik.

5. Juli 2000: Begleitet von Schröder, gibt der DFB in Zürich als letzter der vier Kandidaten seine Präsentation vor der FIFA-Exekutive ab.

6. Juli 2000: Um 14.07 Uhr verkündet FIFA-Präsident Joseph S. Blatter das Ergebnis: Die 24 Exekutivkomitee-Mitglieder entscheiden sich mit 12:11 Stimmen für die deutsche Bewerbung und gegen Südafrika. In den ersten Wahlgängen waren zunächst Marokko (drei Stimmen) und England (zwei) ausgeschieden.



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