Ehemaliger BVB-Stürmer Immobile Ciro d'Italia

Bei Borussia Dortmund ein Flop, bei Lazio Rom top: Ciro Immobile ist derzeit einer der besten Stürmer Europas. Warum hat es damals nicht geklappt?

Ciro Immobile
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Ciro Immobile

Von Christian Woop


Ciro Immobile haftet in Deutschland noch immer das Stolper-Image aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund an. Dabei zeigt der 28-Jährige bei Lazio Rom, dass er durchaus das Zeug dazu gehabt hätte, ein angemessener Nachfolger von Robert Lewandowski zu werden, als der Italiener 2014 vom BVB geholt worden war. Immobile gehört zu den besten Stürmern Europas. Von wegen Stolperer.

In der italienischen Serie A hat Immobile in dieser Saison 24 Tore in 25 Spielen erzielt, dazu neun weitere vorbereitet. "In wenigen Monaten hat er sich den Status als Anführer erarbeitet mit seinen Leistungen auf dem Platz und in der Kabine", sagt Lazio-Trainer Simone Inzaghi über ihn. Immobile trifft in Liga, Pokal und Europa League, mit links, rechts, mit dem Kopf oder per Abstauber. Oder auch artistisch wie hier am vergangenen Sonntag.

Warum hat das in Dortmund so gar nicht geklappt? Die Antwort: Immobile war zur falschen Zeit am falschen Ort.

Immobile hatte beim FC Turin 22 Tore in 33 Spielen erzielt, in Dortmund erwischte er eine Zeit des Umbruchs. Nach Jahren des Gegenpressings musste Jürgen Klopp langsam auf Ballbesitzfußball umstellen. Die Mannschaft tat sich schwer und war dazu von Verletzungen gebeutelt.

Immobiles Bilanz passte zur BVB-Hinserie 2014: Sie war katastrophal. Der Italiener erzielte lediglich drei Treffer und tat sich mit seinen Defensiv-Aufgaben schwer. In der Champions League kamen die Gegner der Dortmunder Spielweise mehr entgegen. Dort traf er viermal in sechs Partien.

Nach der 0:1-Niederlage gegen Augsburg am 19. Spieltag und dem Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz stellte Klopp Pierre-Emerick Aubameyang, bis dahin Flügelspieler, in die Spitze. Immobile musste auf die Bank, der Gabuner spielte sich fest, und der Italiener kam daraufhin in der Liga nur noch auf 125 Minuten bis Saisonende.

In der Vorbereitung vom neuen Coach Thomas Tuchel nicht berücksichtigt, ließ er sich in der Sommerpause 2015 zum FC Sevilla ausleihen, konnte aber auch dort nicht überzeugen. Anschließend wechselte er zurück nach Turin und zur Saison 2016/2017 zu Lazio Rom. "Ich habe in Deutschland sehr gelitten", sagte Immobile im August 2015. "Ich hätte mehr geben können, und mir tat es leid, wie wir am Ende auseinandergegangen sind. Die Erfahrung in Deutschland trage ich trotzdem positiv in mir."

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Ciro Immobile: Vom Torjäger zum Missverständnis und zurück

In seiner Debütsaison bei Lazio traf er 23-mal, diese Marke hat er nun bereits zehn Spieltage vor Schluss verbessert. "Vielleicht liegt es an der italienischen Heimat - auf jeden Fall funktioniert es jetzt wieder bei ihm", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc dem "Reviersport". Es liegt aber vor allem am System. Die Statistiken zeigen das.

In fast allen relevanten Statistiken sind Immobiles Werte in der aktuellen Spielzeit deutlich stärker als vor dreieinhalb Jahren. Immobile schießt öfter aufs gegnerische Tor - 3,5- zu 1,8-mal - und spielt einen Schlüsselpass mehr pro Partie. Allgemein sind die größten Unterschiede im Passspiel zu erkennen, Immobile wirkt deutlich integrierter. 78 Prozent seiner Zuspiele bringt er erfolgreich an den Mann, spielt durchschnittlich zehn Pässe mehr. Beim BVB kam er auf eine Passquote von gut zwei Drittel.

Vor der ständig aufgrund von Verletzungen wechselnden Mittelfeld-Dreierkette in der Dortmunder 4-2-3-1-Formation wirkte der Italiener wie ein Fremdkörper, in der Luft hängend und schnell demotiviert. Dass Immobile im Gegensatz zu Lewandowski ein klassischer Strafraumstürmer ist, der nicht gerne mit dem Rücken zum Tor agiert, verinnerlichten seine Mitspieler erst spät.

Tore im Strafraum

In Rom ist das Spielsystem anders, Immobile hat die besten Werte seiner Karriere. Hinter dem Italiener steht eine Fünfer-Mittelfeldreihe. Davor fungiert Sturmpartner Luis Alberto als hängende Spitze. Immobile lässt sich gerne in diese Gruppe, die viele kurze Pässe untereinander spielt, zurückfallen.

Die gegnerische Abwehrreihe muss deshalb weiter nach vorne rücken. Immobile nutzt die größer werdenden Räume in der Verteidigung, um mit Tempo in den Strafraum zu ziehen. Zu mehr als der Hälfte aller Abschlüsse kommen die Römer genau, meist durch den ehemaligen Dortmunder. 80 Prozent seiner Tore erzielt er im Strafraum - in der Bundesliga kein einziges. Ein Fünftel seiner erfolgreichen Abschlüsse hat er mit dem Kopf.

Mit 28 Jahren spielt Ciro Immobile die beste Saison seines Lebens. In Top-Form wird der Italiener auch heute Abend im Rückspiel bei Dynamo Kiew (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) benötigt. Beim 2:2 im Hinspiel führte Immobile sein Team als Kapitän aufs Feld, erzielte ein Tor selbst und bereitete ein weiteres vor. Im gesamten Wettbewerb hat er sechs Treffer in sechs Spielen erzielt. Hält er diese Quote, stehen die Chancen aufs Weiterkommen gut.



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Seite 1
Turbo 15.03.2018
1. Unverständlich
Komisch dass es in Dortmund nicht funktioniert hat. Bestes Stadion der Welt, beste Fans der Welt, wahnsinniger Jugend Unterbau, Top 10 in Europa, beliebtester Verein Deutschlands laut Uni Braunschweig (mehrfach vergeben), herzliches Management, das sich auch unangenehmen Menschen annimmt und nicht einfach feuert oder verscherbelt. Echte Liebe überall und wohin man schaut. Kann eigentlich nur an Uli Hoeneß, der DFL oder einer sonstigen bisher unbekannten Verschwörung liegen. Hoffe das klärt sich irgendwann einmal auf.
petrosjan 15.03.2018
2. Verspottet
hat man ihn in Dortmund wegen seines Namens (immobile heißt frei übersetzt unbeweglich). So viel zum ˋherzlichen Vereinˋ ....
immerfroh 15.03.2018
3.
Zitat von TurboKomisch dass es in Dortmund nicht funktioniert hat. Bestes Stadion der Welt, beste Fans der Welt, wahnsinniger Jugend Unterbau, Top 10 in Europa, beliebtester Verein Deutschlands laut Uni Braunschweig (mehrfach vergeben), herzliches Management, das sich auch unangenehmen Menschen annimmt und nicht einfach feuert oder verscherbelt. Echte Liebe überall und wohin man schaut. Kann eigentlich nur an Uli Hoeneß, der DFL oder einer sonstigen bisher unbekannten Verschwörung liegen. Hoffe das klärt sich irgendwann einmal auf.
Dem Loblied auf Dortmund kann man sich uneingeschränkt anschließen. Aber Uli Hoeneß würde ich da von jeder Schuld freisprechen. Saß er zu jener Zeit nicht die viel zu milde Gefängnisstrafe ab ?
bakero 15.03.2018
4.
Spekulation. Aber ich glaube, dass Immobile auch einen großen Teil selbst Schuld hatte, dass er in Dortmund immer wie ein Fremdkörper wirkte. Seine Aussagen danach waren sehr vielsagend. Vielleicht der falsche Zeitpunkt, sicher der falsche Ort. Manchmal braucht’s eben das vertraute Umfeld, um zu funktionieren. Selbst in Spanien war’s wohl nicht italienisch genug ...
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