Von Jan Reschke
Hamburg - Die Pfiffe im Anschluss an das Champions-League-Heimspiel des FC Schalke 04 waren ohrenbetäubend. Lange hatte das Team gegen Montpellier geführt und war komplett überlegen. Doch in der letzten Minute der regulären Spielzeit traf Souleymane Camara zum 2:2 (1:1)-Ausgleich.
Zuvor hatten Julian Draxler (26. Minute) und Klaas-Jan Huntelaar (53.) nach einem an Draxler verursachten Foulelfmeter die Schalker Tore geschossen, nachdem die Franzosen durch Karim Ait Fana (13.) in Führung gegangen waren. Montpellier beendete die Partie zudem nur zu zehnt, weil Garry Bocaly nach seinem Foul an Draxler vom Platz gestellt worden war. Doch auch für Draxler ging es nicht weiter, er zog sich beim Sturz einen Bruch des Unterarms zu und droht mehrere Wochen auszufallen.
Es blieb nicht der einzige Aufreger des Spiels: Gäste-Trainer René Girard, der während der gesamten Partie immer wieder verbal mit Stevens aneinandergeraten war, zeigte dem Schalker Coach nach einem heftigen Disput kurz vor Schluss den ausgestreckten Mittelfinger.
Auch vor der Partie hatte es auf Schalke bereits großen Ärger gegeben. Gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf hatte das Team einen 2:0-Vorsprung leichtfertig verspielt, was sich laut Manager Horst Heldt "wie eine 0:5-Niederlage" angefühlt hatte. Im Anschluss wurde zur teaminternen Aussprache gebeten.
Höger und Pukki begannen
Ob nun als Konsequenz aus dem Düsseldorfspiel oder allgemeine Rotation, Stevens überraschte mit seiner Aufstellung. Im Angriff bot er Klaas-Jan Huntelaar und Teemu Pukki gemeinsam auf. Zudem begann Marco Höger im Mittelfeld. In der Abwehr musste Joel Matip raus, für ihn rückte Benedikt Höwedes in die Innenverteidigung und Atsuto Uchida auf Außen.
Einen Fortschritt brachte das aber zunächst nicht. Im Gegenteil, früh ging Montpellier in Führung: Karim Ait Fana schlenzte den Ball nach einer einfachen Körpertäuschung über Keeper Lars Unnerstall hinweg zum 1:0 ins Netz. Draxler war es drei Minuten später - wenn auch erfolglos - vergönnt, den Ball auch einmal auf das Tor der Franzosen zu bringen. Auch seine Versuche in der 18. und 19. Minute fanden nicht den Weg ins Ziel.
Und irgendwie wirkte es in der ersten Halbzeit, als spiele im Schalker Angriff fast ausschließlich Draxler, der angesichts seiner späten Einwechslung gegen Düsseldorf extrem sauer gewesen war. Vielleicht sollte Stevens häufiger darüber nachdenken, Draxler vor wichtigen Spielen draußen zu lassen, denn der erzielte schließlich das 1:1. Nach einem starken Zuspiel von Huntelaar lief er an Torwart Geoffrey Jourdren vorbei und schoss anschließend ins leere Tor.
Draxler muss raus
Nach dem Ausgleich begnügte sich Schalke wieder mit der abwartenden Rolle. Der Ball wurde mehr oder minder uninspiriert hin- und hergeschoben. Eine Kopfballgelegenheit von Kyriakos Papadopoulos ging knapp vorbei (39.), Pukki verpasste aus aussichtsreicher Position (43.). Dann war Halbzeit.
Pukki war es auch, der die erste Gelegenheit in Hälfte zwei hatte, doch seinen Schuss lenkte Jourdren um den Pfosten (47.). Und so war es wieder Draxler, der in den Mittelpunkt rückte. Nach einem starken Solo tauchte er plötzlich frei vor dem Tor auf und wurde von Bocaly im Strafraum gefoult. Klare Notbremse, was Schiedsrichter Sergej Karasew ebenso sah und ihn vom Platz stellte. Aber auch Draxler konnte nicht mehr weiter machen. Schmerzverzerrt verfolgte er auf einer Trage liegend, wie Huntelaar das 2:1 durch den verwandelten Elfmeter erzielte.
In der 65. Minute parierte Jourdren hingegen einen Schuss des Stürmers und verhinderte einen höheren Rückstand. In der 85. Minute scheiterte auch der eingewechselte Ibrahim Afellay. Huntelaar hätte in der 89. Minute das dritte Schalker Tor machen müssen, schoss aber freistehend vorbei. Das rächte sich, weil Camara noch der Ausgleich gelang.
Schalke 04 - HSC Montpellier 2:2 (1:1)
0:1 Ait Fana (13.)
1:1 Draxler (26.)
2:1 Huntelaar (53., Foulelfmeter)
2:2 Camara (90.)
Schalke: Unnerstall - Uchida, Kyriakos Papadopoulos, Höwedes, Christian Fuchs - Neustädter - Höger, Draxler (55. Afellay) - Holtby (84. Barnetta) - Pukki (66. Farfan), Huntelaar
Montpellier: Jourdren - Bocaly, Yanga-Mbiwa, Hilton, Stambouli - Saihi - Belhanda (68. Tinhan), Estrada (68. Marveaux) - Cabella, Camara, Ait Fana (55. Congre)
Schiedsrichter: Sergey Karasev (Russland)
Zuschauer: 50.004
Rote Karte: Bocaly nach einer Notbremse (52.)
Gelbe Karten: Huntelaar, Holtby - Saihi, Estrada, Camara, Cabella, Congre
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