CL-Überraschung Werder Bremen Gelassenheit in der Todesgruppe

Die Ausgangsposition ist ideal: Werder Bremen hat nach dem deutlichen Sieg in Sofia das Erreichen des Achtelfinals in der Champions League selbst in der Hand. Und das Selbstbewusstsein ist riesig. Die Topfavoriten Chelsea und Barcelona schrecken in Bremen niemanden.


Hamburg - Eigentlich hätte der SV Werder nach dem 3:0 (3:0)-Erfolg bei Lewski Sofia bereits ausgiebig feiern können. Immerhin stand fest, dass die Bremer in der schweren Gruppe A bereits den dritten Rang sicher haben - und somit für den Uefa-Cup qualifiziert sind. Doch wie groß das Selbstvertrauen beim Bundesliga-Tabellenführer mittlerweile ist, zeigt die Tatsache, dass darüber kein einziges Wort verloren wurde.

Jubelnde Bremer Vranjes, Klose, Frings, Hunt (v.l.): Auf einem guten Weg
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Jubelnde Bremer Vranjes, Klose, Frings, Hunt (v.l.): Auf einem guten Weg

"Hier gehen wir nicht mehr weg", sagte Mittelfeldspieler Diego, "das ist der Platz, auf den wir es abgesehen haben." Der Platz, den der Brasilianer meint, ist der zweite, hinter dem FC Chelsea und vor dem FC Barcelona, den beiden erklärten Topfavoriten in der "Todesgruppe". Diese hatten sich gestern im direkten Duell 2:2 getrennt. "Man sieht doch fast in jedem Spiel, dass wir uns weiter verbessern. Ich habe das Gefühl, wir sind auf einem guten Weg", sagte Nationalstürmer Miroslav Klose. Und Trainer Thomas Schaaf hatte schon vor der Partie in Sofia klargestellt: "Wenn man in der Champions League spielt, kann es nicht der Anspruch sein, sich für den Uefa-Cup zu qualifizieren."

Um wirklich die Gruppe A mit Englands Meister Chelsea und Titelverteidiger Barcelona zu überleben und sicher ins Achtelfinale einzuziehen, muss Bremen sowohl am 22. November gegen den Ballack-Club aus London als auch am 5. Dezember bei Barcelona punkten - das alles gilt natürlich nicht für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Spanier am kommenden Spieltag in Sofia verlieren oder Unentschieden spielen und Werder gegen Chelsea gewinnt. "Wir haben alles selbst in der Hand, das ist eine befriedigende Situation für uns", sagt Schaaf, der bei allem Optimismus aber mahnt, dass man zwar "weiter voll dabei" sei, "aber für den Erfolg muss alles optimal laufen".

Sogar den Präsidenten des Erzrivalen Bayern München, der sich gestern zu einem mühsamen 0:0 gegen Sporting Lissabon quälte, haben die Werder-Profis beeindruckt. "Die Bremer haben eine großartige Entwicklung genommen, ich kann nur sämtliche Hüte vor ihnen ziehen", lobte Franz Beckenbauer, dessen Bayern allerdings in ihrer Gruppe B schon einen Schritt weiter sind und das Achtelfinale erreicht haben.

Dass dieses Ziel auch für Werder realistisch ist, zeigten die Gäste bei Lewski mit ihrem bemerkenswert präzisen Spiel und der eiskalten Chancenverwertung nach dem Eigentor von Sofias bemitleidenswerten Torwart Nikolai Michailow (33.). Innerhalb von vier Minuten stellten Mannschafts-Kapitän Frank Baumann per Kopf (35.) und Torsten Frings (37.) den Endstand her. Frings war es auch, der das Selbstbewusstsein der Grün-Weißen in Worte fasste. "Mit jeder Mannschaft" könne man derzeit mithalten, sagte Frings. Für den Nationalspieler habe sein Team aber mitnichten nur einen Lauf, "das ist das Ergebnis harter Arbeit".

Gegen Sofia habe man dabei nicht mal die volle Leistungsfähigkeit abrufen müssen, sagte Frings, "wir hätten jederzeit einen Zahn zulegen können". Gegen Chelsea und in Barcelona wird das nötig sein, um erfolgreich zu sein. Aber daran zweifelt in Bremen derzeit niemand.

goe/sid/dpa

Levski Sofia - Werder Bremen 0:3 (0:3)
0:1 Michajlow (33./Eigentor)
0:2 Baumann (35.)
0:3 Frings (37.)
Sofia: Michajlow (46. Mitrew) - Milanow, Topusakow, Tomasic (57. Emil Angelow), Vagner - Eromoigbe, Borimirow - Bardon, Telkijski (69. Nikolaj Dimitrow), Stanislaw Angelow - Jowow
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Womé (85. Pasanen) - Baumann (78. Andreasen), Frings, Vranjes - Diego - Klose, Hunt (74. Klasnic)
Schiedsrichter: Trefoloni (Italien)
Zuschauer: 25.368
Gelbe Karten: Vagner / Baumann, Vranjes, Womé

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