CL-Wehen HSV sperrt Atouba wegen obszöner Geste für zwei Spiele

Vorige Saison Sinnbild des erfolgreichen HSV, jetzt Sündenbock: Nach seiner Entgleisung im Spiel gegen ZSKA Moskau ist Timothee Atouba der einzige Verlierer unter den endlich siegreichen Hamburgern. Der Club hat ihn intern gesperrt.


Hamburg - Zwei Spiele suspendiert und eine hohe Geldstrafe: So reagierten die HSV-Verantwortlichen auf den Ausraster des Kameruners beim Champions-League-Spiel gestern gegen ZSKA Moskau (3:2), als Atouba den eigenen Fans seinen ausgestreckten Mittelfinger gezeigt hatte. Atouba entschuldigte sich am Donnerstag schriftlich bei den Fans. "Ich weiß, dass ich dem Verein und der Mannschaft großen Schaden zugefügt habe", ließ er erklären, "ich bin mir meiner Verantwortung gegenüber dem HSV bewusst." Sportchef Dietmar Beiersdorfer und Trainer Thomas Doll verurteilten erneut die obszöne Geste des Spielers, stellten sich aber hinter ihn. "Er ist trotzdem unser Spieler: Wir stehen zu ihm und hoffen, dass er sich in der Rückrunde wieder so präsentiert wie in der Vergangenheit", erklärte Beiersdorfer. Atouba hatte am Donnerstag in einem Gespräch mit den HSV-Verantwortlichen seine Handlung erklärt und sich auch bei der Mannschaft entschuldigt.

Der Linksverteidiger war im letzten Gruppenspiel der Champions League des HSV gegen ZSKA Moskau (3:2) an beiden Gegentoren beteiligt gewesen und in der Folge von den Fans ausgepfiffen worden. Atouba hatte daraufhin seine eigene Auswechslung gefordert, bei der er von den Zuschauern ausgepfiffen und mit Bierbechern beworfen wurde. Daraufhin zeigte der 24-Jährige den Fans den Mittelfinger und sah von Schiedsrichter Stefano Farina nachträglich die Rote Karte.

Die Geschehnisse des 6. Dezember 2006 bedeuten einen neuen Tiefpunkt in der nach oben und unten offenen Wohlfühlskala des sensiblen Atouba. In der erfolgreichen letzten Saison fiel er als personifizierte gute Laune und mit seinen Kabinettsstückchen auf. In der Sommerpause kokettierte er plötzlich mit Angeboten anderer Clubs. Das nahmen die Fans dem einstigen Publikumsliebling übel. Im HSV-Forum lassen einige heute ihrem Frust freien Lauf: "Vielleicht hätte er einfach im Sommer verschwinden sollen!?!?! Ich sehe auch hier an den Reaktionen, dass das mit Atouba nix mehr wird. Niemals mehr!!", so User "matze.n.HSV". HSV-Fan "Gladius" fordert: "Fristlos entlassen".

Andere geben auch den Zuschauern die Schuld. Insbesondere mit den Besuchern auf der Haupttribüne, die Bierbecher nach Atouba warfen, will im HSV-Forum niemand zu tun haben. "Vielleicht sollten hier die Verantwortlichen handeln und solchen Leuten Stadionverbot aussprechen", schreibt "HSV-Mitglied".

Und schließlich taucht auch die Frage auf, wieso Doll Atouba, der nach seiner Schambein-Verletzung für jeden ersichtlich mit Fitnessproblemen zu kämpfen hatte, aufstellte und nach schwacher erster Hälfte nach der Pause auch noch weiter spielen ließ. Bei den Fans streiten viele Meinungen um die Deutungsmacht.

So erntet Atouba für seine Aktion auch stellenweise Verständnis. Forums-Mitglied "Cherryworld": "Warum suchen sich die Fans als Sündenbock denn immer den Herrn Atouba? Das ist so armselig, dass immer einer die Kollektivschuld tragen muss!"

Mit Material vom sid

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Seite 1
Umberto, 07.12.2006
1.
---Zitat von sysop--- HSV-Fans gegen Timothee Atouba: Haben Sie Verständnis für die Reaktionen des Kameruners gegenüber den eigenen Anhängern? ---Zitatende--- Habe ich durchaus. Wenn, wie beim HSV, alle Nerven blank liegen, sind derartige Aktionen und Reaktionen unvermeidbar. Möglicherweise hat Atouba die Pöbeleien auch weniger als Reaktion auf seine "Leistung" gesehen, als auf seine Hautfarbe. Für besonderes Feingefühl sind Fußballfans da leider nicht bekannt.
Hyäne 07.12.2006
2.
---Zitat von Umberto--- Habe ich durchaus. Wenn, wie beim HSV, alle Nerven blank liegen, sind derartige Aktionen und Reaktionen unvermeidbar. Möglicherweise hat Atouba die Pöbeleien auch weniger als Reaktion auf seine "Leistung" gesehen, als auf seine Hautfarbe. Für besonderes Feingefühl sind Fußballfans da leider nicht bekannt. ---Zitatende--- Gerade die HSV Fans nicht
effem25, 07.12.2006
3.
---Zitat von Hyäne--- Gerade die HSV Fans nicht ---Zitatende--- Hey Hyäne, besser nicht alle über einen Kamm scheren.....gibt manchmal hochsensible Enthusiasten in diesen Foren....;-).....und vielleicht ein paar Ausnahmen. Aber prinzipiell finde ich: ein Spieler wird ausreichend bezahlt, wenn er der Bundesliga angehört. Da sollte Schmerzensgeld für Schmährufe mit drin sein. Vor seiner Auswechslung hatte Atouba mal eben für zwei Gegentore durch individuelle Derangiertheit gesorgt....Zudem war er in der zurückliegenden Zeit nicht unbedingt der pure Einsatz und ein Vorbild für Kampf etc. Auch wenn ihm da vielleicht die nötige Selbsteinschätzung (aus welchen Gründen auch immer) versagt bleibt und er sich immer noch als vorbildlichen Sportsmann gesehen hat: ein Stinkefinger an die Fans geht für mich gar nicht. Atouba gehört für mich intern gesperrt, Gehaltskürzung etc. müssten dabei sein. Doll fällt bei diesem Thema wieder mal negativ auf, finde ich weiter. Er stellt sich vor den Spieler, obwohl er weiß, dass das beim besten Willen nicht geht. Beim HSV knallen öfter Spielern die Sicherungen durch. Für Doll in Ordnung, zeigt Leidenschaft etc. In Wirklichkeit zeigt es nur: die Nerven liegen blank, die Geister sind schwach und die Einstellung ist 'leck mich doch'. Ich kenne keinen in der Arbeitswelt, der damit auch nur annähernd zufrieden wäre.
Umberto, 07.12.2006
4.
---Zitat von effem25--- Hey Hyäne, besser nicht alle über einen Kamm scheren.....gibt manchmal hochsensible Enthusiasten in diesen Foren....;-).....und vielleicht ein paar Ausnahmen. ---Zitatende--- Hier im Forum hat auch keiner gepfiffen und gepöbelt. Das ist eher im Stadion so geschehen. Und da haben wohl die hochsensiblen Enthusiasten gefehlt. Und, von den paar Ausnahmen, kann sich Atouba auch nichts kaufen, denn die haben ja wohl still gehalten...
Keith Palmer, 07.12.2006
5.
---Zitat von Umberto--- Hier im Forum hat auch keiner gepfiffen und gepöbelt. Das ist eher im Stadion so geschehen. Und da haben wohl die hochsensiblen Enthusiasten gefehlt. Und, von den paar Ausnahmen, kann sich Atouba auch nichts kaufen, denn die haben ja wohl still gehalten... ---Zitatende--- Die überwiegende Mehrzahl der HSV Anhänger im Forum haben sich klar Pro Atouba ausgesprochen. Das nur mal zum Thema Gesinnung der HSV Fans. Dumpfes und rechtes/rassistisches Gedröhne ist nicht nur auf die AOL Arena beschränkt sondern in allen Teilen der Republik anzutreffen. Natürlich, eine derartige Entgleisung hätte Atouba nicht passieren dürfen, ich kann es aber unter den aktuellen Umständen bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen.
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