Schwuler US-Nationalspieler: Das Coming-out des Robbie Rogers

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Mit seinem Coming-out hat US-Fußballprofi Robbie Rogers für weltweites Aufsehen gesorgt. Gleichzeitig hat er seine Leistungssport-Karriere als beendet erklärt. Wer ist der Mann, der sich als Nationalspieler zu seiner Homosexualität bekannt hat?

Fußball und Schwulsein - das ist eine Beziehung voller Spekulationen, Gerüchte, Andeutungen, ein beliebtes Thema bei Partygesprächen, wo dann gerne geraunt wird, dass man jemanden kennt, der jemanden kennt. Viel Gerede, viel Gewisper - der US-Nationalspieler Robbie Rogers hatte irgendwann genug davon. Der 25-Jährige hat am Freitag das persönliche Coming-out auf seiner Website dokumentiert und gleichzeitig sein Karriereende verkündet.

"Mein Geheimnis ist nun gelüftet, ich bin ein freier Mann", schreibt er in einem Blog-Eintrag. Eine aufsehenerregende Aktion des Fußballers - dass er sie mit seinem Karriereende verknüpft, zeigt allerdings auch die Befürchtungen, die im Profifußball immer noch mit dem Coming-out zusammenhängen. Als bekennender Schwuler im Profigeschäft weiterzumachen - das konnte sich auch Rogers nicht vorstellen.

Wer ist der Mann, der sich zu diesem Schritt entschlossen hat? Daten und Fakten zu Robbie Rogers.

Bei welchen Vereinen hat Rogers gespielt?

Der im kalifornischen Rancho Palos Verdes geborene Rogers begann seine Fußballerkarriere an der University of Maryland, wo er für das Collegeteam antrat. Danach wechselte der Mittelfeldspieler in die USL Premier Development League, die US-Nachwuchsliga, zu Orange Country Blue Star.

2006 wagte er den Gang nach Europa und unterschrieb beim niederländischen Ehrendivisionär SC Heerenveen einen Profivertrag. Er absolvierte dort allerdings keine einzige Partie, so dass er in die USA zurückkehrte. Für Columbus Crew spielte er 106-mal und erzielte dabei 13 Treffer in der Major League.

Seinen zweiten Versuch, in Europa Fuß zu fassen, unternahm Rogers 2011, als er von Leeds United verpflichtet wurde. Doch auch beim englischen Traditionsclub kam er nur zu vier Einsätzen. Zuletzt war er an den Drittligisten FC Stevenage ausgeliehen, in die Stammelf schaffte er es allerdings auch dort nicht.

Welche sportliche Karriere gibt Rogers nun auf?

Der 25-Jährige hat es trotz der eher bescheidenen Europa-Ausflüge bis zum Nationalspieler geschafft. Nachdem er 2008 in die beste Elf der Major League Soccer gewählt wurde, berief ihn der damalige Nationaltrainer Bob Bradley in den Elitekader. Sein erstes Länderspiel machte Rogers im Januar 2009 gegen Schweden. 18-mal gehörte er von 2009 bis 2011 dem Team der US-Boys an, dabei gelangen ihm zwei Tore.

Zuvor war er bereits Teil der Mannschaft gewesen, die 2007 bei der U-20-Weltmeisterschaft bis ins Viertelfinale vorstieß. Als Mitglied des U-23-Teams hatte er an den Olympischen Spielen von Peking 2008 teilgenommen.

Rogers war in den vorläufigen Kader für die WM 2010 berufen worden, wurde aber kurz vor dem Turnier von Bradley gestrichen. Unter dem jetzigen Nationaltrainer Jürgen Klinsmann hatte Rogers zuletzt keine Berücksichtigung mehr gefunden. Im ersten Spiel des US-Teams unter Klinsmann im August 2011 erzielte er noch das einzige Tor der Mannschaft beim 1:1 gegen Mexiko.

Wie begründet Rogers sein Coming-out?

"In den vergangenen 25 Jahren hatte ich Angst - Angst zu zeigen, wer ich wirklich bin", schreibt Rogers in seiner Erklärung. Er habe sich entschlossen, damit Schluss zu machen, da "ein Leben nur dann abgerundet ist, wenn deine Liebsten dich und deine wahren Gefühle wirklich kennen". Wenn die Geheimnistuerei ein Ende habe, dann ist "der Schmerz verschwunden, der in deinem Magen nistet, der Schmerz, sich ständig zu verstecken und unangenehme Fragen zu vermeiden".

Warum beendet er mit seinem Coming-out die Sportkarriere?

Er habe "immer geglaubt, dieses Geheimnis verstecken zu können", schreibt Rogers über sein Schwulsein: "Fußball war meine Flucht, aber auch meine Identität." Seine Karriere habe ihm "mehr Freude gegeben, als ich mir je habe vorstellen können".

Er machte aber auch deutlich, dass er von der Furcht überzeugt war, ein Coming-out während seiner Karriere hätte ihn gehindert, "meine sportlichen Träume zu erfüllen".

Wie reagiert die Fußballwelt?

"Der Mut von Robbie Rogers ist lobenswert. Ich hoffe, er weiß, dass er nicht zurücktreten muss. Er bekommt mehr Unterstützung als er denkt", teilte US-Torwart Kasey Keller via Twitter mit. Fifa-Chef Sepp Blatter äußerte sich ebenfalls über Twitter, er schrieb: "Das ist 2013. Danke". Und auch der US-Fußballverband US Soccer unterstützte seinen ehemaligen Spieler öffentlich. "Wir sind stolz auf Robbie", hieß es in einer Mitteilung.

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Na endlich..
selbstdenker75 16.02.2013
..hat die Fussballwelt ihren schwulen Kicker. Man konnte es ja kaum abwarten. Wenn sich jetzt noch einer in der Bundesliga outet ist die Welt wieder in Ordnung.
2. Bueno!
stevowitsch 16.02.2013
Gut so! Coole Reaktion von Kesey Keller. Ich würde mir auch wünschen, Rogers würde weitermachen. So ein Präzidensfall würde auch die Schwachköpfe auf den Rängen nach und nach zum Schweigen bringen. Bei den Spielern wäre das ohnehin ein weniger großes Thema als viele glauben - So Typen wie Matthäus spielen ja nicht mehr, bzw. sind Auslaufmodelle.
3. Na und?
schnitti23 16.02.2013
Seine Sexualität ist doch seine absolut private Sache. Soll er doch glücklich werden mit seiner verirrten Seele. Private Dinge sollten auch privat bleiben und nicht zu irgendwelchen Gesetzesänderungen führen. Die Gesetze sind für jeden Menschen in gleicher Weise gültig, egal welche Sexualität er hat. Das muß und soll Privatsache bleiben. Also bitte keine Extrawürste für die verschiedenen Neigungen und Vorlieben.
4.
twan 16.02.2013
Zitat von schnitti23Seine Sexualität ist doch seine absolut private Sache. Soll er doch glücklich werden mit seiner verirrten Seele. Private Dinge sollten auch privat bleiben und nicht zu irgendwelchen Gesetzesänderungen führen. Die Gesetze sind für jeden Menschen in gleicher Weise gültig, egal welche Sexualität er hat. Das muß und soll Privatsache bleiben. Also bitte keine Extrawürste für die verschiedenen Neigungen und Vorlieben.
Genauso wie ihre Homophobie ihre private Sache ist, und sie sie hier nicht rausposaunen müssen, sie "verirrte Seele". Das Mittelalter hat angerufen: man vermisst sie dort.
5. noch lange nicht
greenlemon112 16.02.2013
Die Welt ist noch lange nicht in Ordnung nur weil sich einer oder zwei outen...das steigert die Akzeptanz bei den Fans noch lange nicht. Die Vereine und Spieler sind da nicht mal das größte Problem. Leider sind die Leute auch in 2013 noch nicht für alles bereit. und wenn man sich mal in der Öffentlichkeit umsieht....wo sind da (gerade im ländlichen Raum) die offen-lebend homosexuellen Paare? die Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist stellenweise immer noch niedrig, auch wenn sich in den letzten 30-40 Jahren einiges getan hat.
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