Fifa-Bilanz zum Confed Cup Mann, was sind wir toll!

Kurz vor dem Ende des Confed Cup haben die Fifa und Russland ihre Turnier-Bilanz gezogen. Kritische Töne? Gab es nicht. Selbst die Dopingvorwürfe wurden beiseitegeschoben.

Fifa--Präsident Gianni Infantino (l.), Russlands Fußball-Chef Witali Mutko
DPA

Fifa--Präsident Gianni Infantino (l.), Russlands Fußball-Chef Witali Mutko

Aus Sankt Petersburg berichtet


Es hätte alles so schön sein können. Der Confed Cup in Russland war schließlich "ein großartiger Erfolg", mit einer "hervorragenden Atmosphäre", mit "tollen Spielen", "alle haben sich wohlgefühlt". Fifa-Boss Gianni Infantino und Russlands Fußball-Chef Witali Mutko wechselten von einem Superlativ zum nächsten. Und das wäre wohl von Anfang der Bilanz-Pressekonferenz bis zu ihrem Schluss auch so weitergegangen - wenn nicht irgendwann das böse D-Wort gefallen wäre.

Denn als es um die Dopingvorwürfe gegen russische Fußballer ging, war es mit der guten Laune der beiden Top-Funktionäre vorbei.

"Was sollen wir denn noch alles machen gegen diese unendlichen Vorwürfe? Muss ich erst einen russischen Tanz aufführen, damit diese Fragen mal aufhören?", sagte Mutko mit gespielter Verzweiflung, um den steten Dopingverdacht zu zerstreuen. Man habe doch schon so vieles unternommen, man habe doch "eingesehen, dass wir unseren Anti-Doping-Kampf reformieren müssen", aber für die Kontrollen bei Großereignissen seien schließlich Fifa und IOC zuständig und nicht Russland.

"Grindel hat jeden Tag einen neuen Vorschlag"

Dass Jahre nach der WM 2014 der Vorwurf im Raum stünde, das russische Fußballteam sei bei dem Turnier gedopt gewesen, erachtete Mutko als "komisch". Man habe damals nichts gefunden. Und überhaupt: Doping im Fußball? Das sei doch ein Mannschaftssport, brachte er als Argument ein. Schon vor Tagen hatte er behauptet, im Fußball habe es nie Doping gegeben, und es werde dort auch zukünftig kein Doping geben. Thema für ihn erledigt.

Mit Infantino wusste er zudem einen zuverlässigen Streiter an seiner Seite. Dies seien bislang "nur Spekulationen, keine Fakten", sagte der Fifa-Chef. Die Forderung von DFB-Präsident Reinhard Grindel, Dopingproben der Verantwortung der Fifa zu entziehen und sie stattdessen allein der Welt-Anti-Doping-Kommission Wada zu überlassen, habe er vernommen. "Der Herr Grindel hat jeden Tag einen neuen Vorschlag, das ist ja ganz großartig", spottete er über seinen deutschen Kollegen.

Alle Spieler seien bei der vergangenen WM getestet worden, man habe damals nur negative Proben bekommen, und ansonsten gelte "natürlich unsere Null-Toleranz-Politik". Darüber hinaus sei jetzt auch keine weitere Zeit mehr für Nachfragen, schließlich warte die Pressekonferenz der chilenischen Mannschaft.

Selfie-Rekord und Mülltrennung

Um die Qualitäten des Turniers ausführlich zu preisen, dafür war zuvor allerdings genügend Zeit gewesen. Der Confed Cup sei ein "vorzüglicher Test für die WM" gewesen, alle Mannschaften hätten sich hochzufrieden gezeigt mit Organisation und Ablauf. "Das große Lächeln" bei diesem Turnier sei das "wahre Gesicht Russlands", befand Infantino.

Russlands OK-Chef Aleksej Sorokin gab sich ebenfalls überzeugt, dass "Russland alle Befürchtungen zerstreut" habe, der Zuschauer-Zuspruch sei trotz kaum ausverkaufter Stadien größer als erwartet gewesen. Der OK-Chef hatte sogar ausgerechnet, wie viel Millionen Selfies aus den Stadien in die Welt geschickt worden seien, man habe sich zudem um eine "konsequenten Mülltrennung" verdient gemacht.

Was habe man im Vorfeld nicht alles gehört über Hooligans, über Gewalt, über Stadien, die nicht fertig werden, zählte der Fifa-Chef auf. "Nichts davon ist in Erscheinung getreten", bilanzierte Infantino: "Wenn so ein problematisches Turnier aussieht, dann will ich viele problematische Turniere haben." Kein Wort verlor er über politische Themen. "Es geht um Fußball und um nichts anderes."

Und weil das so ist, nutzte der Fifa-Präsident auch die Gelegenheit, zum Ende seiner Ausführungen Cristiano Ronaldo zur Geburt seiner Zwillinge und Lionel Messi zur Hochzeit zu gratulieren. "Das sind zwei wirklich gute Nachrichten."



insgesamt 14 Beiträge
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Steve1982 01.07.2017
1. Bei einer (kostenlosen) Führung...
... durch das FIFA Haus in Zürich mit kostenlosem Kaffee stellte der Redner konsterniert fest, dass die FIFA eine katastrophale Außendarstellung hätte. Da hat er recht.... So etwas wie Doping gehört einfach kompromisslos aufgeklärt, sonst schadet man dem Sport! Und natürlich muss die FIFA alle Konföderationen im Auge behalten, aber die WM nach Katar zu bringen war natürlich nicht zwingend erforderlich... Auch scheint es dort ein sehr ... ungewöhnliches Verhältnis zu finanziellen Zuwendungen zu geben.... Wenn die FIFA wirklich die katastrophale Außendarstellung verringern möchte, muss sie in diesen und anderen Bereichen viel mehr tun!
schorri 01.07.2017
2. Blatter reloaded
Infantino ist keinen Deut besser als Blatter. Wie auch? Er wurde von den selben Leuten gewählt, die Blatters Machenschaften über Jahre gedeckt und vertuscht haben.
Darwins Nightmare 01.07.2017
3. Igitt
Diese Heuchelei bei der FIFA ist unerträglich. Für Infantino schäme ich mich als Schweizer so richtig.
Nonvaio01 01.07.2017
4. sehe ich auch so
Confed Cup lief super, alle die da waren hatten spass. Was Doping angeht, es wurde getested und es war Negativ....ende der discussion. Natuerlich muss man Negativ denken es ist ja Russland, da gibt es nichts positives. Das ist so vorgegeben.
Sal.Paradies 01.07.2017
5. Die üble SPON`sche Berichterstattung
Nach diesem "Artikel" hat man das Gefühl, als hätte die letzten 2 Wochen gar kein Confed_Cup statt gefunden, sondern es sei ausschließlich um das Thema "Doping" gegangen. Ja, das Thema sollte erst genommen werden und ja, es soll auch adäquat darüber berichtet werden. Aber so wie SPON das macht geht es auch nicht, da das eigentliche Thema = CONFED_CUP / RUSSLAND / SICHERHEIT...hier gar nicht besprochen wird/wurde, sondern es erfolgt eine Reduzierung auf ein einziges Thema, welches SPON für wichtig hält. Und dann zum Abschluss noch der Kalauer über die "Mülltrennung"? Und warum sollte man über Hooligans berichten, wenn es gar keine Vorfälle gab? Für meine eigene Beurteilung benötige ich auch kein Statement von Infantino, weil es für mich nicht wichtig ist was er sagt. Ich kann nur meinen Eindruck wiedergeben, den ich aus dem TV+Berichten hatte und da konnte ich bis jetzt nichts wirklich negatives erkennen. Ich fand die Stadien toll und die Stimmung wird nächstes Jahr bei der WM sehr viel besser sein. Sicherheit ist wohl ausreichend vorhanden, was üble Schlägereien wie in Frankreich wohl eher nicht vermuten lässt. Von den Fans vor Ort hörte man bis jetzt auch keine großen Klagen, eher, dass die Leute dort sehr freundlich sind/waren. Was sollen eigentlich solche extrem einseitigen und am Thema vorbei geschriebenen Artikel bewirken? Ist das jetzt Journalismus 4.0 denn wir in Zukunft über uns ergehen lassen müssen? Es wäre schön, wenn eure Journalisten wenigstens den gröbsten Rahmen guten, objektivem und informativem Journalismus entsprechen würden. Danke ....
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