Confed Cup Neymar schießt die Seleção zum Sieg gegen Mexiko

Fußballfest im Stadion, Proteste in den Straßen von Fortaleza: Die brasilianische Seleção feierte einen 2:0-Sieg gegen Mexiko im Confed-Cup. Superstar Neymar war der Schlüsselspieler für den Erfolg - und bekundete seine Solidarität mit den Demonstranten.

Außen Protest, drinnen Jubel: Die Seleção feiert den ersten Torschützen Neymar
AFP

Außen Protest, drinnen Jubel: Die Seleção feiert den ersten Torschützen Neymar


Fortaleza - Überschattet von heftigen Protesten in Fortaleza hat Brasilien das nächste Fußballfest gefeiert. Der fünfmalige Weltmeister stieß mit dem 2:0 (1:0) gegen Mexiko das Tor zum Halbfinale des Confederations Cup weit auf.

Der neue Superstar Neymar (neunte Minute) und der eingewechselte Jo (90.+3) trafen am Mittwoch vor 64.000 Zuschauern im Estadio Castelão zum hochverdienten Sieg. Die Mexikaner wehrten sich tapfer, waren aber vor dem Tor zu harmlos. Erst in der Nachspielzeit sorgte Jo nach wunderbarer Solo-Vorbereitung von Neymar für die endgültige Entscheidung.

Von den Demonstrationen vor der Partie war im Stadion wenig zu spüren. Lediglich ein paar Plakate waren zu sehen. "Dieser Protest ist nicht gegen die Seleção, sondern gegen die Korruption", war auf einem der Banner zu lesen. Die Fans bejubelten vom Anpfiff weg einen 20-minütigen Sturmlauf der Brasilianer. Keine zehn Minuten waren gespielt, als wieder einmal der künftige Barça-Star Neymar für einen frühen magischen Moment sorgte. Nach einer Flanke seines künftigen Teamkollegen Dani Alves und einer missglückten Kopfballabwehr des früheren Stuttgarter Bundesliga-Profis Maza traf Neymar per Direktabnahme zum 1:0.

Seleção-Trainer Luiz Felipe Scolari vertraute der gleichen Startelf wie beim 3:0 zum Auftakt gegen Japan - also mit Bayerns Luiz Gustavo, aber ohne dessen Münchner Mitspieler Dante. Die Mexikaner brauchten lange, um sich vom Schock des frühen Gegentreffers zu erholen und das lärmende Publikum nicht mehr als lähmend zu empfinden. Hiram Mier versuchte es aus der Distanz (16.), verpasste aber das brasilianische Tor. Ein listiger Freistoß von Giovani dos Santos in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ging knapp drüber.

Nach dem Wechsel bestimmten die Brasilianer zunächst Tempo und Rhythmus. Nach schönem Doppelpass mit Neymar scheiterte Hulk aus spitzem Winkel (54.). Wenige Minuten zuvor hatte Thiago Silva das vermeintliche 2:0 erzielt, wurde aber wegen einer Abseitsstellung zu Recht vom englischen Schiedsrichter Howard Webb zurückgepfiffen.

Die Seleção untermauerte mit ihrer Angrifflust die spezielle Motivation der Partie mit Taten. Sechs Profis - darunter Neymar - standen vergangenen Sommer im Olympia-Finale von Wembley, als Mexiko gegen Brasilien 2:1 triumphierte. Weil jedoch die Mexikaner engagiert dagegenhielten, entwickelte sich ein unterhaltsames Duell. Dos Santos verhedderte sich nach einem Solo in der brasilianischen Abwehr (65.), Carlos Salcido probierte es ohne Glück aus der Entfernung (69.).

Auf der Gegenseite bekam der stark aufspielende Neymar schon Szenenapplaus, wenn er zum Eckball lief. Der Jungstar zeigte mehrmals seine individuelle Klasse, auch wenn ihm ein zweiter Treffer im Spiel und der dritte im Turnier nicht mehr gelingen wollte. Unter dem Jubel der Fans kam in der 78. Minute Publikumsliebling Lucas für Hulk. Brasilien dominierte - und Neymar krönte seine Leistung mit der Vorarbeit zum 2:0 durch den eingewechselten Jo.

Vor der Partie hatten viele Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft ihre Sympathie mit den Demonstranten bekundet. Der neue Star Neymar hatte direkt davor noch geschrieben: "Ich bin Brasilianer, und ich liebe Brasilien!! Ich habe Familie und Freunde, die in Brasilien leben!! Deshalb will ich auch ein Brasilien, das gerechter, sicherer, gesünder und EHRLICHER ist!!!!", schrieb der Nationalspieler. Das Einzige, das ihm bleibe, um Brasilien zu repräsentieren und zu verteidigen, sei das Fußballfeld. Vom Spiel gegen Mexiko an diesem Mittwoch in Fortaleza an werde er inspiriert durch die Protestbewegung aufs Feld gehen. Schon mit einem Tor in der neunten Minute setze er diese Motivation um.

mia/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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tfghhhf 19.06.2013
1. neymar ist ein guter kicker
aber er sollte kein idol fur kinder sein. mit 21 vater und von der Freundin getrennt
realist29 20.06.2013
2. Aha!
Jetzt ist mir klar, warum die Führung des FC Bayern gegen eine Verpflichtung von Neymar war. Man stelle sich vor, er würde als Bayern-Spieler mehr Gerechtigkeit und Ehrlichkeit fordern. Vielleicht würde er auch fordern das Hoeneß ins Gefängnis gehört? Dann holt man doch lieber den zahmen Götze.
stuntcoder 20.06.2013
3. optional
Die Fifa ist zwar korrupt aber nicht blöd... Ohne Böses dabei zu denken: Was ist wirkungsvoller zur Neutralisierung eines Protest im Fussball-Brasilen, als die Seleção ihre Sympathie bekunden zu lassen. Sowas bezahlt die Fifa aus der Portokasse...
lackehe 20.06.2013
4. Danke für diesen Artikel, der einfach Klasse hat
Im Gegensatz zu vielen anderen Meldungen wird hier die Wirklichkeit aufgezeigt. Sportlich gesehen, wurde Neymar sehr hart gedeckt und doch setzte sich seine Klasse durch. Ein genialer Fußballer. Na, und Alves zeigte einmal mehr seine Klasse. Wie beim Spiel gegen Japan wurde Hulk ausgewechselt und die Taktik ging ein zweites Mal auf, denn Jo schoss wieder sein Tor.
stuntcoder 20.06.2013
5. optional
Zitat Argentinien 2002: "Das Land hat kein wirtschafliches Problem sondern ein moralisches. Wer die anderen hereinlegt gilt mehr als der, der arbeitet. Würde sich diese Moral ändern, würde sich alles ändern."
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