Brasilien-Sieg gegen Spanien: Comeback der gelben Giganten

Aus Rio de Janeiro berichtet Frederik Schäfer

Sie spielten Weltmeister Spanien schwindelig und holten verdient den Confed Cup. Nach Jahren der Unsicherheit ist Brasiliens Nationalmannschaft wieder ein Gegner, der Europas Fußballmächte das Fürchten lehren kann.

Confed Cup: Brasilien entzaubert Spanien Fotos
REUTERS

Der Ball rollt auf die Torlinie zu, und Pedro will schon abdrehen, um den Ausgleich für Spanien zu feiern. Doch mit einer Wahnsinnsgrätsche rettet Brasiliens David Luiz auf der Linie - das Maracanã bebt. Wenige Sekunden später drischt Neymar den Ball zum 2:0 in den Winkel. Nun bebt das ganze Land. Was die Demonstranten auf den Straßen Brasiliens in den vergangenen Tagen immer wieder beschworen, trifft nach dem überragenden 3:0 (2:0)-Sieg im Confed-Cup-Finale gegen Spanien auch auf die Seleção zu: Der brasilianische Riese ist erwacht.

"Ein großer Sieg gegen das beste Team der Welt. Wir haben uns nicht versteckt und gezeigt wie stark wir wirklich sind", sagte Neymar, der zum Spieler des Turniers gewählt wurde, nach dem Spiel. Zuvor hatte sein Team den Welt- und Europameister scheinbar mühelos überrannt. Auf den Tag genau elf Jahre nachdem Trainer Luiz Felipe Scolari mit der Seleção um die damaligen Stars Ronaldo und Rivaldo im Finale von Yokohama Weltmeister gegen Deutschland geworden war, zeigte die brasilianische Offensive beeindruckenden Tempofußball. Die Defensivakteure, angestachelt von der spektakulären Kulisse im Maracanã, warfen sich in jeden Ball.

Fred kämpft sich zum Helden der Seleção

Brasiliens massives Gegenpressing überforderte die Spanier. Es war genau jene Taktik, mit der sie über Jahre und seit bis dahin 29 Pflichtsiegen nicht zu schlagen waren. "Wir haben nie gesagt, dass wir unbesiegbar sind. Brasilien war heute besser und hat verdient den Titel geholt", sagte Vicente del Bosque, Trainer der "Furia Roja", nach Abpfiff.

Einer der Hauptprotagonisten des Finales - und des Aufwärtstrends der Seleção - war Torjäger Fred. Während sein Gegenpart Fernando Torres nur durch stetiges Lamentieren auffiel, schlug Fred im Endspiel doppelt zu. Fünf Tore im Turnier und zehn in elf Spielen unter der Regie Scolaris machen den Publikumsliebling für seinen Trainer mittlerweile unverzichtbar. Frederico Chaves Guedes, wie er mit vollem Namen heißt, ist in Europa trotz dreier vormaliger Meisterschaften mit dem französischen Top-Team Olympique Lyon weitgehend unbekannt. In Brasilien aber führt kein Weg an dem 29-Jährigen vorbei. Vergangene Saison schoss er seinen aktuellen Club Fluminense mit 20 Toren zum Titel - und sich selbst zum Torschützenkönig der brasilianischen Liga.

Scolari weiß, dass er offensiv mit Neymar und Oscar bereits über schnelle und wendige Akteure verfügt. Von Fred sind auch keine Übersteiger oder andere Tricksereien zu erwarten. Dafür versteht er es wie kein Zweiter, sich durch die gegnerische Abwehr zu mogeln und dabei den Ball abzuschirmen. Im Finale brachte er die Seleção bereits in der zweiten Minute liegend und mit purer Willenskraft in Führung. Zudem ist er die erste Anlaufstation für lange Bälle, die er häufig geschickt abprallen lässt, wovon vor allem der nachrückende Neymar profitiert.

Spanien geht immer noch als Favorit in die WM

"Bei aller Bescheidenheit: Wir wussten, dass wir stark genug sind, um den Titel zu gewinnen", sagte Fred nach dem Triumph. Auch er weiß, dass es anmaßend wäre, nun von einem Machtwechsel im Weltfußball zu sprechen. Doch als Sergio Ramos den Kopf nach seinem verschossenen Elfmeter hängen ließ und Gerard Piqué nach seiner Roten Karte vom Platz schlich, wirkte die goldene Generation um Xavi und Iniesta, als wäre sie im Vergleich zu Neymar und Co. plötzlich arg in die Jahre gekommen.

Spanien wird wohl auch im kommenden Jahr als einer der großen Favoriten zur WM nach Brasilien reisen. Doch das Team von Vicente del Bosque hat bei diesem Turnier gezeigt, dass es mit seinem Anspruch auf den Einzug ins Finale nicht mehr allein ist.

"Der Champion ist zurück. Nun werden uns die nächsten Gegner wieder respektieren. Wir müssen aber immer noch viel arbeiten, um dahin zu gelangen, wo die Mannschaften von Spanien, Deutschland und Argentinien sind", sagte Brasiliens Trainer Scolari, der genau weiß, was die Menschen im Land des WM-Gastgebers zufrieden macht: "Jogo bonito? Schöne Spiele werden von den Menschen vergessen. Was zählt sind Resultate." Drei Tore gegen Spanien - besser hätte es bei der Generalprobe für die Weltmeisterschaft nicht laufen können.

Brasilien - Spanien 3:0 (2:0)
1:0 Fred (2.)
2:0 Neymar (44.)
3:0 Fred (47.)
Brasilien: Julio César - Dani Alves, Thiago Silva, David Luiz, Marcelo - Paulinho (88. Hernanes), Luiz Gustavo - Hulk (73. Jádson), Oscar, Neymar - Fred (80. Jô)
Spanien: Casillas - Arbeloa (46. Azpilicueta), Piqué, Sergio Ramos, Jordi Alba - Busquets - Xavi, Iniesta - Pedro Rodríguez, Torres (59. Villa), Mata (52. Jesús Navas)
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)
Zuschauer: 73.581 (ausverkauft)
Rote Karte: Piqué (68./Notbremse)
Gelbe Karten: Arbeloa, Sergio Ramos

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insgesamt 54 Beiträge
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1. fürchten wir uns nicht
politeir 01.07.2013
denn wir haben oliver und jogi-bear
2. Immer langsam
decebalus911 01.07.2013
Zitat von sysopNach Jahren der Unsicherheit ist Brasiliens Nationalmannschaft wieder ein Gegner, der Europas Fußballmächte das Fürchten lehren kann. [url]http://www.spiegel.de/sport/fussball/confed-cup-brasilien-siegt-im-finale-gege
Wer gewann 2005 überragend den Confed Cup? Brasilien. Und wer gewann Ihn 2009? Richtig, ebenfalls Brasilien. Was diese Siege ein Jahr später wert waren, haben wir gesehen.
3. optional
mbu66 01.07.2013
Brasilien hat nun schon zum dritten Mal hintereinander den (wertlosen?) Confed-CUp gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Aber was war bei den letzten beiden darauffolgenden WM-Turnieren? Da war dir brasilianische Herrlichkeit doch recht schnell vorbei...
4. bem vindo de volta!
tabuleranto1 01.07.2013
Es hat sich wahrlich gelohnt, den Mitternachtskick anzusehen. Ich hatte den Eindruck, dass Scolari sich Bayerns CL-Siege gegen Barca ganz genau angesehen hat. Durch das frühe Tor von Fred, dem beständigen Pressing der Brasilianer hatte ich das Gefühl, das Spanien in dieser Partie nie den Rythmus gefunde hat. Und, der viel kritisiert Jungstar Neymar hat einmal mehr bewiesen, wieso eine ganze Nation ihm zu Füßen liegt - nicht nur Hacke-Spitze, sondern äußerst effektiv und mannschaftsdienlich. Respekt vor der Selecao und Scolari. Da wächst was heran.
5. Stimmt nicht ganz!
lefs 01.07.2013
Zitat: "Jogo bonito? Schöne Spiele werden von den Menschen vergessen. Was zählt sind Resultate." Es gab eine Zeit, da hatte ich nicht mehr viel am Hut mit dem deutschen Fußball. Man hat diese Zeit als Rumpelfußball bezeichnet. Da waren sogar Erfolge dabei. Aber Spaß hatte ich dabei nie wirklich, ich hätte lieber respektabel verloren als in den Rasen zu beißen und NUR mit dem Glück des Tüchtigen zu gewinnen.
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