Confed Cup in Russland Fifa schränkt kritische Berichterstattung ein

Aufregung um den Confed Cup in Russland: Reporter sollen laut Fifa nur über sportliche Themen berichten dürfen. Der DFB zeigt sich alarmiert - aber was ist das wert?

Fifa-Boss Gianni Infantino
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Fifa-Boss Gianni Infantino

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Drohende Einschränkungen der Berichterstattung beim bevorstehenden Confed Cup in Russland haben den DFB aufgeschreckt. Die Wahrung der Pressefreiheit während des Turniers müsse gewährleistet werden, verlangten DFB-Präsident Reinhard Grindel und Liga-Boss Reinhard Rauball.

"Ich werde mich bei der Fifa-Ratssitzung am 9. Mai dafür einsetzen, dass die beim Confed Cup akkreditierten Journalisten frei berichten können. Es wäre ein wichtiges Signal für die WM 2018, wenn schon beim Vorbereitungsturnier das russische Organisationskomitee deutlich macht, dass es keine Einschränkungen der Pressefreiheit gibt", sagte Grindel der "Bild"-Zeitung.

Grindel bezieht sich dabei auf Passagen in den Akkreditierungs- und Visums-Unterlagen, die in diesen Tagen an die akkreditierten Journalisten verschickt werden. Dort heißt es unter anderem: "Medienvertreter mit einer Akkreditierung für den Fifa-Konföderationen-Pokal dürfen ausschließlich über den Fifa-Konföderationen-Pokal 2017 und damit verbundene Ereignisse berichten." Und: "Medienvertreter mit einer Akkreditierung dürfen nur auf dem Gebiet der Spielorte und naheliegender Sehenswürdigkeiten tätig sein."

Bislang einmaliger Fall

Solche Passagen sind in den Richtlinien für ein Turnier nicht üblich. Selbst für die Olympischen Sommerspiele in Peking, die wohl umstrittenste sportliche Großveranstaltung der jüngeren Vergangenheit, galten solche Vorschriften nicht.

Es gilt als wahrscheinlich, dass der Gastgeber Russland, schon lange wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik, damit auf missliebige Journalistenberichte während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi reagiert.

Damals hatten Journalisten auch über zahlreiche nicht-olympische Themen berichtet - was nahe lag: Während der Winterspiele eskalierte der Ukrainekrieg. Aber auch der Protest der oppositionellen Band "Pussy Riot", deren Mitglieder während der Spiele festgenommen wurden, spielte damals eine große Rolle. Solche unliebsamen Schlagzeilen will sich Russland jetzt offenbar für das Fußballturnier, das vom 17. Juni bis 2. Juli stattfindet, vom Leib halten.

Fifa als Herrin des Verfahrens

Die Fifa als Ausrichter hätte es nicht nötig, sich solche Passagen in die Akkreditierungs-Unterlagen schreiben zu lassen, sie ist schließlich Herrin des Verfahrens. Da sie das trotzdem getan hat, muss sie sich nicht über Überschriften wie in der "Bild" wundern: "Fifa kuscht vor Putin."

Liga-Präsident Rauball kommentiert in diesem Zusammenhang: "Die uneingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit gehört zu den Menschenrechten. Die Wahrung der Menschenrechte muss auch bei einem sportlichen Großereignis sichergestellt werden - egal, wo es stattfindet."

Frank Überall, Bundesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), nimmt vor allem den Fußball-Weltverband ins Visier: "Die Fifa lässt sich hier vor den Karren einer menschenrechtsfeindlichen Regierungspolitik spannen, indem sie Journalisten massiv in ihrer Arbeit behindert. Man muss darüber nachdenken, ob man solche Turniere künftig noch in Ländern austragen kann, die die Pressefreiheit mit Füßen treten."

Ob DFB und DFL in dieser Hinsicht tatsächlich viel ausrichten, ist allerdings fraglich. Auch vor den Winterspielen in Sotschi hatte der DOSB angekündigt, sich intensiv für die Menschenrechte in Russland einzusetzen. Tatsächlich gab es damals laut DOSB-Vorstand Michael Vesper diverse Hintergrundgespräche mit Menschenrechtsorganisationen. In Sachen "Pussy Riot" oder der Frage, ob ukrainische Sportler wegen des Krim-Konflikts Trauerflor tragen durften, war dann aber von den deutschen Funktionären wenig bis nichts zu hören.



insgesamt 110 Beiträge
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dieter 4711 25.04.2017
1. Putin hat nun freie Hand
Anstatt die Skandale zu beseitigen, darf nun nicht mehr über Skandale berichtet werden.
dereuropaeer 25.04.2017
2.
Dieses Verhalten wird ein weiterer Dolchstoß für das Ende der FIFA sein. Die sind nicht mehr zu retten. Erst Korruption und jetzt die Einschränkung der Pressefreiheit.
ackergold 25.04.2017
3. Russland und FIFA beschränken die Pressefreiheit?
Das ist schon ein starkes Stück. Meine feste Überzeugung ist, dass die WM nicht nach Russland gehört, nicht nur weil die Presse dort nicht frei ist. Letztlich muss auch jeder Spieler mit seiner Verhaftung rechnen - mit totaler Spionage sowieso. Ich sehe auch die Gefahr, dass ausländischen Spielern gefälschte Dopingproben untergejubelt werden. Sage niemand, das sei nicht möglich.
Walter Sobchak 25.04.2017
4.
Ja worüber wollen die werten Herren Reporter denn sonst berichten? Etwa so wie bei den Olympischen Spielen in Sochi? Wo die "Reporter" und Moderatoren keine Gelegenheit ausliessen den Gastgeber ans Bein zu pinkeln, auch wenn die Athleten sich duchweg positiv zum Event äusserten? Vergessen Sie bitte nicht, es geht nur um FUSSBALL!
w.vollmer 25.04.2017
5. Ekel
Es ekelt einem nur noch an. Die Antidemokraten sind weltweit auf dem Vormarsch. Niemand stellt sich diesen "Machern" in den Weg. Der Deutsche Fussbalbund ist "besorgt". Was für ein Witz.
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