DFB-Gegner Australien Cahills Geschichten

Der Aufschwung des australischen Fußballs scheint schon wieder vorbei. Der Confed-Cup-Gegner des DFB-Teams hat kaum noch prominente Spieler in seinen Reihen. Ein Routinier hält die Erinnerungen an bessere Zeiten wach.

AFP

Aus Sotschi berichtet


Tim Cahill könnte so manche Geschichte erzählen. Geschichten von den glorreichen Zeiten des australischen Fußballs. Geschichten von der WM in Deutschland 2006.

Als die Australier nach Deutschland anreisten, hatten sie eine bärenstarke Mannschaft. Nur zwei Profis im Kader spielten noch in der Heimat, die meisten Spieler verdienten ihr Geld in Europa, in den besten Ligen der Welt.

Tim Cahill wird sich gut daran erinnern, wie die Socceroos ganz kurz davor waren, die Italiener im Achtelfinale aus dem Wettbewerb zu werfen. Die Italiener, die anschließend Weltmeister wurden.

Cahill spielte damals beim FC Everton in der Premier League, sein Nebenmann im Mittelfeld, Vince Grella, stand beim AC Parma unter Vertrag, Harry Kewell beim FC Liverpool. Es war eine große Zeit für den australischen Fußball. Die Sportart, die in der Heimat immer im Schatten von Rugby und Cricket steht, wähnte sich kurz vor dem Durchbruch.

Cahill ist von damals übriggeblieben

Mittlerweile ist Cahill 37 Jahre alt und der Letzte, der aus jener Elf von damals übriggeblieben ist, wenn es am späten Nachmittag (17 Uhr ARD, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen den damaligen Gastgeber und jetzigen Weltmeister geht.

Heute sind nur die wenigsten im Kader von Trainer Angelos Postecoglou als Auslandsprofis in den Top-Ligen angestellt. Stürmer Matthew Leckie gehört dazu, der zur neuen Saison vom FC Ingolstadt zu Hertha BSC wechselt, ebenso Stuttgarts Torwart Mitchell Langerak, in der Nationalelf allerdings nur zweite Wahl.

Leckie sagt: "Wenn wir unsere beste Leistung zeigen und auch kleine Fehler abstellen, haben wir auch gegen Deutschland eine Chance." Aber tatsächlich nur dann. Auch wenn man dem Weltmeister vor zwei Jahren in einem Testspiel in Kaiserslautern ein 2:2 abgetrotzt hatte. Aber jeder weiß, wie wichtig Joachim Löw Testspiele nimmt.

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Australien beim Confed Cup: Die Down Underdogs

Die Australier kommen immerhin als Asienmeister nach Russland. Das ist schon ungewöhnlich genug, aber das Team darf seit ein paar Jahren bei den asiatischen Kontinentalmeisterschaften mitmachen, weil man in Ozeanien so konkurrenzlos ist. Außerdem ist Australien ja auch Teilnehmer am Eurovision Song Contest. In dem Land nimmt man es mit den Kontinenten nicht so genau, Australien hat immer schon international gedacht.

Das Klischee vom Kampfspiel

Leckie ist heute schon einer der Stars im Team, in dessen Reihen sich ansonsten keine prominenten Namen mehr finden. Der frühere Leverkusener Robbie Kruse gehört noch dazu, obwohl er derzeit ohne Verein dasteht. Mit Abwehrspieler Trent Sainsbury ist ein Profi von Inter Mailand im Aufgebot, ein bisschen Glanz fällt also noch auf das Team, aber mit 2006 ist diese Mannschaft nicht mehr zu vergleichen.

Als kantig gelten sie, die Australier, kampfbetont und zweikampfstark. Mit diesen Klischees muss sich der Fußball in Australien herumschlagen, und es war das vielleicht größte Verdienst der damaligen Mannschaft, dass sie diese Erwartungen nicht erfüllten. Das Team von 2006, mit dem holländischen Trainerstar Guus Hiddink an der Seitenlinie, spielte in guten Phasen geradezu feinsinnig, Cahill hatte mit seinen Fähigkeiten daran größten Anteil.

Auf die Dienste des Routiniers will Coach Postecoglou nicht verzichten, auch wenn Cahill inzwischen mehr Motivator als Leistungsträger ist. Nach seinen Wanderjahren in England, den USA und China ist der Profi nach Australien zurückgekehrt, lässt seine Karriere in Melbourne austrudeln. Ein Job im Management des Klubs ist ihm jetzt schon vertraglich zugesichert. Der Confed Cup ist für Cahill vielleicht der letzte große Auftritt. Wer weiß, ob es der dann 38-Jährige noch zur WM schafft?

Cahill könnte Geschichten erzählen - auch die von dem Spiel, in dem die große Zeit des australischen Fußballs zu Ende ging. Mit berechtigten Hoffnungen fuhr das Team 2010 zur Weltmeisterschaft nach Südafrika, die meisten der Helden von 2006 waren noch mit dabei. Zum Auftakt des Turniers gab es dann jedoch eine richtige Klatsche: 0:4, und davon hat sich die Nationalmannschaft eigentlich bis heute nicht mehr richtig erholt. Der Gegner damals hieß Deutschland.

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