Football-Leaks-Enthüllungen Ronaldo bietet 14 Millionen Euro - und ein Schuldeingeständnis

Er habe nichts falsch gemacht - das war Cristiano Ronaldos Strategie seit Beginn der im SPIEGEL aufgedeckten Steueraffäre. Nun bietet er der Justiz einen Deal an. Es geht um bis zu 100 Millionen Euro und sieben Jahre Gefängnis.

Cristiano Ronaldo
AFP

Cristiano Ronaldo


Weltfußballer Cristiano Ronaldo hat den spanischen Steuerbehörden laut einem Medienbericht offenbar die Zahlung von 14 Millionen Euro angeboten, um damit seine Justizprobleme zu beenden. Er sei bereit, sich bezüglich der gegen ihn erhobenen Vorwürfe in allen vier Anklagepunkten schuldig zu bekennen, berichtete die Zeitung "El Mundo" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Quellen. Dies sei das erste offizielle Angebot, das der 33-Jährige dem Finanzamt unterbreite. Der Portugiese will damit wohl eine mögliche Gefängnisstrafe in Höhe von sieben Jahren umgehen.

Die spanische Staatsanwaltschaft wirft Ronaldo vor, über Briefkastenfirmen 14,7 Millionen Euro Steuern am spanischen Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Dabei geht es speziell um Einnahmen aus Bildrechten in Höhe von insgesamt rund 150 Millionen Euro, die Ronaldo zwischen 2011 und 2014 hinterzogen haben soll. Aufgedeckt wurde das Konstrukt im Rahmen von Football Leaks durch den SPIEGEL in Zusammenarbeit mit Partnerredaktionen des EIC-Recherchenetzwerks.

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Bei einer Verurteilung würde ihn zusätzlich zum Streitwert eine Strafzahlung bis zum sechsfachen des Betrags drohen, also maximal 100 Millionen Euro. Ende Juli 2017 musste Ronaldo im Gericht von Pozuelo de Alarcón erstmals zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Dabei hatte er erklärt, er habe "niemals etwas verborgen und auch niemals die Absicht gehabt, Steuern zu hinterziehen". Nun die Kehrtwende.

Die Richterin wird dieses Angebot nun prüfen und anschließend entscheiden, ob sie den Prozess nicht doch eröffnet. In diesem bestünde die Möglichkeit, die vielen noch offenen Fragen rund um den Steuerfall Ronaldo zu klären. Unter anderem, wer ihm beim Aufbau dieser Konstruktion geholfen hat und ebenfalls zur Verantwortung zu ziehen sei. Aktuell werden sieben seiner Berater als Verdächtige geführt. Sollte sich die spanische Justiz auf das Angebot Ronaldos einlassen, kämen diese straffrei davon.

mfu/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
alex2k 18.05.2018
1. Auf gar keinen Fall!
reicht es denn nicht, wenn Grosskonzerne sich freikaufen konnen? Sollen auch Superstars sich freikaufen koennen? Wo waeren wir dann? Dann waere es ein Paradebeispiel fuer andere und weitere Betruegereien, nach dem Motto, im schlimmsten Fall kaufe ich mich einfach frei, also riskiere ich nichts, wenn ich betruege. Es muss klar gezeigt werden, dass sowas hart bestraft wird, damit keiner auf solche Ideen kommt.
Schiri-Schreck 18.05.2018
2. Zeitpunkt!
und mal wieder der richtige Zeitpunkt. Kurz vor der WM bzw dem Finale der Championsleauge....Sorry, aber das wird langsam zu durchsichtig...
Margaretefan 18.05.2018
3. Mir ist...
...das spanische Rechts- und Steuersystem nicht bekannt, deshalb bin ich eher vorsichtig dabei mir ein Urteil zu erlauben. Hier in Deutschland sind mir Fälle bekannt, in denen Schwarzfahrer, die das Schwarzfahren nicht lassen konnten, ins Gefängnis mussten. Auch in den Fällen bin ich mir unsicher, ob das richtig oder falsch ist. Ist halt wie immer einzelfallabhängig. Ob ein Ronaldo oder sonst wer für Steuerhinterziehung ins Gefängnis gehört, kann ich pauschal auch nicht beantworten. Käme für mich drauf an, ob solch Leuten volle Absicht mit dem Wissen Steuern hinterzogen zu haben nachgewiesen werden kann. Nur sind Steuerangelegenheiten wohl fast überall eine höchst komplizierte Angelegenheit. Freiwillig wird wohl niemand mehr zahlen als er muss. Legale Schlupflöcher gibt es viele und wohl auch leider eine ziemlich große Grauzone. Allein ist Ronaldo wohl eher nicht drauf gekommen, Schlupflöcher zu suchen und zu finden. Da würde ich drauf tippen, dass ihm das Finanzberater schmackhaft gemacht und ihm versichert haben, dass das ganz legal sei. Das was ich nie verstehen werde, ist die unfassbare Gier, die immer dahinterstecken muss, wenn sich eh superreiche Leute auf solch Finanzjonglierereien einlassen. Ronaldo, wie auch andere mit ähnlichem Reichtum haben doch eh für immer ausgesorgt. Warum kriegen solche Leute den Hals nicht voll? Ich finde das krank.
jomai 18.05.2018
4. Aha, wieder was gelernt
Ich hinterziehe also 14,7 Mio Steuern und biete dem Finanzamt danach an, zwar etwas verspätet aber immerhin, 14 Mio davon zu bezahlen. Die gesparten 700.000.- sind dann wohl so eine Art Aufwandsentschädigung weil ich mir ja die Mühe einer Überweisung machen muss.
PaulchenGB 18.05.2018
5. Ronaldo hat scheinbar zu wenig Steuern bezahlt
Firmen wie Apple, Amazon usw. haben eine Armada von Anwälten beschäftigt, um Steuern zu vermeiden. Erfolgreich wie man immer wieder lesen kann. Ronaldo hatte 7 Berater, die aber nicht den Auftrag hatten, Steuern zu hinterziehen, sondern Steuern zu vermeiden in legalem Rahmen. 7 Berater haben ihm ein Firmenkonstrukt vermittelt, so dass er 14,7 Mio € nicht abführen musste. Steuervermeidung bei gewissen Einkommensverhältnisses ist Gang und Gebe: Wohnsitzverlagerung, Muttergesellschaft, Tochtergesellschaft, hier eine Offshorefirma, dort eine Stiftung und was was ich, was da alles installiert wird oder werden kann. Das Steuersystem national wie international ist kompliziert. Ronaldo ist leider Opfer von "Flachpfeifen" geworden, er soll die 14,7 € zahlen, aber den Beratern sollte die Lizenz zur Ausübung des Berufes entzogen werden, das sind die Verbrecher und Ronaldo sollte diese wegen Falschberatung verklagen.
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