Real-Star als Werbe-Ikone Das Imperium Ronaldo

Cristiano Ronaldo ist ein überragender Fußballer - und allgegenwärtig in der Werbung. Football Leaks liegen Einzelheiten über die Verträge vor: CR scheffelt Millionen und muss dafür kaum etwas tun.

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Manchmal ist es nicht mehr eindeutig: Ist dieser Mensch wirklich real, oder ist er nur eine Kunstfigur, geschaffen von einem kreativen PR-Strategen als Projektionsfläche für die Werbeindustrie - dafür da, möglichst viel von dem Produkt Fußball zu verkaufen?

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Heft 49/2016
Die Geldmeister

Cristiano Ronaldo ist der Superstar des internationalen Fußball-Business. Alles an ihm scheint zu dick aufgetragen, alles scheint Pose, Verkörperung der Selbstverliebtheit.

Der Portugiese ist dabei immer noch Fußballer, ein überragender Stürmer, seine Qualität ist unbestritten, es gibt kaum einen Torrekord bei Real Madrid, den er nicht gebrochen hat. Aber dieser Cristiano Ronaldo ist auch eine einzige Werbefläche, und man kann lange darüber streiten, was bei ihm inzwischen an erster Stelle steht, der Sport oder die Vermarktung.

Worüber man nicht streiten kann: Cristiano Ronaldo ist in enger Abstimmung mit seinem langjährigen Berater Jorge Mendes ein Geschäftsmann. Gewieft und knallhart. Und unermesslich erfolgreich. Das Prinzip heißt: immer mehr. Und danach noch mehr.

Den Big Seller, der Ronaldo nicht als Werbegesicht haben möchte, muss man noch erfinden. Und der Fußballstar scheffelt und scheffelt.

Erlöse in zweistelliger Millionenhöhe - pro Jahr

Football Leaks hat eine ganze Anzahl von Werbeverträgen des Meisters vorliegen und dem SPIEGEL zugespielt, aus denen hervorgeht, dass Ronaldo Erlöse in zweistelliger Millionenhöhe erzielt. Der Mobilfunkanbieter Mobily, ansässig in Saudi-Arabien, zahlte CR7s Vermarktungsfirma 1,1 Millionen Euro für folgende Gegenleistung: Ronaldo muss einige Trikots signieren, ein paar Posts bei Facebook und Twitter absondern und für ein Fotoshooting zur Verfügung stehen. So ein Deal ist also gleich eine Million wert. Wenn man Cristiano Ronaldo heißt.

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Ähnlich sieht es bei den Verträgen der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai (1,1 Millionen Euro) und beim Autohersteller Toyota (1,9 Millionen Dollar) aus. Einen kleinen Bonus neben dem Geld gibt es von Emirates für den Star obendrauf. Der Vertrag sichert ihm zudem 15 Freiflüge nach Dubai, First Class, versteht sich, von jedem Ort der Welt aus. Nicht einmal dafür kann er also sein Geld ausgeben.

Das Unternehmen Herbalife, ein US-Riese in der Wellness-und Diätbranche mit Sitz auf den Cayman Islands, lässt sich den Namen Cristiano Ronaldo sogar 15 Millionen Dollar kosten, Samsung zahlt 3,4 Millionen Dollar, Honda ist das Testimonial CR7 zwei Millionen Euro wert.

Ronaldo lässt im Gegenzug in Werbeclips für die Unternehmen sein berühmtes Zahnpastalächeln erstrahlen. Er hat zum Lächeln auch jeden Anlass. Für seinen neuen Vertrag bei Real Madrid, mit dem ihn der Verein gewissermaßen für seine Leistungen seit 2009 belohnt hat, kassiert er einen Wochenlohn von über 400.000 Euro. Insgesamt überweist Real seinem Superstar 21 Netto-Millionen im Jahr. Keiner verdient mehr im Fußball.

Darum geht es bei Football Leaks
    Die Enthüllungsplattform Football Leaks sammelt vertrauliche Daten und E-Mails zu den Geldflüssen im Fußball. So deckt sie illegale Zahlungen an Spielerberater und Investoren ebenso auf wie die Versuche, Millionen an der Steuer vorbeizuschmuggeln dank Offshore-Geschäften. Football Leaks schweigt zu seinen Quellen, hat die Dokumente allerdings dem SPIEGEL und anderen Medien im Verbund der European Investigative Collaboration zur Verfügung gestellt. Mit einem Umfang von 1,9 Terabyte handelt es sich um den bisher größten Datensatz im Sport.

"Goldene Himbeere" für die schlechteste Fußballwerbung

Das Vermögen des 31-Jährigen beläuft sich auf rund 200 Millionen Euro. Sein Ausrüster Nike lässt ihm neuerdings jährlich 24 Millionen Euro zukommen, darüber hinaus kommt Geld ins Haus Ronaldo von seiner eigenen Unterwäsche-Kollektion, von einem Hersteller von Luxusuhren und, und, und. Mittlerweile gibt es das CR-eigene Parfüm und die CR-eigene Kuscheldecke, mit Hilfe einer Ronaldo-App kann man sich Selfies mit dem Superstar basteln.

Vor zwei Jahren promotete er für ein japanisches Kosmetikunternehmen ein Gerät, das zwischen die Lippen geklemmt wird, um die Gesichtsmuskeln in Bewegung zu halten. Das Geld wird ihn darüber hinweggetröstet haben.

Ronaldo warb auch schon für ein Motoröl, für eine Fast-Food-Kette, für eine berühmte Modelinie, für ein Shampoo. Er betreibt auf Madeira sein eigenes Hotel, auf Instagram hat er 83 Millionen Abonnenten. Unterhalb der Millionengrenze macht Cristiano Ronaldo es nicht.

Und irgendwo muss all das Geld ja auch bleiben, außer in der Tasche von Berater Big Jorge. Zum Beispiel bei den Luxuskarossen, die der Portugiese besitzt: Von Aston Martin über Lamborghini, Ferrari, Porsche bis Bentley und Maserati ist alles dabei. Seine Villa in Spanien wird auf 4 Millionen Euro geschätzt.

Und damit auch immer genug Geld für die Bugattis und Lamborghinis übrig ist, wird ein Gutteil der Werbeeinnahmen in Offshore-Steuermodellen geparkt.

An der Universität in Vancouver beschäftigten sich Soziologiestudenten in einem eigenen Seminar mit Ronaldo, es gibt ein Ronaldo-Museum, es gibt eine Ronaldo-Statue in seiner Heimat, es gibt die Wachsfigur Ronaldo, und sie kommt ihm vielleicht am nächsten. Eine Wachsfigur, so wirkt der Mensch Cristiano Ronaldo mittlerweile auf viele.

Aber in jedem Fall ist es die bestverdienende Wachsfigur der Welt.

Das SPIEGEL-Team zu den Football Leaks
    Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Stephan Heffner, Christoph Henrichs, Andreas Meyhoff, Nicola Naber, Jörg Schmitt, Alfred Weinzierl, Michael Wulzinger


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