Reals Sieg in Rom Moderner Fußballheld

Cristiano Ronaldo ist einer der umstrittensten Sport-Stars - dass er kritische Fragen als Majestätsbeleidigung empfindet, hat er gerade wieder gezeigt. Aber: Wer sein Team so zum Sieg schießt wie er in Rom, kann sich alles erlauben.

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Ausgangslage: Beide Teams traten mit neuen Trainern an. Bei der Roma folgte Luciano Spalletti auf den erfolglosen Rudi Garcia, der Wechsel von Rafael Benítez zu Zinédine Zidane sorgte für deutlich mehr Aufmerksamkeit. Beide Coaches fingen im Januar an - und befinden sich seitdem auf Erfolgskurs. Zidane gewann mit Real fünf seiner sechs Pflichtspiele, die Römer verloren nur gegen Juventus und feierten zuletzt vier Siege in Folge. Trotzdem war klar, wer die Favoritenrolle hatte.

Ergebnis: Real tat sich in dieser Rolle zwar lange schwer, der 2:0-Sieg gegen offensiv zu harmlose Italiener ging letztlich aber in Ordnung.

Die erste Halbzeit: Zidane trug den dunklen Klub-Anzug. Aber der Mantel des Schweigens war die angemessene Kleidung für die enttäuschenden ersten 45 Minuten.

Die zweite Halbzeit: Es konnte nur besser werden. Es wurde besser. Und die Roma hatte ihren Anteil daran. Die Italiener standen nicht mehr ganz so tief, trauten sich offensiv etwas mehr zu - und lockerten die Defensive so entscheidend, dass Real den nötigen Platz bekam. Cristiano Ronaldo legte sich den Ball auf der linken Seite selbst mit der Hacke vor und schlenzte ins lange Eck (57. Minute). Das zweite Tor erzielte der eingewechselte Jesé (86.). Diesen Vorsprung wird sich Zidanes Team im Rückspiel nicht mehr nehmen lassen.

Video: Ronaldo bricht Pressekonferenz genervt ab

Wer die Pressekonferenz verlässt…: Es war einer dieser Auftritte, die Cristiano Ronaldo zu einem der umstrittensten Stars im Sport machen. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel war der Portugiese nach dem Elfmeter-Trick seines ewigen Widersachers Lionel Messi, nach der Wichtigkeit von Freundschaften im Profifußball (auch als Anspielung auf Messi) und nach seiner vermeintlichen Formschwäche in Auswärtsspielen gefragt worden.

Sichtlich genervt antwortete Ronaldo zum letzten Punkt: "Nennen Sie mir einen Spieler, der mehr Auswärtstore geschossen hat als ich, seit ich in Spanien bin." Nach einer kurzen Kunstpause gab er selbst die Antwort. "Das können Sie nicht. Weil es keinen gibt." Der dreimalige Weltfußballer erhob sich, brach die PK ab und verschwand. Und wer nach so einer Inszenierung ein solches Traumtor erzielt - es war ganz nebenbei Ronaldos zwölftes Tor in der laufenden Champions-League-Saison - der geht eben als moderner Fußballheld durch.

Liebkosung des Abends: Um das Verhältnis von Ronaldo zu Benítez ranken sich einige Gerüchte. Der Ex-Trainer betonte vermutlich einmal zu viel das scheinbar gute Verhältnis zu seinem Torjäger. Nun ist mit Zidane ein Coach da, der die Sprache der Spieler spricht, der als Profi selbst ein Superstar war. Zum Beweis der neuen Zuneigung rannte Ronaldo nach seinem Tor in die Arme des Franzosen - noch so eine Heldengeste.

Madrider Torjubel: Da wächst etwas zusammen.
AP/dpa

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Alte-Herren-Bank: Spalletti hat seine Stammelf gefunden, da nimmt der 56-Jährige auch keine Rücksicht auf große Namen, geschweige denn römische Legenden. Auf der Ersatzbank saßen neben Champions-League-Sieger Maicon und dem Deutschen Meister Edin Dzeko auch die alten Haudegen Francesco Totti, 39 und Daniele de Rossi, 32. Und weil Seydou Keita und Ersatztorhüter Morgan de Sanctis auch stramm auf die 40 zugehen, schraubte der Roma-Coach das Durchschnittsalter der Reservisten auf bemerkenswerte 33,4 Jahre. Zum Vergleich: Die Startelf der Römer kam auf ein Durchschnittsalter von 24,5 Jahren.

Das deutsche Duell: Roma gegen Real war auch Antonio Rüdiger gegen Toni Kroos. Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw könnte die Leihgabe des VfB Stuttgart als Punktsieger durchgehen. Immerhin wurde der Innenverteidiger von den heimischen Fans einige Male mit Standing Ovations bedacht. Aber Kroos war mal wieder der Spiritus Rector in Reals Mittelfeld. 110 Pässe, dabei eine Quote von 96,4 Prozent, zehn Ballsicherungen - der deutsche Nationalspieler war ein Garant für Madrids Erfolg.



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insgesamt 50 Beiträge
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klyton68 18.02.2016
1. Ronaldo
ist Ronaldo. Nicht weniger, nicht mehr. Nach ihm werden andere kommen. Wie immer, eigentlich. Zu viel Show, beim Anlauf zum Freistoß. Gähn. Er hat das Beste aus seinen Möglichkeiten gemacht. Das sollte man ihm gönnen. Wenn er schlau ist, verschwendet er sein Vermögen nicht an daher gelaufenene Balkanschönheiten.
fragel 18.02.2016
2. Herr Krämer waren Sie schon beim Arzt ?
Dieser Satz lässt auf ihren geisteszustand schliessen: Wer sein Team so zum Sieg schießt wie er in Rom, kann sich alles erlauben. Jeder Werktätige, der seine Arbeit richtig macht, hätte dazu das Recht, aber kein Rasenkasper.
andromeda793624 18.02.2016
3. Wo der Unterschied?
Also früher gab es auch sehr eitle Fußballer und Trainer. Ich glaube das war damals noch heftiger! CR7 ist da eigentlich noch ganz brav im Vergleich zu Zeiten Cruyff,Maradona,Matthäus usw..;).
Seraphan 18.02.2016
4.
Ronaldo ist ohne Zweifel einer der besten und talentiertesten Fußballer in den letzten Jahrzehnten. Nun, sensibel ist er auch, und er hat das Selbstbewusstsein, aufzustehen, wenn es unfair wird. Die Aktion mag den Neidern Futter geben. Ich gebe ihm nur recht.
sg1984 18.02.2016
5. Und die Moral?
Also will uns der Autor damit sagen, wer erfolgreich ist, darf sich verhalten wie er will? Ist ja ne spitzenmoral!!!!
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