Ronaldo-Rückkehr nach Manchester "Ich bin ein glücklicher Mann. Meine Anwälte sind zuversichtlich"

Cristiano Ronaldo wird bei Manchester United noch immer verehrt. Seine Rückkehr ins Old Trafford mit Juventus Turin wird jedoch von den Vergewaltigungsvorwürfen überschattet. Er gibt sich dennoch selbstsicher.

Cristiano Ronaldo bei seiner Rückkehr nach Manchester
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Cristiano Ronaldo bei seiner Rückkehr nach Manchester

Von , Manchester


Um sich zu vergewissern, dass er immer noch ein Teil von Manchester United ist, musste sich Cristiano Ronaldo nur umschauen. Der VIP-Raum, in dem die Pressekonferenz anlässlich des Champions-League-Spiels zwischen seinem Klub Juventus und seinem Ex-Klub Manchester United stattfand, ist United-Spielern mit der Rückennummer 7 gewidmet. An den Wänden hängen gerahmte Bilder von George Best, Eric Cantona, David Beckham - und auch von Ronaldo.

Er wird nach wie vor verehrt in Manchester, wo er von 2003 bis 2009 zur Weltklasse reifte. Seine Rückkehr an alte Wirkungsstätte - zum zweiten Mal nach dem Achtelfinale in der Champions League mit Real Madrid 2013 - dürfte von vielen United-Fans mit Wehmut begleiten werden. Denn Ronaldo erinnert an die Zeit, in der ihr Verein die Premier League beherrschte und 2008 die Champions League gewann, während die Gegenwart wenig Erbauliches für den englischen Rekordmeister bietet.

Der Klub ist seit dem Weggang von Trainerlegende Sir Alex Ferguson vor fünf Jahren auf der Suche nach Orientierung, steht in der Liga nur auf dem zehnten Platz und droht, den Anschluss an die Erzrivalen Manchester City und den FC Liverpool zu verlieren.

Ganz so nostalgisch, wie noch bei der Vorrunden-Auslosung Ende August gedacht, wird das Spiel aber nicht werden. Über Ronaldos Rückkehr liegt ein Schatten - wegen der Vergewaltigungsvorwürfe durch die Amerikanerin Kathryn Mayorga, über die der SPIEGEL zuerst berichtet hat. Der Spieler bestreitet die Vorwürfe. "Vergewaltigung ist ein abscheuliches Verbrechen", schrieb er unter anderem Anfang des Monats bei Twitter und gab an, ein reines Gewissen zu haben.

Ronaldo grinste viel bei seinem ersten Auftritt vor Journalisten nach Bekanntwerden der Vorwürfe, machte Scherze mit der Pressesprecherin von Manchester United, sprach davon, dass er sich seiner Rolle als Vorbild bewusst sei, "100 Prozent, auf und neben dem Platz", wie wohl er sich bei seinem neuen Verein Juventus fühle und wie zufrieden er grundsätzlich mit seinem Leben sei. Auch, als er auf Mayorga angesprochen wurde.

"Ich bin ein glücklicher Mann. Meine Anwälte sind zuversichtlich. Ich bin es auch. Am Wichtigsten ist, dass ich meinen Fußball und mein Leben genieße. Für den Rest habe ich Leute, die sich darum kümmern", sagte er. Die Wahrheit, sagte er am Ende, komme natürlich an erster Stelle. Dann wurde Ronaldo von der Bühne entlassen. "Ciao! See you tomorrow!", rief er und verschwand.

Ronaldo stellte den Vorwürfen seine gute Laune und seine Selbstsicherheit entgegen und war offenkundig zufrieden mit dem Verlauf seines Auftritts. Das dokumentierte er später bei Twitter. Er postete ein Bild von sich auf einem der Gänge des Old Trafford und schrieb dazu: "Danke für das warme Willkommen. Ich fühle mich hier immer zu Hause."

Die "Sun" nennt Ronaldo immer noch "Ronnie"

Die englische Presse, die auf der Pressekonferenz keine Fragen stellen konnte, weil nur italienische und spanische Reporter aufgerufen wurden, geht auf zwiespältige Weise mit Ronaldos Rückkehr ins Old Trafford um. Es sind in den vergangenen Tagen verschiedene Geschichten darüber erschienen, wie er in seiner Zeit bei Manchester United von einem wilden Talent zum besten Spieler aufstieg, den die Premier League bislang gesehen hat. Die "Sun" nennt ihn immer noch liebevoll "Ronnie".

Auch für Ronaldo gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Allerdings schreibt mittlerweile auch die englische Presse über die Vorwürfe. Die "Daily Mail" beschrieb in einem umfassenden Artikel, wie unbequem die Angelegenheit für Juventus sei, immerhin zahle der Verein mit Ablöse und Gehalt über vier Jahre umgerechnet mehr als 300 Millionen Euro für Ronaldo - und seine Werbewirkung. Die "Times" schickte eine Reporterin in Ronaldos Heimatort Funchal auf der Insel Madeira und nach Turin, um weibliche Fans zu fragen, ob sich ihre Sicht auf ihr Idol durch die Vorwürfe verändert habe. Viele äußerten Zweifel an den Vorwürfen.

Es hat ein bisschen gedauert, bis sich die englische Presse des Themas angenommen hat. Noch vor wenigen Wochen fragten renommierte Reporter in der Diskussionssendung "Sunday Supplement", warum die Angelegenheit nicht überall auf den Titelseiten sei. Eine der selbstkritischen Erklärungen: Den Medien fehle möglicherweise der Mut, eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Gegenwart anzutasten.

Weniger Hemmungen hatte die Boulevardpresse in England in der Vergangenheit bei vermeintlich leichteren Zielen wie dem Alkoholiker Paul Gascoigne oder dem jungen Nationalspieler Raheem Sterling, der aus mysteriösen Gründen einen schweren Stand bei Teilen der Öffentlichkeit hat. In diesen Tagen ist die Rückkehr Ronaldos jedoch ein großes Thema in den englischen Medien - und damit sind es auch die Vorwürfe.



insgesamt 5 Beiträge
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o.o 23.10.2018
1. zuversichtlich
Lügt der sich selbst in die Tasche, oder glaubt der das wirklich? Der hat das gegenüber seinen Anwälten selbst gestanden, schriftlich dokumentiert und unterzeichnet! 2Pac hat eine nicht belegbare Vergewaltigung in den Staaten in den Knast gebracht. Der Mann hat mal so keine Ahnung was ihn erwartet, spätestens der anhängliche Zivilprozess wird ihn hoffentlich zum zweiten O.J. machen.
july1969 23.10.2018
2.
Sollte die amerikanische Strafjustiz sich irgendwann tatsächlich intensiver mit ihm beschäftigen, könnte das noch ein sehr sehr großes Problem für ihn werden. Denn dann dürfte er sich in kein Land außerhalb Portugals begeben, daß mit den USA ein Auslieferungsabkommen hat. Bleibt für ihn nur zu hoffen, daß er im Fall das tatsächlich irgendwann mal ein US Haftbefehl gegen ihn erlassen wird, er früh genug davon erfährt.
titoandres 23.10.2018
3. Der Ton dieses Artikels
"Auch für Ronaldo gilt natürlich die Unschuldsvermutung", schreiben Sie. Denn Sie wissen ganz genau, dass Ihr Artikel Gegenteiliges vermuten lässt. Also nennen Sie explizit, was Ihnen vorzuwerfen ist. Nur weil der Spiegel über die Anschuldigungen berichtet, müssen diese nicht stimmen. Gleichzeitig müssen diese nicht falsch sein. Ich nehme an, die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, dass ein junger Spieler, der von Glück geküsst zu sein scheint (Geld, Ruhm, Weltkarriere, etc.) alles aufs Spiel setzt, obwohl er längst zu einem Sexsymbol geworden ist und sehr leicht Frauen kennenlernen kann. Natürlich gibt es Aspekte einer Vergewaltigung (Gewalt, Macht, Erniedrigung), bei denen es egal ist, ob der Täter auch einvernehmlichen Sex haben könnte. Aber ich will sagen: Die meisten Menschen können sich das nicht vorstellen und gehen davon aus, dass der Mann unschuldig ist. Deshalb ist es normal, dass er nicht vorverurteilt wird. Das sollte er auch nicht. Spiegel-Artikel hin oder her.
mannex 24.10.2018
4. @july1969
Warum hoffen Sie das? Ich hoffe, dass auch ein Ronaldo bestraft wird, falls er ein Verbrechen begangen hat.
polza_mancini 25.10.2018
5. Neutralität?
"Es gilt die Unschuldsvermutung, aber...", "Allerdings schreibt mittlerweile auch die englische Presse über die Vorwürfe"...Hat die Tatsache, wieviele Zeitungen über das Thema berichten, irgendwas mit dem Wahrheitsgehalt und dem Ergebnis der Vorwürfe zu tun? Persönlich glaube ich - nach dem sehr sachlichen und sehr gut recherchierten Artikel in der Print-Ausgabe -, dass es für Ronaldo eng wird... aber bis dahin sollte auch SPON auf solche tendenziösen Texte verzichten. Die Zurückhaltung der britischen Presse könnte auch gerade darin begründet liegen, dass derzeit nicht ausreichend Belastendes vorliegt, während man bei Geistesleuchten wie Gascoigne und Co. wohl problemlos hundert Bilder und Videos im angesoffenen Zustand aus dem Hut zaubern kann. So mutig sind die Verleger dann doch nicht, weil sich CR sicher sehr gute Anwälte leisten kann.
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