Ronaldos Dreierpack gegen Atlético Alles auf die Sieben

Cristiano Ronaldo kostet Juventus mehr als 200 Millionen Euro. Eine mächtige Investition, um endlich wieder die Champions League zu gewinnen. Als sein Team ihn brauchte, übernahm er Verantwortung.

Aus Turin berichtet


Eine spezielle Nacht, auf dem Rasen und auf den Rängen - das hatte Cristiano Ronaldo nach dem 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Atlético Madrid versprochen. Er hielt Wort. Die drei Treffer des Portugiesen mit der Rückennummer Sieben sorgten für eine der denkwürdigsten Europacupnächte in der langen Geschichte des italienischen Rekordmeisters. Nach dem 3:0 (1:0) im Rückspiel steht Juventus im Viertelfinale.

Bereits vor der Partie machten die Fans aus der Curva Sud keinen Hehl daraus, wer es bei dieser komplizierten Ausgangslage richten sollte: Ronaldos Aussteigen aus dem Bus flimmerte über den Bildschirm - frenetischer Jubel. Ronaldo wurde beim Aufwärmen gezeigt - ein Aufschrei ging durchs Stadion. Dabei liegen zähe Wochen und Monate hinter dem Verein und seinen Ultras: Die lautstärksten Fans streikten aus Protest gegen zu hohe Ticketpreise.

Für das Duell gegen Atlético hatten sie ihren Stimmungsboykott ausgesetzt und trugen dazu bei, dass das häufig als Operettenpublikum verhöhnte Publikum im Turiner Stadion für eine außergewöhnliche Atmosphäre sorgte, die ihren Anteil an diesem Triumph hatte. "Es sollte eine besondere Nacht werden und das war es", sagte Ronaldo nach Spielende. "Nicht nur wegen der Tore, sondern auch wegen der Einstellung wie Champions, die wir hatten."

Dabei hatte es zuletzt nicht nur an der Einstellung Ronaldos Kritik gegeben. Im Hinspiel war er blass geblieben, gerade einmal ein Tor hatte er in der Gruppenphase der Champions League geschossen. Zuletzt beim Auswärtsspiel in Neapel war er auch noch mit seinem Trainer Massimiliano Allegri aneinandergeraten. Für diesen wurden in den vergangenen Wochen trotz eines Vertrags bis 2020 immer wieder Nachfolgekandidaten in den italienischen Zeitungen gehandelt: Erst Pep Guardiola (der dementierte), dann Zinedine Zidane (der bei Real Madrid unterschrieb), zuletzt Antonio Conte und Didier Deschamps.

Sonderrolle für Emre Can

Wegen seiner Mailänder Vergangenheit wird Allegri in Turin nicht geliebt, seine vier Meistertitel haben ihm nur Respekt eingebracht. Der dürfte nach der taktischen Großleistung gegen Atléti noch größer werden: Emre Can durfte erstmals in der Champions League von Beginn an für Juve ran und agierte in einer bemerkenswerten Doppelrolle: als zentraler defensiver Mittelfeldspieler in einem 4-3-3, der bei Ballbesitz zum rechten Verteidiger einer Dreierkette im 3-4-3 wurde. Zudem endeten fast alle Konterversuche Atlétis beim 25-Jährigen, der laut Allegri "sein bestes Spiel im Juve-Trikot gemacht hat".

Auch für die Offensive hatte sich der Trainer etwas Besonderes ausgedacht: Federico Bernadeschi wirbelte statt des Argentiniers Paulo Dybala und bereitete das erste und dritte Tor vor. Neben ihm beackerte Mario Mandzukic die Räume, die Ronaldo nicht besetzen wollte. Allegri baute ein System, das seinem von Defensivaufgaben befreiten Superstar alle Möglichkeiten bot. In der Hoffnung, dass dieser sie nutzen würde.

"Wenn die personelle Lage am schlechtesten ist, bin ich am besten", sagte Allegri. Und das bewies er mit einem weiteren Kniff: Weil ihm die Außenverteidiger ausgegangen waren, brachte er Leonardo Spinazzola, der gerade einmal drei Saisoneinsätze aufzuweisen hatte. Und ließ diesen in seinem ersten Champions-League-Spiel so offensiv an der Seite von Ronaldo agieren, dass Madrids Flügelspieler Koke ausschließlich mit Defensivaufgaben betraut war.

Als Spinazzolas Kräfte schwanden, brachte Allegri Offensivmann Dybala und ließ kurzzeitig Bernadeschi als Linksverteidiger spielen. Atléti-Trainer Diego Simeone tobte und intervenierte, doch sein Team bekam, anders als im Hinspiel, keinen Zugriff auf dieses Juventus. "Wir hatten die richtige Mischung aus Geschwindigkeit und Aggression", sagte Allegri.

Als Schiedsrichter Björn Kuipers die Partie abpfiff, wirkte einer im Jubel wie erstarrt: Erst als seine Mannschaftskameraden auf den Dreifachtorschützen losrannten, stimmte auch Ronaldo in die Feierlichkeiten ein, um nach Schlusspfiff auch schon wieder zu mahnen: "Wir haben immer noch nichts gewonnen. Dieses Ergebnis ist ein großer Impuls für die Zukunft, aber es ist noch früh, um über das Finale nachzudenken. Jetzt freuen wir uns erst einmal über das, was wir heute Abend geschafft haben."

Freuen werden sich auch die Juventus-Verantwortlichen, die nach zwei verlorenen Champions-League-Endspielen in den vergangenen drei Jahren Ronaldo als fehlendes Puzzleteil für den ganz großen Wurf identifiziert hatten. 112 Millionen Euro Ablöse hat Juventus der Transfer des Champions-League-Rekordtorjägers im vergangenen Sommer gekostet. Dazu erhält Ronaldo bis Vertragsende im Sommer 2022 geschätzte 30 Millionen Euro pro Spielzeit.

Ein gewaltiges Investment, das sich durch höhere Zuschauerzahlen, Trikotverkäufe und den Gewinn der Champions League rechnen soll. Der Juve-Traum vom ersten Triumph seit 1996 lebt weiter. Und Ronaldo will nach Clarence Seedorf der zweite Spieler werden, der den Henkelpott mit drei verschiedenen Klubs gewinnt.

Juventus - Atlético Madrid 3:0 (1:0)
1:0 Ronaldo (27.)
2:0 Ronaldo (49.)
3:0 Ronaldo (86.)
Juve: Szczesny - Cancelo, Bonucci, Chiellini, Spinazzola (67. Dybala) - Can, Pjanic, Matuidi - Bernardeschi, Mandzukic (80. Kean), Ronaldo
Madrid: Oblak - Arias (77. Vitolo), Giménez, Godin, Juanfran - Koke, Rodrigo, Saúl, Lemar (57. Correa) - Morata, Griezmann
Schiedsrichter: Björn Kuipers
Gelbe Karten: Bernardeschi / Giménez, Juanfran
Zuschauer: 40.000



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
blackbaro 13.03.2019
1. Er mag affig und arrogant wirken
aber wie man so hört ist er der erste beim Training und der letzte der geht. Es gibt wohl nur sehr wenige die so für ihren Sport Leben wie er. Der vermeintlich gute Verkauf von Real Madrid fliegt ihnen jetzt um die Ohren. Ronaldo war Real Madrid und ohne Ronaldo ist Real nichts. Das wird auch Zidane sehr bald zu spüren bekommen.
ge1234 13.03.2019
2. Genau...
.... das unterscheidet CR7 von Messi,, wenn es drauf ankommt, ist er da, übernimmt Verantwortung und entscheidet zur Not ein Spiel auch alleine. Auch wenn dad die vielen CR7-Hater und Möchtegern-Experten hier im Forum nicht wahrhaben wollen.
dosmundos 13.03.2019
3.
Zitat von ge1234.... das unterscheidet CR7 von Messi,, wenn es drauf ankommt, ist er da, übernimmt Verantwortung und entscheidet zur Not ein Spiel auch alleine. Auch wenn dad die vielen CR7-Hater und Möchtegern-Experten hier im Forum nicht wahrhaben wollen.
Die "CR7-Hater und Möchtergern-Experten" wären doch die ersten, die ihn beim Kick auf dem Pausenhof zu sich ins Team holen würden, wenn sie die Wahl zwischen ihm und Messi hätten!
Voth 13.03.2019
4.
Schön zu sehen dass er an seine Real-Performance anknüpft. Kaum hatte er mal 2-3 Spiele kein Tor geschossen ging das Bashing von allen Seiten los während er über all die Jahre zweifelsohne das Zugpferd war. Hut ab und weiter so!
nochnestimme 13.03.2019
5. Wie gesagt
CR 7 ist für mich der faszinierendste aktive Kicker. Ob er der beste ist? Das ist vielleicht Geschmacksache. Aber wer in entscheidenden Spielen derart entschlossen zuschlägt, dem gebührt Hochachtung. Er hat bereits eine ansonsten mittelmäßige portugiesische Nationalmannschaft zum EM Titel geführt und ich traue ihm auch zu, mit Juve die CL zu gewinnen. Weil er es nicht will nur sondern auch kann.
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