Nach Real-Abschied Ronaldo zu Juventus - das steckt dahinter

"Ronaldo verlässt Real" - in der Vergangenheit wurde darüber oft spekuliert, nun ist es passiert: Der Superstar wechselt nach Italien zu Juventus. Die Hintergründe des Transfers.

Ronaldos Traumtor gegen Juventus
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Ronaldos Traumtor gegen Juventus

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Im Fußballstadion von Turin brach Jubel unter den Juventus-Fans aus. Ihre Mannschaft hatte vor wenigen Augenblicken das 0:2 im Viertelfinale der Champions League kassiert. Aber der Applaus war nicht als Hohn gemeint. Die Turiner Anhänger würdigten einen spektakulären Treffer des Gegners, sie würdigten ein Fallrückziehertor von Cristiano Ronaldo, das er für Real Madrid erzielt hatte. Der Weltfußballer sagte, der Jubel des Gegners sei einer der glücklichsten Momente seiner Karriere gewesen.

Applaus, Anerkennung, Aufmerksamkeit - Ronaldo liebt es, wenn er verehrt wird. So wie in jener Nacht Anfang April.

Der Applaus von Juve-Fans könnte für Ronaldo Alltag werden. Wie Real Madrid bekannt gab, wechselt der 33-Jährige zum Meister der italienischen Serie A. Ronaldo, der dreimalige Weltfußballer, der seit 2009 bei den Königlichen unter Vertrag stand und viermal mit Real die Champions League gewonnen hat, verlässt den spanischen Top-Klub. Angeblich überwies Juve für die Dienste des Portugiesen 105 Millionen Euro nach Madrid. Das ist vergleichsweise ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Ronaldo eine festgeschriebene Ablösesumme von einer Milliarde Euro gehabt haben soll.

Spekulationen um einen Ronaldo-Abschied hatte es in der Vergangenheit häufiger gegeben. Der Superstar hatte unmittelbar nach dem Champions-League-Sieg Ende Mai einen Wechsel angedeutet und einige Wochen später erneut öffentlich über einen Transfer nachgedacht. Nun haben die Spekulationen ein Ende. Ronaldo unterschrieb in Turin einen Vierjahresvertrag. Warum? Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Ronaldo bedankt sich bei Juve-Fans
AFP

Ronaldo bedankt sich bei Juve-Fans

Warum wechselt Ronaldo zu Juventus?

Die besondere Wertschätzung der Juventus-Fans mag ein Grund sein. Diese dürfte Ronaldo auch bei einer Vorstellung in Turin anführen - Worte, die man als Fan gerne hört. In der Realität geht es aber vor allem um: Geld. Und davon soll CR7 besonders viel erhalten: Bei Juventus verdient er Medienberichten zufolge 30 Millionen Euro netto. Das wäre noch einmal eine deutliche Steigerung gegenüber seinem aktuellen Verdienst in Madrid, der bei etwa 21 Millionen Euro netto liegen soll.

Zuletzt soll Ronaldos Berater Jorge Mendes auch mit Real-Präsident Florentino Pérez über einen neuen Vertrag verhandelt haben (obwohl Ronaldos Arbeitspapier in Madrid bis 2021 lief). Offenbar führten die Gespräche nicht zu der erhofften Gehaltsverbesserung.

Hinzu kommt, dass Ronaldo in Madrid augenscheinlich die Wertschätzung fehlte. "Mein Kopf kann nicht mehr. Ich fühle mich ungeschützt. Wenn ich einen Monat nicht treffe, pfeifen mich die Zuschauer im Bernabeu aus, und der Verein fängt an, über meinen Nachfolger und Transfers zu reden", zitierte die spanische Sportzeitung Marca den fünfmaligen Weltfußballer vor seinem Wechsel.

Wer steht hinter Juventus Turin?

Wer von Juventus spricht, ist schnell bei Fiat. Der Automobilkonzern ist Sponsor der Turiner, auch durch diese Mittel gelang 2016 der 90 Millionen Euro teure Transfer von Gonzalo Higuaín. Und wer von Fiat spricht, ist schnell bei der milliardenschweren Familie Agnelli und Andrea Agnelli. Er ist Vorstandsmitglied beim Autobauer Fiat und gleichzeitig Präsident von Juventus.

Hier der Geldgeber Fiat, dort der ehrgeizige Agnelli: Unter dem Klubpräsidenten gewann Juventus sieben Meistertitel. Der Champions-League-Triumph fehlt aber noch in der Vita des 42-Jährigen. Nach den Endspielniederlagen 2015 und 2017 soll Ronaldo nun der Schlüsselspieler sein, der den Henkelpott nach Turin bringt. Zudem steht der Name von Agnelli nun in Verbindung mit einem der spektakulärsten Transfers der Fußballgeschichte - Ronaldo scheint also auch eine persönliche Trophäe zu sein.

Welche Probleme ergeben sich durch den Ronaldo-Transfer?

Bayerns Douglas Costa (40 Millionen Euro), Rechtsverteidiger Joao Cancelo vom FC Valencia (40 Millionen Euro), Genua-Torwart Mattia Perin (15 Millionen Euro) und zwei weitere Millionentransfers im einstelligen Bereich - Juventus hatte in diesem Sommer bereits vor der Ronaldo-Verpflichtung über 100 Millionen Euro investiert. Auf der Einnahmeseite steht bislang der Verkauf von Tomás Rincón, der sechs Millionen einbrachte.

Ronaldo (links) und Sergio Ramos
AP/dpa

Ronaldo (links) und Sergio Ramos

Das bedeutet: Mit der Verpflichtung von Ronaldo wird der Klub einen Hochkaräter aus seinem aktuellen Kader verkaufen müssen. Ansonsten gibt es Probleme mit der Uefa. Zuletzt wurde erst Ligakonkurrent AC Milan wegen des Verstoßes gegen die Regeln des Financial Fairplay für zwei Jahre vom Europapokal ausgeschlossen.

2016 wurde für Higuaín Paul Pogba an Manchester Uniteds verkauft. Kandidaten für einen teuren Verkauf in diesem Jahr wären Higuaín, Paulo Dybala oder Miralem Pjanic. Das Problem: Jeder dieser Spieler nimmt eine wichtige Funktion im System von Trainer Massimiliano Allegri ein - und alle sind jünger als Ronaldo. Die Alternative zu Spielerverkäufen wäre eine externe Finanzierung Ronaldos über einen Sponsor, mit diesem Modell hatte Paris Saint-Germain im vergangenen Jahr den 222-Millionen-Rekordtransfer von Neymar finanziert. Solch ein Transfermodell scheint nach aktuellen Informationen jedoch nicht gewählt worden zu sein.

Warum lässt Real Ronaldo ziehen?

Nach den drei Champions-League-Siegen unter Zinédine Zidane steht Real Madrid vor einer großen Veränderung: Mit Spaniens Ex-Nationalcoach Julen Lopetegui haben die Königlichen einen neuen Trainer. Oder anders gesagt: Ein guter Anlass, um auch das Team zu verändern - womit man wieder bei der Zukunft von Ronaldo wäre.

Reals 450-maliger Torschütze wird im kommenden Jahr 34 Jahre. Der Stürmerstar wird im modernen Fußball und bei seinem tempointensiven Spiel nicht ewig sein Niveau halten können. Dieser Umstand erklärt auch, warum Real Madrid offenbar auf die festgeschriebene Ablösesumme für Ronaldo verzichtet und sich mit einer Ablöse von 105 Millionen Euro begnügt, wie die spanische Zeitung "Marca" schreibt. Wer auf Ronaldo folgen könnte? Neymar, Kylian Mbappé oder Harry Kane wären Kandidaten. (Lesen Sie hier einen Text über die Erben von Messi und Ronaldo.)

insgesamt 16 Beiträge
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Nonvaio01 06.07.2018
1. Juve
das Wolfsburg Italiens. Nur gegen Juve hat keiner etwas, ist ja ein Traditions Verein...;-) Das Ronaldo weg will macht sinn, Real ist im umbruch und ich denke mit CL Siegen wars das erstmal. Ein weiterer zyclus ist vorbei, so ist es mit den Grossen. Man baut ein Kern Team auf, dem nan dann 10 Jahre vertraut, in den 10 Jahren muss man soviel gewinnen wie es geht. Dann wieder neuaufbau.
hileute 06.07.2018
2. Würde mich freuen
ich fände einen Wechsel von Ronaldo durchaus interessant, das würde Juve nochmal auf ein höheres Niveau bringen, wohingegen ich gespannt bin wie gut real den wahrscheinlich Verlust von Ronaldo kompensieren werden, ob dafür die jungen Spieler ( Isco asensio) genügen oder ob sie z. b Neymar holen
jfpublic 06.07.2018
3. Warum sind Bayern oder Schalke nicht dabei?
Die Altstars machen die Vereine für Talente attraktiver -- mit Alonso war Bayern als Arbeitgeber gefragter als vorher. Und Raul brachte auch etwas Glanz nach Gelsenkirchen. Also: 100 Millionen sind ok.
hallo???? 06.07.2018
4. raul war seit jahren ersatz...
Zitat von jfpublicDie Altstars machen die Vereine für Talente attraktiver -- mit Alonso war Bayern als Arbeitgeber gefragter als vorher. Und Raul brachte auch etwas Glanz nach Gelsenkirchen. Also: 100 Millionen sind ok.
..saß bei real seinen vertrag ab und machte im hintergrund politik. er war sportlich über den zenit und sein gehalt verhinderte einen wechsel in eine topliga. die differenz seines schalke-gehalts zu dem von real (5/7mios) wurde von real getragen um ihn loszuwerden. nach 2 jahren bot schalke weiterhin 5 mios, aber ohne die 2 aus madrid war das kein thema mehr. ronaldo ist keinesfalls vergleichbar über den zenit, seine sportlicher ehrgeiz im bezug auf weltfussballer oder cl dürfte ihn sicher nicht nach deutschland führen. bester spieler der buli kann er auch in 5 jahren noch werden
Mr Bounz 06.07.2018
5.
ich hatte immer auf ein Tauschgeschäft Ronaldo gegen Messi gehofft. Das wird jetzt wohl nichts mehr.
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