Football-Leaks-Enthüllungen Ronaldo offenbar von eigenen Gutachtern belastet

In der vom SPIEGEL aufgedeckten Steueraffäre wird es für Cristiano Ronaldo eng. Drei Experten, die der Portugiese selbst benannt hat, nennen seine Darstellung "die absurdeste Version, die sie je gehört haben".

Cristiano Ronaldo
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Cristiano Ronaldo


Noch ist der Steuerprozess gegen Cristiano Ronaldo nicht offiziell eröffnet, aber die Entwicklungen der vergangenen Wochen dürften dem portugiesischen Superstar Sorgen bereiten. Im Juni vergangenen Jahres hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 33-Jährigen erhoben. Das Gericht prüft noch, ob das Verfahren eröffnet wird. Bei einer Verurteilung droht ihm eine langjährige Freiheitsstrafe.

In der vergangenen Woche forderte die spanische Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von vier Millionen Euro für Xabi Alonso. Dabei soll der spanische Welt- und Europameister "nur" zwei Millionen Euro hinterzogen haben.

Bei Ronaldo geht es um einen ungleich höheren Betrag, genauer um 14,7 Millionen Euro Einnahmen aus Bildrechten, die der Portugiese über ein Geflecht von Scheinfirmen am spanischen Fiskus vorbeigeschleust haben soll. Aufgedeckt wurde das Konstrukt im Rahmen von Football Leaks durch den SPIEGEL in Zusammenarbeit mit Partnerredaktionen des EIC-Recherchenetzwerks. Ronaldo selber hatte in den vergangenen Monaten mehrfach seine Unschuld beteuert.

"Ich habe niemals etwas verborgen und auch niemals die Absicht gehabt, Steuern zu hinterziehen", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme nach seiner Vernehmung Ende Juli 2017. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und wirft dem 33-Jährigen vor, "wissentlich" und "willentlich" gehandelt zu haben.

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Nach den Meldungen zu Alonso sollen Ronaldos Anwälte laut spanischen Medienberichten versucht haben, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft auszuhandeln, in dessen Rahmen Ronaldo seine Schuld eingestehen und eine hohe Strafzahlung akzeptieren könnte. Es ist aber fraglich, ob sich das Gericht angesichts der vorangegangenen Leugnungen des Portugiesen darauf einlassen würde.

Den nächsten Rückschlag für Ronaldo soll es nun gegeben haben. Wie "El Mundo" berichtet, sollen drei Gutachter in einer Befragung des Gerichts die Steuerhinterziehung bestätigt haben. Seine Dementis bezeichneten sie als "die absurdeste Version, die sie je gehört haben".

Besonders pikant daran: Ronaldo selber hat die Experten als Zeugen berufen in der Hoffnung, dass sie ihn entlasten. Dies scheint allerdings schwer möglich zu sein. Zumindest solange der Portugiese behauptet, von den Vorgängen nichts gewusst zu haben. Wie aus den Football-Leaks-Datensätzen hervorgeht, hat Ronaldo alle Verträge in Zusammenhang mit den fraglichen Bildrechten selber unterschrieben.

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
vubra 26.03.2018
1. Man kann es wenden und auch drehen
sobald die Herrschaft locker über eine Mio. im Jahr verdient um so mehr haben diese Herrschaften daen Zwang zur Steuervermeidung. Und da geht es anscheinend sehr sehr vielen so von Millionären zu Milliadären zu Unternehmen. Nur als Bürger wirst du sofort besteuert bevor dein Geld ausbezahlt wird und mit Pech wirst du danach dann noch mal besteuert als Bürger wirst du eigentlich immer Besteuert. Aber als so ein Millionär & Unternehmer da gehst du essen , tanken oder machst Urlaub und bekommst dafür sogar die Steuern zurück. Solange es immer eine Extrawurst für solche Leute gibt solange werden diese überlegen wie man Steuerzahlungen vermeiden kann. Ist ja auch ungerecht sich so anzustrengen wie zB. ein Fußballer und dann dafür nur 300 Mio oder mehr zu bekommen und dann will da einer auch noch Steuern abziehen.
PaulchenGB 26.03.2018
2. Ronaldo ist Welt-Fußballer und kein Steuerexperte.
Und er hat mit Sicherheit seine Berater nicht beauftragt, Steuern zu hinterziehen, sondern Einnahmen steueroptimiert zu gestalten, also Konstruktionen zu nutzen wie es andere Unternehmen auch tun wie Google, Amazon, Apple, Facebook etc. pp. Wie hat es unser Ex-Bundesverfassungspräsident und EX- Bundespräsident Prof.Dr. Roman Herzog mal so schön gesagt: Ohne Steuerberater kann ich meine Einkommenssteuererklärung nicht abgeben. Das Steuersystem ist so kompliziert, dass man mit den falschen Beratern schnell mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Die Übeltäter und letztlich verantwortlich sind dann aber doch die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und Fachanwälte für Steuerrecht, die dem Steuerpflichtigen dann Kopf und Kragen kosten können. Die gehören vor Gericht und nicht ein Ronaldo. Ich unterschreibe die von meinem Steuerberater ausgefertigte Einkommenssteuererklärung auch blind, von Steuern hab ich halt keine Ahnung.
PaulchenGB 26.03.2018
3. Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Fachanwälte für Steuerrecht,
das sind doch die, die auf die Anklagebank gehören. Kein Mandant beauftragt diese, Steuern zu hinterziehen, sondern ein Optimum an Steuergestaltung zu finden. Wenn diese Berufsgruppen Fehler machen, sollten diese auch dafür haftbar gemacht werden. Ronaldo ist Fussballer und kein Steuerexperte. Wenn mein Steuerberater mir die Steuererklärung vorliegt, unterschreibe ich auch blind.
july1969 26.03.2018
4. @vubra
Die locker über EINE Mio. Euro von denen Sie schreiben, sind für einen Herrn Ronaldo ein halbes Monatseinkommen, wenn nicht sogar nur ein Wocheneinkommen. 40 oder 50 Mio. Jahreseinkommen, dürften dem was er bekommt, da schon wesentlich näher kommen.
bauigel 27.03.2018
5. @ vubra
Die typischen Vorurteile ohne irgendwelche Sachkenntnis. Wo können die von ihnen angegriffenen Millionäre ihren Urlaub von der Steuer abziehen? Wohlgemerkt von der Steuerlast abzuehen jnd nicht wie von ihnen dargestellt, erhalten sie die Ausgaben zurück. Aber diese Feinheiten sind wohl schon zu biel.
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