Nationalspieler im Streik Danish Dynamite 

Der Dänische Fußballverband hat ein Problem: Er braucht ganz dringend ein neues Nationalteam. Nach Abbruch der Gespräche über Sponsorenverträge verweigern die derzeitigen Spieler den Antritt zur Nations League. Es droht der EM-Ausschluss.

Mitglied der Spillerne: Simon Kjaer
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Mitglied der Spillerne: Simon Kjaer

Von León Küther


Die Nations League steht direkt bevor - und der Dänische Fußballverband DBU steht derzeit ohne Nationalteam da. Gespräche zwischen DBU und der Spielervereinigung Spillerne um Sponsorenverträge sind abgebrochen worden, die Spieler weigern sich, anzutreten.

Die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien beschäftigten sich im Kern damit, dass die DBU Änderungen vornehmen wollte, die dem Verband ermöglichen, mehr Geld für eigene Projekte einzunehmen. Da jedoch die Verträge der Nationalmannschaft in Konkurrenz zu den persönlichen Sponsorenverträgen der Spieler stehen, lehnte die Vereinigung das Angebot des Verbands ab. Daraufhin erklärten zahlreiche Akteure, dass sie für die kommenden Partien gegen die Slowakei und in der neu gegründeten Nations League gegen Wales nicht zur Verfügung stehen. Auch Trainer Åge Hareide will nicht an den Partien teilnehmen. Claus Bretton-Meyer, administrativer Direktor der DBU, versicherte am Montagnachmittag in einer Pressemitteilung zwar, dass die Begegnungen stattfinden könnten, Spieler für die beiden Partien würden allerdings zu einem späteren Zeitpunkt benannt werden.

Sollte die DBU keine Mannschaft in den nächsten Begegnungen stellen können, droht ein Ausschluss von der Europameisterschaft 2020. Im vergangenen Jahr hatte die Frauen-Nationalmannschaft ein WM-Qualifikationsspiel aus Protest gegen die Vertragsbedingungen des Verbands boykottiert. Die UEFA sprach deshalb im Anschluss an diesen Vorfall eine Warnung aus, dass sich dies in den nächsten vier Jahren nicht wiederholen dürfe, sonst drohe der Ausschluss von einem Turnier der Uefa.

Per Brief eine neue Mannschaft gesucht

Die Verantwortlichen des Verbands rund um Präsident Jesper Møller bedauerten, dass bislang keine Einigung erzielt werden konnte. Nach den abgebrochenen Gesprächen hatte die Spielervereinigung zunächst angeboten, bis zum Oktober zu den alten Bedingungen aufzulaufen. Dies wertete der Verband jedoch als Zeichen, dass die Spieler nicht bereit für Veränderungen in der Vereinbarung sein, und lehnte den Vorschlag ab.

Schließlich verfasste die DBU einen Brief an alle Klubs in der dänischen Superliga, in denen dänische Fußballprofis aus unteren Ligen gebeten wurden, für die "Landsholdet" in den nächsten beiden Partien aufzulaufen. Bis zum heutigen Montag haben sowohl die Profis aus der Superliga als auch aus der Divison 1 und 2 die Möglichkeit, sich beim Verband registrieren zu lassen. Das Spiel gegen die Slowakei soll die DBU nun zugesichert haben, berichtet die dänische Rundfunkanstalt DR. Sollten die Spiele nicht stattfinden, so der Verband, würde der dänische Fußball "in die Steinzeit zurückfallen".

Tottenhams Mittelfeldstar Christian Eriksen, der sich ebenfalls in der Debatte zu Wort gemeldet hatte, war zuvor davon ausgegangen, dass auch die Spieler aus den unteren dänischen Ligen sich nicht zu einem Einsatz für die dänische Nationalmannschaft bereit erklären würden. Schließlich hätten auch sie Verständnis für diese Situation. Es gehe bei dem Konflikt nicht um Geld, sondern ausschließlich um die Rechte der Spieler, sagte Eriksen DR.

Zu den prominenten Vertretern der Spillerne zählt auch der ehemalige Wolfsburg-Spieler Simon Kjaer. Im Gespräch mit der dänischen Zeitung "Ekstrabladet" erklärte Kjaer, dass der Dänische Fußballverband für die Probleme in den Vertragsgesprächen gesorgt habe und nun eine Absage der internationalen Begegnungen riskiere. Zudem versuche der Verband in der Öffentlichkeit die Nationalspieler so hinzustellen, als ob sie nicht antreten wollen würden. Schließlich habe er den Eindruck, dass die DBU nicht an einer schnellen Lösung interessiert sei und man nun Konsequenzen für den dänischen Fußball befürchten müsse.

Unterstützung erfährt die Nationalmannschaft rund um Simon Kjaer von der dänischen Nationalspielerin Pernille Harder, die vor wenigen Tagen zur Europas bester Fußballerin des Jahres gekürt wurde. Im Online-Nachrichtendienst Twitter sicherte die 25-Jährige, die für den VfL Wolfsburg spielt, ihren männlichen Kollegen ihre Unterstützung zu und betonte, dass sie auf eine baldige Lösung hoffe. Damit ist Harder sicherlich nicht alleine.



insgesamt 3 Beiträge
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zaunreiter35 03.09.2018
1. So eine Einigkeit
So eine Einigkeit sieht man selten. Nach dem Frauen-Desaster und den drei Minuspunkten in der WM-Quali stellt sich nun die Kapitänin der kvindelandsholdet und Europas Fußballerin des Jahres an die Seite der Männer. So dämlich kann die DBU doch nicht sein, dass binnen eines Jahres gleich zweimal Länderspiele wegen Gesprächsabbrüchen ausfallen?
Horst Böttcher 03.09.2018
2. So nicht....
"Nach den abgebrochenen Gesprächen mit der Spielervereinigung hatte der Vorstand des dänischen Verbands den Spielern zunächst angeboten, bei den kommenden Länderspielen erst mal zu den vorherigen Bedingungen aufzulaufen, um so das Stattfinden der beiden Partien zu gewährleisten. Spillerne lehnte ab." Das ist nicht korrekt. Die Spielervereinigung hat dem Verband angeboten zu den alten Bedingungen weiterzumachen, wie sie es auch vor der WM getan hat. Der Verband hat das abgelehnt und sucht jetzt verzweifelt in den unterklassigen Liegen Spieler die auflaufen wollen.....
wunsiedel 04.09.2018
3. Eriksen hat recht
Bei dem Konflikt geht es sicher nicht um Geld, da das beim Fußball noch nie eine große Rolle spielte.
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