Dortmunds Zagadou Ein Fehler, der ihn reifen lässt

Dan-Axel Zagadou ist 19 Jahre alt. Seit Wochen spielt er beim BVB in Bestform, gegen Hertha führte sein Fehler zum ersten Rückschlag. Für Trainer Lucien Favre kein Problem: "Er muss einfach weitermachen. Fertig."

AP

Von , Dortmund


Sieben Spiele, jeweils über die komplette Zeit, in 33 Tagen, also einem guten Monat. Das ist ein strammes Programm. Gerade für einen Fußballer, der zuvor in knapp sieben Monaten gar kein Pflichtspiel bestritten hat.

Der Fortschrittsbalken in der Partie zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC war bei etwa 99 Prozent angelangt, als jenem viel beschäftigten Profi die Luft ausging: Dan-Axel Zagadou. Einer der vielen Youngster im BVB-Kader, der wie Doppeltorschütze Jadon Sancho, Jacob Bruun Larsen oder Achraf Hakimi viel Verantwortung übernimmt.

Zagadou hechelte - in einer insgesamt müden BVB-Schlussphase - Davie Selke hinterher, aber der Berliner, kurz zuvor frisch ins Spiel gekommen, war ihm enteilt. Zagadou, der aus besserer Position in den Zweikampf startete, stolperte auf Selkes Rücken. Ein klares Foul, ein klarer Elfmeter. Salomon Kalou verwandelte tief in der Nachspielzeit zum 2:2. Erstmals in dieser Saison gab der BVB in einem Heimspiel Punkte ab.

Es war ein kleiner Rückschlag für den Tabellenführer, der "zum ersten Mal in dieser Saison nicht effizient war", wie Mario Götze bemängelte. Der FC Bayern siegte gleichzeitig in Mainz und liegt zwei Wochen vor dem direkten Duell in Dortmund nur noch zwei Punkte hinter dem BVB.

Favre gesteht seinen Spielern so etwas zu

Ein paar ausgelassene gute Torchancen waren das eine, der "kleine Fehler am Ende" das andere. Lucien Favre sprach davon. "Ein Fehler gehört dazu", sagte der Dortmunder Trainer, der gerade seinen jungen Spielern so etwas zugesteht. Favre musste nachdenken, ob Zagadou überhaupt schon 19 Jahre alt ist (was er seit Juni ist), dann empfahl er ihm gewohnt wortkarg: "Er muss einfach weitermachen. Fertig." Favre weiß um die Möglichkeit solcher Rückschläge - und weiß, dass junge Spieler so reifen können.

Der Rausch, das hatte Marco Reus schon nach dem rauschhaften 4:0 gegen Atlético Madrid angekündigt, werde nicht ewig anhalten. Ob das Unentschieden gegen die Hertha, die gegen Gladbach, die Bayern und auf Schalke gewann, nun schon das Ende bedeutet, ist strittig. Eine Spaßbremse war der späte Ausgleich aber sicher, vor allem für Zagadou.

Der Franzose war zuvor überragend. Er gewann im Schnitt drei von vier Zweikämpfen, womit er genau auf dem Niveau seiner bisherigen vier Saisoneinsätze lag. Seine scharfen Flachpässe ins Mittelfeld beschleunigten das Spiel. Seine Ruhe am Ball war erneut bemerkenswert.

"Er hat viele Fortschritte gemacht", lobte Favre seinen Innenverteidiger, der auch schon am linken Ende der Viererkette zum Einsatz gekommen war.

Seit März außen vor

Dan-Axel Zagadou war schon ein bisschen in Vergessenheit geraten, als der neue Trainer im Sommer damit begann, den BVB neu zu ordnen. Unter dessen Vorgänger Peter Stöger war Zagadou in der Bundesliga gar nicht zum Einsatz gekommen. Nur in der Europa League im vergangenen März durfte er mal spielen. Er bot gegen RB Salzburg eine desolate Leistung und zog sich auch noch einen Muskelbündelriss zu. Ein Abend zum Vergessen, in jeder Hinsicht.

Auch unter Favre blieb Zagadou zunächst außen vor. Manuel Akanji und Abdou Diallo waren in der zentralen Verteidigung die erste Wahl, auch außen waren andere vor ihm. Nach einer Roten Karte für Diallo erhielt Zagadou dann am fünften Spieltag gegen den 1. FC Nürnberg eine Chance.

Der BVB gewann 7:0, der Rausch begann. Seitdem verpasste Zagadou keine einzige Minute mehr, weder in der Bundesliga noch in der Champions League.

Favre brachte ihn wieder in die Spur, wie der Trainer das schon bei vielen Spielern hinbekam. Es dürfte eine wichtige Rolle spielen, dass sich der ruhige, fast schüchterne Zagadou mit dem Schweizer in seiner Muttersprache Französisch unterhalten kann. Mit der deutschen Sprache hapert es noch bei dem 1,96 Meter großen Verteidiger, der trotzdem schnell auf Geschwindigkeit kommt. Nur gegen Hertha, in der Nachspielzeit, da war er zu müde.

insgesamt 24 Beiträge
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Oihme 27.10.2018
1. Für Zagadou gilt ...
... was ein anderer Reporter einmal zu den Fehlern eines BVB-Youngsters sagte: "Kein Wort der Kritik, bis der Junge nicht 21 ist!" Wo sollen junge Spieler denn sonst die nötigen Erfahrungen sammeln können? Wobei der zum Elfmeter führende "Fehler" Zagadous längst nicht so eindeutig war, denn er wurde zuerst von Selke gefoult, verlor nach wiederholten Halten und einem Tritt in die Hacken das Gleichgewicht und riss danach erst den am ihm vorbeigezogenen Selke um. Schwamm drüber, Favre hat völlig recht: Weitermachen! Es macht unglaublich Freude, diese Rasselbande spielen zu sehen!
meresi 27.10.2018
2. Live Ticker
hab das Spiel leider nur im Live Ticker verfolgen können. SPON sollte mal über den Gartenzaun gucken wie andere online tabloids das handhaben. Hier war es ja wie auf einer Beerdigung heute.
Sal.Paradies 27.10.2018
3. Nicht spielentscheidend
Die Aktion Zagadous würde ich nicht mal als so spielentscheidend wie SPON sehen. Den Fakt ist, dass dieses Spiel in der 91.Min ja längst für die Borussia entschieden sein "muss"! Guerreiro+Bruun Larsen stehen beide völlig frei und alleine vor Jarstein und bekommen die Pille nicht über die Linie. Bei Guerreiro macht Jarstein noch den Winkel dicht, aber die Chance von Bruun Larsen ist eine 150%ige. Aber wo Mittwoch halt das Quentchen Glück im Westfalenstadion Einzug hielt, fehlte es heute ein Stück weit. Sancho ca. 5cm im Abseits, weshalb sein tolles Tor nicht zählte, etc...pp..! Da braucht es nun wirklich keinen extra Bericht über Zagadou....
fizzybubblech 27.10.2018
4. Das war doch kein Fehler
Zagadou und Selke haben einen normalen Zweikampf und Selke lässt sich theatralisch fallen. Wenn überhaupt stolpert Selke über Zagadou und fällt hin. Also wie man hier Zagadou einen Fehler! vorwerfen kann, ist mir nicht verständlich. Vor allem warum man daraus einen Beitrag erstellen muss. Der Junge ist momentan einer der besten Abwehrspieler der Bundesliga. Da versucht man jetzt die BvB Spieler schlecht zu reden...
aurichter 27.10.2018
5. Der BVB
hätte eigentlich vorher alles klar machen müssen, denn es gab genügend Chancen, auch das Nichtgegebene Tor, wo Reus mit einem großen Zeh angeblich im Abseits war hätte zählen müssen. Demnächst wird noch mit Millimeterraster nach Abseits gesucht. Find ich mehr als lächerlich diese Meldung aus Köln, aber bei ganz offensichtlich vorliegenden Vergehen befinden sich die Keller-Referees im Tiefschlaf. Aber hier soll vermutlich künstlich Spannung aufgebaut werden und wird immer mehr zur Lachnummer. Andererseits eine bemerkenswerte Leistung von den Herthanern, also nicht ganz unverdient das Remis.
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