Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Fußballprofi mit Defibrillator: "Ich bin durch die Hölle gegangen"

Engelbrecht: "Ich habe öfter mit dem Tod gekämpft" Zur Großansicht
imago

Engelbrecht: "Ich habe öfter mit dem Tod gekämpft"

Es ist eine Premiere im deutschen Profifußball: Daniel Engelbrecht von den Stuttgarter Kickers spielt mit einem eingesetzten Defibrillator. Trotz einer Niederlage sprach er nach seinem Comeback vom schönsten Tag seines Lebens.

Hamburg - Daniel Engelbrecht ist wieder da. Nach vier Herzoperationen und 16 Monaten Pause hat der Stürmer von den Stuttgarter Kickers sein Comeback gefeiert. Als erster deutscher Fußballprofi spielt der 24-Jährige mit einem implantierten Defibrillator. Bei der 0:1-Niederlage im WFV-Pokal beim Oberligisten FV Ravensburg wurde Engelbrecht in der 76. Minute eingewechselt.

"Ich habe öfter mit dem Tod gekämpft. Damit, dass ich wieder spielen kann, hat niemand gerechnet", sagte Engelbrecht. "Das war heute der schönste Tag in meinem Leben. Ein unbeschreiblicher Moment."

Engelbrecht war im Juli 2013 im Punktspiel gegen Erfurt zusammengebrochen. Die Diagnose: Herzmuskelentzündung. "Ich bin wirklich durch die Hölle gegangen und habe mehrmals gedacht, dass ich sterbe", sagte er.

Körperpanzer schützt den Defibrillator

Es folgten vier Herzoperationen, bei denen unter anderem der Miniatur-Defibrillator eingesetzt wurde. Dieser sorgt im Notfall dafür, Herzrhythmusstörungen auszugleichen.

Um das Gerät während des Spiels oder des Trainings vor Erschütterungen zu schützen, hat Engelbrechts Arzt einen kleinen Schutzpanzer angefertigt. Diesen befestigt der 24-Jährige in der Nähe seines Herzens am Körper. "Da suchen wir im Moment noch den optimalen Sitz", sagte Engelbrecht der "Stuttgarter Zeitung".

Im Sommer nahm er das Training wieder auf, seit dem 1. November trainiert Engelbrecht voll mit der Mannschaft. "Ich bin gesundgeschrieben und habe auch die Sportfreigabe. Eigentlich dürfte nichts mehr passieren", sagte er. Sein großes Ziel sei es, "mich wieder in die 3. Liga zu kämpfen". Noch fehle es vor allem an der Fitness, "Einsätze von 20 Minuten gehen, für mehr habe ich keine Kraft".

cte/dpa/sid

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Er ist durch die Hölle gegangen
tommit 16.11.2014
wegen Herzrythmusstörungen? In anderen Einkommensklassen liegt man mit sowas zunächst einmal 30 min in irgendeinem Raum einer Notaufnahme alleine rum... worauf die dann fragen warum man denn gekommen sei... Aber so ist das mit dem Kärtcheninhabern
2. @tommit
ChildInTime 16.11.2014
Ich weiß nicht, ob wir uns über die Bedeutung des Begriffs "Herzrhythmusstörung" einig sind, aber wenn es um einen Defibrillator geht, sprechen wir von Tachykardien (Kammerflattern, Kammerflimmern), und ein Patient mit Tachykardien liegt in keiner Notaufnahme 20 Minuten herum ... zumal die weitaus meisten, die eine Tachykardie erleiden, gar nicht in die Notaufnahme kommen, weil sie die Störung nicht überleben (Stichwort "Plötzlicher Herztod"). Ich habe nichts gegen ein wenig Bashing, aber das ist nun wirklich kein passendes Thema ...
3. @tommit
dr.magill 16.11.2014
Welch geballte Ignoranz, gepaart mit offenkundigem Sozialneid! Unter Herzrhythmusstörungen werden banale Extrasystolen, deretwegen Sie in der Notaufnahme erstens falsch sind und zweitens gerne warten dürfen, genauso subsummiert, wie ventrikuläre Tachykardien, Kammerflimmern und Asystolien, welche gegebenenfalls eine Therapie erforderlich machen (Herzdruckmassage, Defibrillation), die man schon mit einem Gang durch die Hölle gut beschreiben kann. Da der Mann einen internen Defibrillator implantiert bekommen hat, können Sie davon ausgehen, daß er mindestens an ventrikulären Tachykardien leidet.
4. Erstaunlich
Hokuspokus 16.11.2014
Die Indikation für die Implantation eines Defis liegt meines Wissen nach bei einer Herzleistung/Auswurfrate von unter 20%. Von daher gesehen, ist es erstaunlich, wenn ein Defiträger vom Arzt für Hochleistungssport freigegeben wird. Der Bürger "anderer Einkommensklassen" wird vom Vertrauensarzt auf Lebzeit für berufsunfähig erklärt. Mit einfachen Herzrythmusstörungen hat dies hier nichts zu tun. Der Kommentar ist äußert unangebracht. Ein Defi bedeutet eine Operation, bei der Sonden direkt in die Herzwand gelegt werde - das ist kein leichtes Zipperlein, sondern ganz ernste lebensbedrohliche Erkrankung!
5.
ChildInTime 16.11.2014
Zitat von HokuspokusDie Indikation für die Implantation eines Defis liegt meines Wissen nach bei einer Herzleistung/Auswurfrate von unter 20%. Von daher gesehen, ist es erstaunlich, wenn ein Defiträger vom Arzt für Hochleistungssport freigegeben wird. Der Bürger "anderer Einkommensklassen" wird vom Vertrauensarzt auf Lebzeit für berufsunfähig erklärt. Mit einfachen Herzrythmusstörungen hat dies hier nichts zu tun. Der Kommentar ist äußert unangebracht. Ein Defi bedeutet eine Operation, bei der Sonden direkt in die Herzwand gelegt werde - das ist kein leichtes Zipperlein, sondern ganz ernste lebensbedrohliche Erkrankung!
Es gibt durchaus Rhythmusstörungen, die nicht auf geringe Herzleistung (und die meist damit einhergehende Dehnung des Herzgewebes) zurückzuführen sind. Vor ein paar Jahren habe ich einen Bericht über eine junge Frau gesehen, die Dutzende von schweren Tachykardien (mit sofortigem Bewusstseinsverlust und Schockabgabe durch den Defi) erlitten hat und trotzdem intensiv Sport betrieben hat - ok, nicht als Profi, aber ihre Herzleistung schien durchaus in Ordnung zu sein. Wenn ich mich richtig erinnere, hat sie den Radsport nur aufgegeben, weil sie nicht riskieren wollte, wegen einer Tachykardie zu stürzen und sich und andere dadurch zu gefährden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: