Darmstädter Rekordjagd "Jeder bringt seine Schwester mit"

Hoffen auf die Fans: Amateurclub Darmstadt 98 will am Samstag den Zuschauerrekord für Viertligaspiele brechen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE berichtet 98-Marketingleiter Michael Weilguny über das Hoffen auf gutes Wetter und die Grausamkeiten der Vereinssanierung.


SPIEGEL ONLINE: Herr Weilguny, wie läuft bislang der Vorverkauf? Mehr als 14.000 Zuschauer müssten kommen, um den Rekord zu knacken.

Weilguny: Hervorragend, wir sind hier richtig begeistert. Wir haben schon fast 8000 Tickets verkauft, es werden also mit Sicherheit dreimal mehr Zuschauer als im Ligaalltag gegen SV Wehen II oder den TSV Großbardorf kommen.

Darmstädter Fans: Mehr als nur der harte Kern
Laura Urhan

Darmstädter Fans: Mehr als nur der harte Kern

SPIEGEL ONLINE: Was man mit einem Vermarktungsgag nicht alles erreichen kann!

Weilguny: Und mit sehr viel Mühe! Statt wie sonst 30 haben wir über 1000 Plakate gedruckt und aufgehängt! Außerdem hat der Verein in der Stadt nach wie vor einen wahnsinnigen Rückhalt. Das Problem ist nur, dass außer dem harten Kern viele nur zu den attraktiven Begegnungen kommen - gegen Hessen Kassel oder gegen Waldhof Mannheim. Unser Ziel war es, diese Leute alle gleichzeitig auch zum Spiel am Samstag gegen den SSV Ulm zu bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Und nun bringt jeder Dauerkartenbesitzer noch einen Nachbarn mit.

Weilguny: Eher zwei und dazu seine Schwester samt deren Arbeitskollegen. Jetzt hoffen wir nur noch auf gutes Wetter, damit wir unser Ziel noch erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten Glück haben. Vorausgesagt sind trockene acht Grad.

Weilguny: Vor allem trocken sollte es bleiben. Die einzige überdachte Tribüne ist schon so gut wie ausverkauft. Jeder, der am Samstag spontan vorbeikommt, muss sich also mit einem Stehplatz unter freiem Himmel begnügen. Aber auch von dort hat jeder Zuschauer eine wunderbare Sicht und kann live in toller Fußball-Atmosphäre bei unserem Rekordversuch mit dabei sein.

SPIEGEL ONLINE: Wobei der bisherige Rekordhalter Union Berlin 2005 auch mehr Glück mit dem Gegner hatte, man spielte gegen den BFC Dynamo, den Erzrivalen aus der gleichen Stadt.

Weilguny: Trotzdem sind die 14.020 Zuschauer, die damals gekommen sind, natürlich eine beeindruckende Zahl für die vierte Liga. Aber es stimmt schon, gegen Kickers Offenbach hätten wir den Rekord vielleicht schon im Vorverkauf geknackt. Unser Gegner, der SSV Ulm, leistet allerdings auch ganze Arbeit. Die haben sich solidarisch erklärt und auch ein bisschen Werbung im Schwäbischen gemacht. Nun kommen sicher 200 Fans, auf die wir uns diesmal ganz besonders freuen. SPIEGEL ONLINE: Sie scheinen wirklich jeden Euro zu brauchen.

Weilguny: Das ist leider so. Uns fehlen noch 400.000 Euro, um den Verein endgültig zu sanieren - wenn man das mit den über eine Million Euro vergleicht, die wir seit vergangenem März abgestottert haben, sollte das zu schaffen sein - auch mit Hilfe des Ulm-Spiels. Selbst Kinder unter 12 Jahren, die ansonsten keinen Eintritt bezahlen müssen, werden diesmal zur Kasse gebeten. So eine Vereinssanierung kann grausam sein.

Interview: Christoph Ruf



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