Jordanischer Investor bei 1860 München: Geschäfte mit XY aus Z

Von Tim Jürgens

In der Fankneipe Löwenstüberl haben die Anhänger von 1860 München bislang jede Krise ihres Vereins wegdiskutiert. Doch der jordanische Investor Hasan Ismaik macht die "Löwen-Fans" ratlos. Das Magazin "11FREUNDE" hat einen Ortsbesuch im Schatten des Scheichs gewagt.

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Investor Ismaik: Bewahrte 1860 München vor der Insolvenz

Plötzlich stand der, dem sie hier viele Namen geben, nur nicht seinen echten, in der urigen Schankstube und fragte: "Do you have a water for me?" Es war wie eine Begegnung der dritten Art. Wirtin Christl Estermann blieb cool und antwortete freundlich: "Yessss!" Es war der einzige Besuch von Hasan Ismaik im Lokal an der Grünwalder Straße. Des Jordaniers, der den TSV 1860 mit rund 25 Millionen Euro vor der Insolvenz bewahrte und seither zwei Drittel der Clubanteile hält. Im Löwenstüberl, dort wo das Herz des 1860er-Anhangs schlägt.

Der Scheich trank sein Wasser und kam nie wieder. Die Zeiten, zu denen hier der Bierschaum auf den Krügen flatterte, sind lange vorbei. Sonnenkönig Karl-Heinz Wildmoser hat das Zeitliche gesegnet, die Fotos über seinem Stammplatz vergilben. Mit ihm verzog sich auch die Amigo-Gemütlichkeit von den Trainingsplätzen. Der "Scheich", der keiner ist, blieb wie so viele, die seit Wildmoser in der 1860-Führungsetage wirkten, für die Kiebitze und ihre Königin am Zapfhahn ein Mysterium. In 18 Jahren in der Bierstube, die zwischen Geschäftsstelle und Trainingsplatz liegt, hat Wirtin Estermann ein Skurrilitätenkabinett erlebt.

Als Falko Götz 2004 kurz vorm Abstieg entlassen wurde, hatte er noch 30 Euro auf dem Deckel. Als sie das Geld anmahnte, überwies er und schickte eine Packung Tempos - zum Trocknen der Abstiegstränen. Ewald Lienen beschwerte sich, die Gäste mögen gefälligst während des Trainings das Rauchen unterlassen, seine Spieler bekämen keine Luft. Und am Tag, als die Polizei Karl-Heinz Wildmoser wegen wegen Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr in Handschellen aus der Geschäftsstelle führte, brachte Estermann ihm einen Sechziger-Teppich in die U-Haft.

"Alle hams a Geld, nur die Sechzger, die hams net"

Das Chaos, das seit Ewigkeiten bei 1860 tost, erscheint an einem heißen Sonntag im Juli 2012 Lichtjahre entfernt. Es ist trainingsfrei, die Tische sind spärlich besetzt. Ein Mann mit Glatze bestellt "A Maß bleifrei". Stammgast Charly ist auch nicht da, er ist schon über 80, ihm geht's nicht gut. Wenn die Mannschaft trainiert, zeigt er Profis, die sich nicht genug schinden, nach der Einheit die Gelbe oder Rote Karte. Bedienung Gisela muss einen Fünfzig-Euro-Schein wechseln. Sie fragt bei der Handvoll Gästen, drei Herren ziehen Scheine aus den Börsen und wedeln damit in der Luft. Christl Estermann sagt: "Schaun S', alle hams a Geld, nur die Sechzger, die hams net."

Als vor 14 Monaten die Meldung aus der Geschäftsstelle rüberschwappte, dass bei 1860 die Lichter ausgehen könnten, ist Estermann rüber zur Säbener Straße gefahren und hat gewartet, bis Uli Hoeneß das Gelände verlässt. Als er in die Ausfahrt bog, stellte sie sich in den Weg und rief: "Ich bin die Wirtin von den Löwen." Hoeneß gab sich volksnah: "Ich weiß schon, wer Sie sind." Estermann bat, er möge doch helfen. Der Bayern-Boss mochte nicht Nein sagen, also antwortete er: "Es wird schwer."

Dann tauchte über Nacht der "Scheich" auf, der unter den Stüberl-Stammgästen wahlweise als "Hasan", "Hussein", "Ismael" oder als ein "gewisser Herr XY aus Z" firmiert, und gab dem Club das rettende Darlehen, das nur im Erfolgsfalle rückzahlbar ist. Was genau er sich davon erhofft, hat er nie erläutert. Seitdem schießen die Verschwörungstheorien ins Kraut. "Alle fragen sich, was plant der? Die Fans warten auf den großen Knall", sagt Wirtin Estermann.

Das rettende Seil für einen Ertrinkenden

Es sind Menschen wie Franz Hell, der in seine 50. Saison als Löwen-Fan geht. Als er 1963 mit neun Jahren das erste Mal mit seinem Vater ins Grünwalder Stadion kam, war der Club noch eine feste Größe im deutschen Fußball. Das Stüberl ist für ihn ein Stück Heimat. Die Nachsicht, die Hell mit den Launen seines Clubs walten lässt, zeigt die Leidensfähigkeit, die ein Großteil des Sechziger-Anhangs besitzt.

Mit zwei Freunden hat er seit 1970 fast alle Spiele der Profis besucht. Er sagt leise: "Ich schau halt alles an - solang's die Gesundheit zulässt." Für ihn war das Geld des Jordaniers nicht mehr als das rettende Seil für einen Ertrinkenden. Es gab keine Alternative. Und sollte 1860 auf absehbare Zeit keine Gewinne erwirtschaften, müsse der Club doch auch nichts zurückzahlen. Hells Rechnung: "100 Prozent von nix, bleibt nix!" Zumal sich kaum ein Club beim Kumulieren von Negativbilanzen so gut auskennt, wie die Weißblauen aus Giesing. "Sechzig", so Franz Hell, "ist auch der Versuch, es immer wieder zu versuchen." Die Hoffnung, den Club zu seinen Lebzeiten noch mal erste Liga spielen zu sehen, hat er noch nicht aufgegeben.

Auf der Holzbank gegenüber sitzt Stefan Markt und trinkt aus einem Löwen-Pott Kaffee. Er ist aktives Mitglied der Initiative "Pro 1860" und wurde Fan, als die besoffenen Löwen-Anhänger 1989 beim Auswärtsspiel in seinem Heimatort Ampfing im Regen den Graswall runterkugelten. So wollte er auch werden.

Markt ist zu jung, um dem Club wie Hell ständig aufs Neue zu verzeihen. "Ich hab", sagt er, "das Resignieren aufgegeben." Er hasse die Roten bis aufs Blut. Seit sein Verein in der Fröttmaninger Arena nur noch Mieter ist, geht er nicht mehr zu Heimspielen. Weil er sein Geld niemals dem Feind von der Säbener in den Rachen schmeißen würde. Seit Ismaik 60 Prozent der Anteile an der Profiabteilung hält, ist die emotionale Bindung zum Lizenzteam für ihn komplett gekappt. Auf der Delegiertenversammlung hat Markt den 1860-Präsidenten Dieter Schneider gefragt, wie der Jordanier das Geld, das er Sechzig gestundet habe, eigentlich verdiene. Schneider wies Markt brüsk zurecht: "Das geht sie überhaupt nichts an!"

Markt kennt die Tricks der Biertischpolitik. Er stichelt gern und feixt sich eins. Was, wenn der Scheich entscheide, dass der Club fortan in pinken Shirts mit einem Kamel als Wappen aufläuft? Es ist die Frage aller Fragen: Was plant er nur, dieser Mr. XY aus Z?

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1. Schade um die 60er
Knackeule 03.08.2012
Es ist schade um den Traditionsverein 1860 München. Meiner Meinung nach hat der Größenwahn von Wildmoser beim Bau der neuen Arena in Fröttmaning den Klub endgültig ruiniert. Wildmoser hat sich allen Ernstes eingebildet, mit Hoeneß und Bayern München finanziell auf Augenhöhe zu sein. Ein verhängnisvoller Irrtum. Jetzt müssen die 60er mit seiner Hinterlassenschaft leben. Ich hoffe, die 60er schaffen es bald in die erste Liga. Dann würden wir uns in Augsburg freuen und hätten ein ausverkauftes Heimspiel mehr in der Saison.
2. Münchens grosse Liebe
rondo.mueller 03.08.2012
Alles was war, ist Vergangenheit. Heute zählt das JETZT! Und dabei sind wir einen großen Schritt weiter. Auch Dank Schneider und dem Investor. Andere wie Fortuna Köln haben einzig und allein davon gelebt. Für uns Fans ist klar, 1860 lebt - trotz Herrn Hoeneß. Im übrigen würde ich es gerne erleben, wenn dieser die Blaskapelle anführt, wenn wir diese unsägliche Arena endlich verlassen können. Der Tag wird kommen - was für ein Spaß!
3. So wird das in 100 Jahren nix!
swandue 03.08.2012
Wie lange wollen die 60er jetzt schon innerhalb der nächsten drei Jahre aufsteigen? Die Augsburger haben die 60er glatt überholt. Kamen aus der 3. Liga, spielten einige Jahre 2. Liga und gehen nun in ihr 2. Jahr in der 1. Liga. Und sogar die Fürther haben es jetzt doch mal gepackt. VIER bayerische Vereine in der 1. Liga - 1860 spielt in der 2.! Vielleicht sollten sie sich erst mal vornehmen, ein solider Verein der 2. Liga zu werden. Einer, zu dem talentierte junge Spieler gerne kommen, weil sie wissen, dass sie die Chance bekommen, zu spielen und sich zu entwickeln.
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