Daum-Prozess Das Monte Carlo der deutschen Strafjustiz

Während das Drogenverfahren gegen zwei Mitangeklagte bereits beendet ist, muss sich Christoph Daum weiter gedulden. Vieles spricht für einen Freispruch des Fußballtrainers. Doch in Koblenz ist gar nichts sicher, sondern Merkwürdiges an der Tagesordnung.


Christoph Daum: "Eine einzige Farce"
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Christoph Daum: "Eine einzige Farce"

Koblenz - Wäre es streng rechtsstaatlich zugegangen, hätte der vergangene Dienstag am Koblenzer Landgericht, es war der 27. Verhandlungstag im Kokain-Prozess gegen den Fußballcoach Christoph Daum und zwei Mitangeklagte, anders geendet.

Es war nämlich zu entscheiden über Befangenheitsanträge gegen den Berichterstatter Günter Hagenmeier, der sich am 7. März hinter dem Rücken seiner Mitrichter und der Staatsanwaltschaft mit zwei Daum-Anwälten außerhalb von Koblenz, an der Raststätte Peppenhoven-West (A 61), getroffen hatte. Obwohl Raststätten gewöhnlich Treffpunkte von höchstmöglicher Anonymität sind, kam die Sache doch heraus.

Aufgefordert, über den Inhalt des merkwürdigen mehrstündigen Gesprächs zu berichten, wand sich Hagenmeier: Es seien "neben persönlichen und allgemein beruflichen Themen" nur der Ablauf und Probleme des laufenden Verfahrens, im Besonderen den Angeklagten Daum betreffend, erörtert worden. Natürlich wollten die Verteidiger der Mitangeklagten mehr wissen. Es gab weitere Nachfragen. Hagenmeier stellte sich stur. Weitere Befangenheitsanträge drohten. Hagenmeier schwieg.

Die Drei von der Tankstelle

Wäre es streng rechtsstaatlich zugegangen, hätte er aus der 1. Strafkammer ausscheiden müssen - zu sehr hatte sein Verhalten in letzter Zeit das Misstrauen von Daums Mitangeklagten geschürt (vom düpierten Vorsitzenden Ulrich Christoffel ganz zu schweigen). Wieso wurde zwischen den Dreien von der Tankstelle Vertraulichkeit vereinbart? Eine solche Vereinbarung gibt es nicht im Strafprozess.

Was dürfen wir und die anderen Verfahrensbeteiligten nicht wissen? fragten sich die Mitangeklagten. Wurden Absprachen getroffen und wenn ja, welche? Wieso trifft sich der Richter heimlich gerade mit den Daum-Anwälten? Was bedeutet diese Klüngelei für uns?

Wäre es streng rechtsstaatlich zugegangen, hätte am Dienstag der Daum-Prozess platzen müssen, denn man hatte zwar einen Ersatzschöffen, nicht hingegen einen Ersatzrichter. Doch April, April: Nichts platzte. Hagenmeier wurde gehalten, die Befangenheitsanträge abgelehnt.

Auf einmal hatte man das erhoffte Ergebnis

In Koblenz, dem Monte Carlo der deutschen Strafjustiz, scheitert ein Prozess nicht nach 27 Verhandlungstagen. Da rollt die Kugel weiter. Dafür ereignete sich Überraschendes, dank der verfahrenen Situation und der angeschlagenen Reputation der Koblenzer Justiz. Einige Gespräche mit der Staatsanwaltschaft und mit dem Gericht, einige Rechnereien und siehe da: Auf einmal war der Prozess für die zwei Mitangeklagten zu Ende.

Auf einmal waren weitere Aussagen gegen Daum nicht mehr nötig. Auf einmal hatte man das erhoffte Ergebnis und dieses sogar rechtskräftig - viereinhalb Jahre für Rüdiger Klemens wegen Handeltreibens und Einfuhr von Betäubungsmitteln, 24 Monate auf Bewährung für Hans-Josef Welter. Auch der Haftbefehl gegen Klemens wurde wie gewünscht ausgesetzt. Ein Koblenzer Insider: "Das ist eine einzige Farce. Dieses Ergebnis hätte man nach fünf Verhandlungstagen haben können."

Das Verfahren gegen Daum aber wurde abgetrennt. Seine Verteidiger, von der Entwicklung völlig überrascht, fragen sich nun, was ihren Mandanten künftig erwarten wird. "Hat er nicht schon genug Geld und Kraft aufgewendet, um mit seiner Vergangenheit Schluss zu machen? Wie weit ist der Weg nach Canossa? Hat er nicht genug gebüßt, indem er 27 Mal von Istanbul nach Koblenz reiste und in sich in aller Öffentlichkeit reumütig zu seinen Fehlern bekannte?"

Spannung, Risiko, das Spiel geht weiter

Oder steht des Dramas dritter Akt bevor? Demnächst sollen die sachverständigen Haaranalysten zum Kokaingehalt in Daums Haaren gehört werden und ob daraus Rückschlüsse auf die Konsumgewohnheiten des 48-Jährigen zu ziehen sind. Spannung, Risiko, das Spiel geht weiter. Anstiftung zum Handeltreiben, wie die Staatsanwaltschaft sie bei Daum vermutet, werden aber auch diese Herren schwerlich belegen können. Darf Daum also auf einen Freispruch hoffen? Die Chancen stehen nicht schlecht. Oder haben wir uns auf die nächsten 27 Verhandlungstage einzustellen?

Der ehrgeizige Richter Hagenmeier jedenfalls, der so gern Kammervorsitzender werden möchte, und zwar nicht so ein unentschlossener, führungsschwacher wie der Vorsitzende im Daum-Prozess, muss nun wohl noch ein bisschen warten. Auf den Gerichtsfluren wird über dessen Selbstüberschätzung gelästert und dass er nun den so genannten "Edeka-Stempel" abbekommen habe - Ende der Karriere. Doch vielleicht ist das eine ganz falsche Einschätzung. Im Monte Carlo der Strafjustiz ist nichts sicher.



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