Beckhams Karriereende: King of Fußball-Pop

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Der Fußballer geht, der Popstar bleibt: David Beckham beendet seine sportliche Karriere. Nach mehr als 20 Jahren Profifußball, diversen Titeln, vor allem aber noch mehr Werbeverträgen. Beckham erschuf einen Typ Sportler, den es vor ihm nicht gab.

Eine große Pressekonferenz, Kameras, Journalisten, ein letzter großer Auftritt? Nichts davon. Es war ein seltsamer Abgang, zumindest für David Beckham. Der 38-Jährige ließ über einen Sprecher mitteilen, dass er seine Karriere beenden werde. Schluss, aus, vorbei, Beckham tritt ab. Was bleibt? Sein Vermächtnis, dem Profifußball eine neue Art von Spieler beschert zu haben - die des Popstars.

Durchtrainierter Körper, Brillis im Ohr, rote Teppiche: Beckham war mehr als nur ein Fußballer, viel mehr. Wahrscheinlich gibt es in den Medien-Archiven mindestens so viele Artikel, die sich mit Beckham als Figur des gesellschaftlichen Lebens befassen wie mit dem Kicker Beckham. Dabei hatte er einmal gesagt: "Ich bin Fußballer, kein Showman. Alles, was ich möchte, ist, als größter Fußballer bekannt zu sein." Ein Vorhaben, das man als gründlich misslungen bezeichnen kann.

Da ist der Ehemann David Beckham, der am 4. Juli 1999 Victoria Adams heiratete. Besser bekannt war sie unter ihrem Spitznamen "Posh Spice" als Teil der Musikgruppe Spice Girls. Beckham wurde zum "Spice Boy" und die Ehe zu Geld gemacht. Allein die Fotorechte an der Hochzeit sollen dem Paar 1,5 Millionen Euro eingebracht haben. Schlagzeilen um Seitensprünge von Beckham, seine angeblich herausragenden Talente als Liebhaber beschädigten das Image des Hochglanz-Paares kaum, im Gegenteil: Es blieb in den Schlagzeilen.

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David Beckham: Model, Vater, Ehemann
Dann gibt es noch das Model David Beckham. Der Mann mit dem Sixpack, der für Unterwäsche warb. Mit den Jahren kamen Tattoos hinzu, eines nach dem anderen, um die 20 sind es aktuell. Beckhams Körper gleicht einem Gemälde. Im Juli 2012 war er das erste männliche Modell auf dem Cover der britischen Ausgabe von "Elle", einer internationalen Frauenzeitschrift.

Das alles mündete in den Popstar David Beckham, über den die "Salzburger Nachrichten" einmal schrieben, er sei "der Homo Metrosexualis. Heterosexuell, aber Stil und Konsumverhalten von Homosexuellen übernehmend". Beckham polarisierte mit seinen Auftritten, seinem Gehabe, seiner Art. Man könnte auch sagen, er ist der geistige Vater aller Cristiano Ronaldos.

Das alles, Beckhams Ehe, sein Model-Dasein, sein Status als Popstar, überlagerte mit der Zeit sein eigentliches Talent, seine ursprüngliche Bestimmung - denn David Beckham war ein herausragender Fußballer.

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David Beckham: Stationen eines Fußball-Popstars
Kritiker werden an dieser Stelle einwenden, Beckham konnte nur Flanken, Freistöße und Ecken treten. Befürworter könnten entgegnen: Kaum jemand im Weltfußball konnte solche Flanken, Freistöße und Ecken treten. Mit welcher Präzision Beckham schoss, wie viel Effet er dem Ball mit seinem rechten Fuß verlieh, das war herausragend.

Beckham gab beide Vorlagen im Finale 1999 gegen die Bayern

Der FC Bayern kann das bezeugen. Als die Münchner 1999 in diesem dramatischen Champions-League-Endspiel von Barcelona gegen Manchester United durch zwei Gegentore in der Nachspielzeit verloren, gab beide Male Beckham die Vorlage per Ecke. Und nur dank eines direkt verwandelten Freistoßes von Beckham im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Griechenland löste England das direkte Ticket für die Weltmeisterschaft 2002. Insgesamt bestritt er 115 Länderspiele, nur Torwart Peter Shilton (125 Länderspiele) lief öfter für die "Three Lions" auf.

Überhaupt, England, Manchester United: Das war Beckhams Zeit, dort stieg er zum Fußballstar auf, lange bevor er zum Popstar wurde. Mit 17 Jahren gab er sein Debüt in der Premier League. Beckham gehörte zu der ersten Generation talentierter Jugendspieler, die Manchesters Trainer Alex Ferguson Anfang der neunziger Jahre bei United um sich versammelte. Paul Scholes gehörte auch dazu, Nicky Butt, ebenso die Brüder Gary und Phil Neville. Eine goldene Generation, die sich 1999 mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions-League-Triumph krönte.

Als Beckham 2003 von ManUnited zu Real Madrid ging, war er sechsmal Meister und zweimal Pokalsieger geworden, er hatte die Champions League und den Weltpokal gewonnen. Mit dem Wechsel nach Spanien begann Beckhams sportlicher Abstieg, zugleich nahm der Hype um ihn groteske Züge an. Allein Beckhams Präsentation vor Zehntausenden im Estadio Santiago Bernabéu war eine gigantische Show. Die Mannschaft um ihn, Luís Figo, Zinédine Zidane und Ronaldo wurde "Die Galaktischen" getauft - aber sie war überaus irdisch. In vier Jahren Real holte Beckham nur einmal die Meisterschaft, 2007 war das, in seiner letzten Saison bei Real.

Es folgte der Wechsel zu Los Angeles Galaxy. Sportlich ein weiterer Abstieg, medial ein weiterer Aufstieg. In Europa blieb er im Gespräch, in den USA kam er ins Gespräch. Während seiner Zeit in Los Angeles staubte Beckham zwei Meistertitel und diverse Werbeverträge ab. Fußballerisch war er dort nur noch einer von vielen, bei Paris St. Germain, wo er das letzte halbe Jahr seiner Karriere verbrachte, hatte er sportlich kaum noch Relevanz. Seine medial opulent inszenierte Vorstellung in der französischen Hauptstadt und der Hype, der vor allem in Frankreich anschließend um ihn gemacht wurde, täuschten über die Rolle als Einwechselspieler hinweg.

"Ich bin dankbar, dass PSG mir die Chance gegeben hat. Aber nun fühle ich, dass die Zeit gekommen ist, meine Karriere zu beenden", sagte Beckham. Seine sportliche Karriere wohlgemerkt.

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insgesamt 44 Beiträge
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1.
iNSTEIN 16.05.2013
Das Loch, in das er jetzt fallen wird, muss von intergalaktischem Ausmaß sein.
2. naja
chemnitz 16.05.2013
Ein guter Fußballspieler ist er schon seit Jahren nicht mehr.
3. Viel heiße Luft...
Schlunze 16.05.2013
...noch mehr Marketing; ein großer Fußballer vllt., jedoch keiner der Besten. Hyper Hyper...
4. Kein Weltfußballer
r3marqu3 16.05.2013
Beckham hatte nie Klasse! Der überbewerteste Spielr aller Zeiten!
5. "fußballer" - ist der seid jahren
viceman 16.05.2013
Zitat von sysopDer Fußballer geht, der Popstar bleibt: David Beckham beendet seine sportliche Karriere. Nach mehr als zwanzig Jahren Profi-Fußball, diversen Titeln, vor allem aber noch mehr Werbeverträgen. Beckham erschuf einen Typ Sportler, den es vor ihm nicht gab. David Beckham beendet sein Fußball-Karriere - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/david-beckham-beendet-sein-fussball-karriere-a-900352.html)
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