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U19-Torjäger Selke: Einer wie keiner mehr

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Fünf Tore in drei Spielen: Davie Selke hat die deutsche U19 bei der EM in Ungarn fast im Alleingang ins Halbfinale geschossen. Der Bremer verkörpert einen Spielertypen, den es in Deutschland kaum noch gibt.

U19-Torjäger Selke: In der Spitze zu Hause Fotos
Getty Images

SPIEGEL ONLINE Fußball

Wer nach Informationen zu Davie Selke sucht, der stößt schnell auf den Vorfall mit Clemens Fritz. Es war im Winter, Training bei Werder Bremen: Nachwuchsstürmer Selke und Kapitän Fritz gerieten aneinander, es kam zu Handgreiflichkeiten, und Selke war zum ersten Mal in seiner Karriere in ein Skandälchen verwickelt. Es hieß: In Bremen liegen die Nerven blank! Jetzt gehen die Spieler schon aufeinander los!

Immerhin: Selke hatte gezeigt, dass er keine Auseinandersetzung fürchtet. Dass er sich auch von erfahrenen Abwehrspielern nicht einschüchtern lässt. Keine schlechten Eigenschaften für einen Mittelstürmer.

Heute reagiert er auf Fragen zu der Rangelei mit Fritz zurückhaltend. Die Sache ist für ihn abgeschlossen. Und er hat ja Wichtigeres zu tun. Er will die deutsche U19-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Ungarn zum Titel schießen - und ist auf einem guten Weg: In der Vorrunde traf Selke in drei Spielen fünfmal, zusammen mit André Silva aus Portugal ist er bisher der beste Schütze des Turniers.

"Es freut mich total, dass ich der Mannschaft mit meinen Toren weiterhelfen kann", sagt Selke vor dem Halbfinale gegen Österreich am Montag (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Eurosport).

Sein Aufwand ist oft vergeblich, ihm ist es egal

Selkes Vater kommt aus Äthiopien, er selbst ist in der Nähe von Stuttgart geboren und aufgewachsen. Über die Jugend des VfB kam er zur TSG Hoffenheim. Vor anderthalb Jahren wechselte er zu Werder, spielt für die zweite Mannschaft in der Regionalliga und kam in der abgelaufenen Saison dreimal in der Bundesliga zum Einsatz.

Dass Selke mehr Tore schießt als seine Konkurrenten, ist das Resultat harter Arbeit. Wer den Stürmer beobachtet, dem fallen seine Sprints auf. Er unternimmt zahllose Anläufe, um in den Rücken der gegnerischen Abwehr zu gelangen. Dafür positioniert er sich meist direkt auf Höhe der Verteidiger, um plötzlich in die Tiefe zu starten. Selkes Aufwand ist oft vergeblich, er kostet Kraft. Manche seiner Läufe wirken unnötig.

Doch das scheint ihm egal, solange hin und wieder eine Chance herausspringt. "Ich komme sehr über die Arbeit und über das Spiel gegen den Ball", sagt Selke. "Die Philosophie bei der U19 passt zu meiner Art: Wir gehen extrem früh drauf und versuchen, den Ball schon im ersten Drittel zu erobern."

Wenn Selke nicht gerade in Richtung Tor sprintet, lauert er am Elfmeterpunkt auf Bälle. Er ist kein Stürmer, der übermäßig ins Kombinationsspiel eingebunden wird. Keiner, der auf die Flügel ausweicht oder sich ins Mittelfeld fallen lässt. Selke ist ein Strafraumstürmer, er lebt von seinem Timing. Und er besitzt etwas, das sich kaum antrainieren lässt: Torinstinkt. Seine beiden Treffer im EM-Vorrundenspiel gegen die Ukraine sind stellvertretend für sein Spiel: Zweimal bekam er im Strafraum den Ball, wackelte ein, zwei Gegenspieler aus und schloss aus kurzer Distanz ab.

Selkes Vertrag gilt bis 2015, seine Zukunft ist unklar

Selke verkörpert einen Angreifertypen, den es in Deutschland kaum noch gibt, und er macht auch klar, dass er für taktische Experimente nicht zu haben ist: "Ich bin kein Spieler für die Zehner-Position oder so etwas. Ich fühle mich in der Sturmspitze am wohlsten", sagt er. So scheint Selke überhaupt nicht ins Konzept der DFB-Teams zu passen, bei denen Technik und Kreativität gefordert sind.

Doch gerade weil er so anders stürmt als viele aktuelle Nationalspieler, könnte sich ihm eine Nische bieten. Es macht ihm keine Sorgen, dass Stürmer klassischer Prägung aus der Mode geraten sind: "Jede Mannschaft braucht Spieler, die das wichtige 1:0 machen können, die immer für ein Tor gut sind", sagt Selke. Er ist so ein Typ.

Ob ihn das irgendwann zum A-Nationalspieler macht? Ein Jahrhunderttalent ist Selke trotz seiner Bilanz von 13 Toren in 13 Spielen für die deutsche U19 nicht. Gegen Gleichaltrige profitiert der 1,92 Meter große Stürmer von seiner Physis und seiner Durchsetzungsfähigkeit, im Herrenbereich fallen diese Vorteile weg. Selke hat zudem technische Schwächen bei der Ballverarbeitung, die ihm vor dem Tor noch zu häufig Konzentration stehlen: Statt das Ziel anzupeilen oder auf den Torwart zu achten, senkt er den Blick, um ja den Ball nicht aus den Augen zu verlieren.

Dennoch will ihn Werder langfristig binden und Selkes bis 2015 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern. Doch durch seine Tore bei der EM hat er die Aufmerksamkeit anderer Vereine auf sich gezogen. Ein Bundesliga-Klub hat offenbar konkretes Interesse.

Selke selbst verweigert ein klares Bekenntnis zu seinem Arbeitgeber. "Ich habe in Bremen einen Vertrag bis 2015. So lange werde ich für Werder alles geben. Was danach passiert, kann ich noch nicht sagen." Erstmal konzentriert er sich auf sein Nahziel: den Titel mit der deutschen Nachwuchs-Auswahl bei der EM in Ungarn.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Wo ist der 4. Stern ...
gryn 28.07.2014
... oder gibt es einen triftigen Grund, warum die U19 noch in den "alten" Trikots aufläuft?
2. Tja,
Checkker 28.07.2014
sollte er in der Bundesliga so weitermachen mit dem Toreschiessen, dann wird er wohl bald für den FCB auflaufen.
3. Knipser
Fangio 28.07.2014
kann man immer brauchen. Die kommen nicht aus der Mode.
4.
bytemare 28.07.2014
Zitat von gryn... oder gibt es einen triftigen Grund, warum die U19 noch in den "alten" Trikots aufläuft?
Erst wenn die A-Nationalmannschaft offiziel mit den neuen Trikots aufläuft im September gegen Argentinien, dürfen auch alle anderen Uxx-Nationalmannschaften sich das neue Trikot überziehen.
5. A-Nationalmannschaft
TiloS 28.07.2014
Zitat von gryn... oder gibt es einen triftigen Grund, warum die U19 noch in den "alten" Trikots aufläuft?
Es gibt zumindest einen Grund. Und zwar soll die A-Nationalmannschaft zuerst das Privileg geniesen im Trikot mit dem 4. Stern zu spielen.
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