Von Peter Ahrens und Tim Röhn
Im Rheinland haben sie einen Traum. In gut vier Wochen, am 15. Mai, wird die Relegation zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und dem Dritten der zweiten Liga entschieden. Auf der einen Seite steht der Noch-Bundesligist 1. FC Köln, ihm gegenüber tritt der Noch-Zweitligist Fortuna Düsseldorf an. An dieser Stelle wachen Köln-Fans schweißgebadet auf.
Der alte Rhein-Rivale Düsseldorf schießt den FC im letzten Spiel des Lukas Podolski für Köln in die zweite Liga - das wäre der adäquate Tiefpunkt einer an Tiefpunkten so reichen FC-Saison. Der vorerst letzte dieser Art war am Dienstagabend in Mainz zu erleben, als sich das Team apathisch in eine 0:4-Niederlage ergab. Geschäftsführer Claus Horstmann, so etwas wie die verbliebene Ein-Mann-Vereinsführung nach dem Abgang von Präsident und Sportdirektor, stellte fest: "Aus so einem Spiel kann man überhaupt keine Hoffnung ziehen."
Damit zumindest hatte Horstmann recht. Ob das auch für seine Entscheidung gilt, nach wie vor an Trainer Stale Solbakken festzuhalten, wird in Köln seit Wochen heftigst diskutiert. Fakt ist: Seit Anfang März der Dauerrivale Solbakkens, Sportdirektor Volker Finke, gehen musste, ist sportlich nichts besser geworden. Vier der vergangenen fünf Partien wurden verloren, auf der Habenseite steht lediglich ein kümmerliches Unentschieden gegen Werder Bremen.
Das Restprogramm macht auch keinen Mut
Als nächstes muss der FC am Sonntag zum Erzrivalen Borussia Mönchengladbach reisen (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Die Bilanz der Kölner aus den vergangenen drei Spielen gegen die Borussia: null Punkte, 1:12 Tore.
Und danach sind es nur noch drei Spiele. Gegen Stuttgart, das drittbeste Rückrundenteam. In Freiburg, beim Fünftbesten der Rückrunde. Gegen den FC Bayern.
Mit der Entscheidung in der Personalie Finke hat sich der Geschäftsführer selbst in eine Art Gefangenschaft begeben. Finke wurde entlassen, um die Position Solbakkens zu stärken. Ein deutliches Signal, mit diesem Trainer weiterzuarbeiten, der eine nach außen immer noch fast beunruhigende Ruhe ausstrahlt. Ihn jetzt vier Wochen später zu entlassen, wäre unter normalen Umständen nicht nur inkonsequent, sondern auch extrem unlogisch. Normale Umstände sind in Köln allerdings das Unnormale.
Unruhe gehört beim FC immer dazu
Es scheint, dass dieser Verein einfach nicht in der Lage ist, sich auf sportliche Dinge zu fokussieren. Egal, wer am Geißbockheim gerade Trainer oder Vereinsboss ist - Aufregung ist ein FC-immanenter Faktor, der Nebenkriegsschauplatz ist das eigentliche Element. Das liegt zu einem Großteil an der zur Erregung neigenden Kölner Presselandschaft. Dazu kommt in dieser Spielzeit ein Kader, der durch Undiszipliniertheiten mehr auffällt als durch Leistung.
Zuletzt landete der polnische Nationalspieler Slawomir Pesczko in der Ausnüchterungszelle und wurde aus dem Aufgebot für das Mainz-Spiel entfernt. Wie zuvor schon Stürmer Milivoje Novakovic, wie der Brasilianer Andrezinho, wie der Portugiese Petit, der bei seiner Verpflichtung als großer Hoffnungsträger in Köln gefeiert wurde. Nationalspieler Podolski wurde wegen eines kritischen Interviews abgemahnt und mit einer deftigen Geldstrafe belegt. Es fällt langsam etwas schwer, den Überblick zu bewahren, wer aus dem Kader noch nicht suspendiert wurde.
Am Tag nach der Pleite in Mainz gab es die sich in Köln fast schon wöchentlich wiederholenden Bilder: 200 Fans drängten sich auf dem Trainingsgelände, beschimpften die Profis. Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Anhängern ist längst zerrüttet, noch ein Kollateralschaden der sportlichen Krise.
Letztlich bleibt in Köln nichts übrig als die Hoffnung, zwei noch schlechtere Teams in der Tabelle hinter sich zu lassen, die Relegation irgendwie zu überstehen und dann zur kommenden Spielzeit den x-ten Neuanfang zu probieren. In jedem Fall mit einem neuen Präsidenten, mit einem neuen Sportdirektor. Eventuell mit einem neuen Trainer und mit einer neuen Geschäftsführung. Am allerbesten aber mit neuen Spielern.
Das Hinweisschild zum Geißbockheim ist inszwischen von frustrierten FC-Anhängern überklebt worden. Dort steht jetzt: Kein-Bock-Heim.
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