Drittligist Osnabrück: Sportlich spitze, wirtschaftlich am Ende

Etwa eine Million Euro Verlust machte der VfL Osnabrück in der vergangenen Saison, jetzt droht dem Club die Insolvenz. Retten kann den Tabellenführer der dritten Liga offenbar nur die Stadt. Doch die stellt für ihre finanzielle Hilfe Bedingungen, die der Club wohl nicht erfüllen kann.

Osnabrück-Profi Zoller: Dem Drittliga-Tabellenführer droht die Insolvenz Zur Großansicht
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Osnabrück-Profi Zoller: Dem Drittliga-Tabellenführer droht die Insolvenz

Hamburg - Beim VfL Osnabrück gab es vor der vergangenen Spielzeit zwei Finanzpläne. Einer, der offizielle, ging von einem leichten Gewinn aus. Der andere, die "defensivere Variante" (Präsident Gert Lehker), wies ein Minus von 600.000 Euro aus. Als der Club nun am Sonntag die Zahlen für die Spielzeit 2011/2012 vorlegte, musste er eingestehen, dass beide Etats unrealistisch waren. Der VfL hat in der vergangenen Saison ein Minus von 926.000 Euro erwirtschaftet.

Insgesamt belaufen sich die Vereinsschulden somit auf etwa neun Millionen Euro: Nach Alemannia Aachen und dem MSV Duisburg kämpft damit der dritte Traditionsclub um das wirtschaftliche Überleben. In den siebziger und achtziger Jahren spielte der VfL lange in der zweiten Liga, nun droht der Sturz in die Bedeutungslosigkeit.

Die Verantwortlichen erklären die finanzielle Misere mit den Strukturen der Liga. Präsident Lehker sagte, dass es "den meisten anderen Vereinen der dritten Liga nicht besser geht". Lehker sprach von einer "wirtschaftlich existenzgefährdenden" Entwicklung.

Nun sind die Probleme in der dritten Liga nicht neu. Und sie als dauerhafte Begründung für Finanzprobleme zu nehmen, bringt auch kein weiteres Geld. Zumal sich der VfL durchaus eine namhafte Mannschaft zusammengestellt hat und deshalb Spitzenreiter in der dritten Liga ist. "Wenn ich die Situation so im Verein gekannt hätte, hätte ich den Job nicht angenommen", sagte nun Trainer Claus-Dieter Wollitz, seit Jahresbeginn im Club und zuvor bei Zweitligist Energie Cottbus unter Vertrag.

Wichtige Mitgliedergruppierung ist gegen eine Ausgliederung

In Osnabrück gibt es jetzt nur noch eine Lösung, um die drohende Insolvenz abzuwenden: die Politik. Angedacht ist ein Modell, bei dem die Stadt den Verein mit 7,6 Millionen Euro unterstützt, dafür allerdings das Stadion erhält. Allerdings stellen die Politiker Bedingungen.

"Wenn wir Geld in Richtung VfL geben, dann muss das unter Strukturen erfolgen, bei denen wir die Sicherheit haben, dass das nachhaltige Lösungen sind", sagt Fritz Brickwedde, Fraktionschef der Osnabrücker CDU. Die Politik fordert, dass der Verein im zweiten Teil seiner Mitgliederversammlung am 9. Dezember die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung beschließt.

Die Zustimmung zu einer solchen Satzungsänderung bedarf allerdings einer Dreiviertelmehrheit - und die ist noch lange nicht sicher. "Eine Professionalisierung ist auch auf der Basis der bestehenden Satzung möglich", sagt Ludger Rolfsen von der Mitgliedergruppierung Nur für diesen Verein (NfdV). Rolfsen und einige Club-Ultras waren zuletzt gegen eine Ausgliederung.

Knapp drei Wochen bleiben den Verantwortlichen nun, um die Mitglieder zu überzeugen - und den Verein zu retten. Für die laufende Saison kalkuliert der VfL Osnabrück übrigens mt einem Gewinn von 444.000 Euro.

leh/sid

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