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Deutscher Besitzer von spanischem Fußballklub: Und irgendwann Toni Kroos

Von Miguel Gutiérrez

Hotelunternehmer Ingo Volckmann hat auf Mallorca den Fußballverein Atlético Baleares gekauft. Der Berliner will den Drittligisten im spanischen Profifußball etablieren - mit europäischen Spielern und deutschem Know-how.

Atlético Baleares: Fußball auf der Lieblingsinsel Fotos
Atlético Baleares

Alles dürfen sich die Deutschen auf Mallorca nicht erlauben, aber doch ziemlich viel. Rund 30.000 von ihnen leben auf der spanischen Mittelmeerinsel, etwa so viele wie in Itzehoe oder Bad Nauheim, sie betreiben Restaurants, Immobilienfirmen, genießen den Ballermann oder ihren Lebensabend. Ein Deutscher ist nun noch einen Schritt weiter gegangen: Ingo Volckmann, Hotelunternehmer aus Berlin. Der 46-Jährige kaufte im Sommer den insolventen mallorquinischen Fußballklub CD Atlético Baleares.

Damit ist der gebürtige Berliner der erste deutsche Vereinsbesitzer im Ausland. Vizepräsident des 1942 in Palma de Mallorca gegründeten Klubs ist der Düsseldorfer Guido König, er lebt seit 30 Jahren auf der Insel und ist mit einer Mallorquinerin verheiratet. Das Ziel der beiden Deutschen: Atlético Baleares aus der dritten spanischen Liga nach oben zu führen, mindestens in die zweithöchste Spielklasse, und den Verein zu einer festen Größe im spanischen Profifußball zu machen - auch mithilfe deutscher Spieler.

Volckmann wohnt selbst nicht auf Mallorca, er betreibt auf den Balearen aber mehrere Hotels und hatte seit einiger Zeit den Plan, in Fußball zu investieren. Sein Einstieg bei Atlético Anfang Juni war dennoch überraschend, offenbar hatte sein Vorhaben sich bis zu dem finanziell in Nöten steckenden Klub herumgesprochen: "Auf einmal kam der Anruf aus Mallorca und ich habe mich mit dem Trainer und einem Freund in Manacor auf einem Parkplatz getroffen", sagt der Unternehmer. "Danach ging alles ganz schnell."

Investitionen im sechsstelligen Bereich

Beim Kauf des Vereins half es, dass die Infrastruktur auf der Insel der deutschen ähnlich ist, dass es viele deutsche Firmen und Ansprechpartner gibt. Trotzdem stand Volckmann vor etlichen Schwierigkeiten: "Es ist nicht gerade einfach, als Deutscher einen mallorquinischen Klub zu übernehmen", sagt er, die Einheimischen sind durchaus skeptisch, erst recht wenn es um Fußball geht. Doch die spanischen Anhänger hätten schnell gemerkt, dass Volckmann und seinem Team das Wohl des Vereins am Herzen liege: "Es war eine Erleichterung für alle Fans, dass ihr Lieblingsklub weiter existieren kann und sogar konkurrenzfähig ist", sagt er.

Volckmann erinnert sich an eine Situation in einem Restaurant: "Wir haben uns mit mehreren Leuten über Atlético unterhalten", erzählt er, plötzlich sei der Kellner gekommen und habe sich bei ihm dafür bedankt, dass er dem Verein geholfen habe. "Das habe ich ein paar Mal erlebt", sagt Volckmann, der Zuspruch bestärkte ihn in seinem Vorhaben. Rund 700.000 Euro hat er angeblich bislang in den Verein gesteckt.

Doch wie soll der abstiegsbedrohte Drittligist (15. Tabellenplatz der Segunda División B), der noch im April Konkurs anmelden musste, wieder in die Spur kommen? Mit deutschem Fußball-Know-how, das ist Volckmanns Idee. Für den sportlichen Bereich ist Patrick Messow zuständig, 25 und ebenfalls aus Berlin. Er kümmert sich gemeinsam mit Volckmann und dem spanischen Trainerteam rund um Chefcoach Nico López Vidal um das Scouting, den Nachwuchs und die Koordination.

Deutscher und niederländischer Spieler im Team

"Patrick hat mir zwei Spieler aus der ersten niederländischen Liga besorgt, einen Holländer und einen Deutschen, die wahrscheinlich ab der Rückrunde bei uns mitspielen werden", sagt Volckmann. Thilo Leugers wurde in Lingen geboren und bei Twente Enschede ausgebildet, Tim Vincken hat über 70 Spiele in der Eredivisie gemacht.

Messow ist auf dem Spielermarkt in seiner Heimat gut vernetzt, doch Volckmann legt Wert darauf, dass auch weiterhin Einheimische den Kern der Mannschaft bilden. Entweder aus dem eigenen Nachwuchs oder vom großen Stadtrivalen, dem Zweitligisten RCD Mallorca, bei dem der Deutsche Utz Claassen einer der Hauptaktionäre und seit wenigen Tagen auch Präsident ist.

Vor Kurzem hat Volckmann die Mannschaft vom früheren Konditionstrainer von Hertha BSC testen lassen, er hat ein neues Trainingszentrum mit modernen Geräten und sogar einer Höhenkammer zur Verbesserung der Ausdauer eingerichtet. "Das soll zeigen, dass ich nicht nur investieren, sondern sportlich wirklich etwas erreichen will. Ich möchte hier auf der Insel die Nummer eins werden", sagt Volckmann. Ein weiterer Plan ist es, auch mit deutschen Klubs zusammenzuarbeiten. Viel wollen die Atlético-Chefs dazu noch nicht verraten, nur dass es bereits vielversprechende Gespräche gegeben habe.

Einen Fußballtraum wird sich der Hotelunternehmer allerdings wohl nicht erfüllen können, auch nicht, wenn er viel Geld in die Hand nimmt: "Toni Kroos, mit Madrid ist er ja schon fast in der Nähe." Aber wer weiß? Vielleicht wollen die alternden Stars ja irgendwann einmal auf der Lieblingsinsel der Deutschen in Rente gehen. Volckmann wäre das sehr recht.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Verbranntes Geld
soschautsaus2014 01.01.2015
In einen spanischen Drittligisten investieren und dafür 700.000 Euro reinstecken? Teures Hobby, solange es Spaß macht in Ordnung, aber sich vormachen, dass das ein Investment wäre ist doch fatal.
2. Geld
Fakler 01.01.2015
Wirklich Geld machen tun im spanischen Fussball nur die ersten fünf oder sechs der Liga, der Rest macht Verluste. Meines Wissens sind viele Vereine verschuldet, beispielsweise der Espanol (zweiter Verein in Barcelona) mit 150 Millionen Euros ... Wer hat da Spass ? Der Eigentümer wahrscheinlich wenn er seine Spieler kicken sieht, und die Spieler (weil sie ja nicht umsonst spielen).
3. Itzehoe und Bad Nauheim
brendan33 01.01.2015
Diese Städte werden im Artikel erwähnt und genau auf diesem Provinzniveau spielt die ganze Geschichte. In ausnahmslos jeder deutschen Kleinstadt gibt es einen geltungssüchtigen mittelständischen Unternehmer, der dem lokalen Fussballverein als "Gönner", "Unterstützer", "Sponsor" oder "Besitzer" zur Seite steht. Sie verbrennen dort ihr Geld, sorgen dafür, dass drittklassige Fussballer zu hoch motorisierte Autos fahren und bekleben die Plastiktrikots mit ihrem Firmenlogo. Alle träumen den Traum eines Mini-Dietmar Hopp. Als Gegenleistung gibts eine regelmäßige Erwähnung in der Lokalpresse, Einladungen zu kommunalen Politik- und Kulturveranstaltungen sowie freundliches gegrüßt werden in der Fussgängerzone. Das gleiche Drama spielt sich nun auf Mallorca ab. Der Unterschied ist, dass die Vereinspräsidenten von Itzehoe und Bad Nauheim es nicht bis Spiegel Online schaffen.
4. Klimpergeld für spanische Verhältnisse
zauselfritz 01.01.2015
Für mehr als dritte Liga wird das nicht reichen. Für die zweite muss man sich schon in knapp zweistelliger Millionenhöhe verschulden. Für die erste Liga gar hoch zweistellig - es sei denn man hat das grosse Klimpergeld und kann sich den Spass ohne Schulden leisten.
5. Itzehoe
d612 01.01.2015
In Itzehoe ist das auch schon schief gegangen und es wurde viel Geld verbrannt. In Bad Nauheim weiß ich nur vom Eishockey das es 2 Pleiten gab. Es lohnt sich einfach nicht!
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