Ex-Torwart Butt: "Bayern wird den Titel holen"

Von

Bundesliga-Torwart: Butt, Butt, Butt! Fotos
DPA

Bayern gegen Barça, die Champions-League-Halbfinals starten mit einem Kracher. Vor vier Jahren trafen beide Clubs schon einmal in der K.o.-Runde aufeinander, die Münchner wurden vorgeführt. Es war der Beginn einer neuen Bayern-Philosophie - und der späte Karrieresprung des damaligen Torwarts.

Das Erste, was Hans Jörg Butt einfällt, ist der Schmerz und das Blut, das über sein Gesicht lief. Nicht diese Demütigung, die er als Torwart des FC Bayern gegen den FC Barcelona erleben musste. Nicht diese Gala-Auftritte von Lionel Messi, Samuel Eto'o und Thierry Henry, die die vier Barça-Tore erzielt und sich gegenseitig aufgelegt hatten. Wenn Butt an jenen Mittwochabend im Camp Nou denkt, fällt ihm "der Tritt von Henry, als ich seinen Stollenschuh im Gesicht hatte" ein, erinnert er sich im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Es war der 8. April 2009, die von Jürgen Klinsmann trainierten Bayern gastierten im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League in Barcelona und mussten eine der schlimmsten Demütigungen der jüngeren Vereinsgeschichte über sich ergehen lassen. 0:2 stand es, als Henry in Butt reingrätschte und ihn am Kopf traf. 0:4 lautete es nach 90 Minuten. Auch ein 0:6 oder 0:8 aus Bayern-Sicht wäre möglich gewesen. Selten war ein Team der Münchner so chancenlos wie in diesem Spiel vor ziemlich genau vier Jahren.

Nun treffen Bayern und Barça in der Champions League erneut aufeinander, dieses Mal im Halbfinale, und vor dem Hinspiel am Abend in München (20.45 Uhr, Sky und Liveticker SPIEGEL ONLINE) sagt Butt: "Bayern kommt weiter." Mittlerweile begegnen sich München und Barça - anders als vor vier Jahren - auf Augenhöhe. Wenn man so will, hat auch das Debakel von damals damit eine Menge zu tun.

Debakel in Barcelona vier Tage nach der Klatsche in Wolfsburg

Das Spiel in Barcelona stellte einen Wendepunkt dar. Vier Tage vor dem 0:4 waren die Münchner nämlich auch schon vom VfL Wolfsburg vorgeführt worden und hatten 1:5 verloren. Es waren die Tage, in denen sich bei den Bayern-Bossen die Erkenntnis durchsetzte, dass man etwas Grundlegendes verändern musste.

Das Trainer-Missverständnis mit Klinsmann wurde Ende April 2009 beendet, zur Saison 2009/2010 übernahm der Niederländer Louis van Gaal. Im damaligen Sommer wurden unter anderem Lukas Podolski, Lúcio, Massimo Oddo und Tim Borowski abgegeben, kurz darauf folgten Andreas Ottl, Alexander Baumjohann und Edson Braafheid. Dafür kauften die Münchner Arjen Robben für 24 Millionen Euro von Real Madrid, an den VfB Stuttgart überwies der Club 30 Millionen Euro für Mario Gomez. Klasse statt Masse - oder genauer: Klasse in der Masse - lautete fortan das Motto der Bayern, dem sie bis heute treu sind und das in der 40-Millionen-Euro-Verpflichtung von Javier Martínez vor dieser Saison gipfelte.

"Die Bayern heute sind viel stabiler als damals"

"Dieser starke Kader mit dieser Ausgeglichenheit ist das große Plus der Bayern gegenüber Barcelona", sagt Butt, der mit dem Abstand von vier Jahren sehr klar auf das 0:4 blickt: "Barcelona war damals die überragende Mannschaft in Europa. Wir waren Außenseiter, uns fehlten einige Spieler, von daher hatten wir keine Chance."

Viel mehr als die personelle Unterlegenheit war wohl die psychische Verfassung des Teams dafür verantwortlich, dass es von Barça so auseinandergenommen wurde. "Die Bayern heute sind viel stabiler, als wir es damals waren", sagt denn auch Butt. Daher sei ein Vergleich vom 2009er-Team mit dem heutigen nicht möglich. "Es bringt ja nichts, sich das 0:4 anzuschauen und zu gucken, was man heute besser machen kann. Die Bayern haben sich seitdem enorm weiterentwickelt, sind ein ganz anderer Gegner. Ein so starker, wie ihn Barcelona ihn in dieser Saison höchstens in den Duellen mit Real Madrid hatte", sagt Butt.

Für den Keeper selbst war das damalige Desaster der Beginn seiner zweiten Karriere, deswegen hat er sogar positive Erinnerungen an das Spiel. Klinsmann stellte gegen Barça den vor der Saison als Ersatztorwart verpflichteten Butt, damals 34, für Michael Rensing, 24, ins Tor, der sich in den Wochen zuvor mehrere Fehler geleistet hatte. Butt zeigte gegen Barcelona trotz der vier Gegentore eine gute Leistung und blieb die Nummer eins. "Es begann zwar mit einer Niederlage, aber anschließend ging es bei mir in München so richtig los", sagt Butt rückblickend.

Denn auch van Gaal merkte früh, dass Butt stabiler als Rensing war, und machte ihn zum Stammtorwart. Mit den Bayern gelang dem Keeper endlich das, was ihm beim Hamburger SV (1998 bis 2001), bei Bayer Leverkusen (2001 bis 2007) und Benfica Lissabon (2007 bis 2008) versagt geblieben war: Titel zu gewinnen. Mit den Münchnern wurde er 2010 unter van Gaal Deutscher Meister und Pokalsieger. Was die Freude trübte, war die Niederlage im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand. Wie schon 2002 mit Leverkusen scheiterte Butt im Endspiel um die größte Vereins-Trophäe Europas. Beim Elfmeter-Drama gegen den FC Chelsea im Finale vergangenes Jahr war Butt Ersatzmann von Manuel Neuer.

"Dieses Jahr sind die Bayern reif für den Titel", sagt Butt, der als Grund dafür vor allem die starke Defensive nennt. "Die Mannschaft wirkt entschlossen, ist sehr gut in Form. Bayern kann den Titel holen - und wird ihn holen!"

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Viel Glück
f.dosto 23.04.2013
meinerseits. Hier treffen die besten Mannschaften Europas aufeineinander, Teams von denen jedes eine Weltmeisterschaft erringen könnte. Aus meiner Sicht, ohne Bayern Fan zu sein, die Bayern haben es verdient, besser kann man nicht spielen.
2. bayern hat
ziegenzuechter 23.04.2013
es verdient und wird es sich auch nicht nehmen lassen. selten eine spielstärkere mannschaft gesehen. respekt vor dem trainer und schade, dass er gehen muss.
3.
Karbonator 23.04.2013
" Im damaligen Sommer wurden unter anderem Lukas Podolski, Lúcio, Massimo Oddo und Tim Borowski abgegeben, kurz darauf folgten Andreas Ottl, Alexander Baumjohann und Edson Braafheid." Nur zur Klarstellung: Braafheid war erst nach Klinsmann und mit van Gaal gekommen - und ging gann am Ende der Winterpause wieder. War also eher als einer Fehltransfers zu bezeichnen, die es bei Bayern ja ab und an gab/gibt. :)
4.
HaioForler 23.04.2013
Zitat von ziegenzuechteres verdient und wird es sich auch nicht nehmen lassen. selten eine spielstärkere mannschaft gesehen. respekt vor dem trainer und schade, dass er gehen muss.
Was sicherlich auf das Verdienst von Heynckes geht: Ruhe und Harmonie in die Mannschaft gebracht zu haben, und andererseits – egal mit welcher Aufstellung – dauerhaft auf hohem Niveau zu spielen. Insofern: Hut ab. Und ob Guardiola das so halten oder gar verbessern kann, das wird man abwarten müssen. Es kann auch eng werden. Aber bei Barcelona wäre ich vorsichtig: noch immer ist deren Paßspiel konstanter und auch besser. Diese Spieler kennen sich seit 7 Jahren oder länger. Banal zu sagen, dass es Ziel sein muss, dass Barca heute kein Tor schießt. Nur: wie? Schau’n mer mal ;)
5. Keine Live Übertragung im Free-TV: Blamage für's ZDF
HomeY 23.04.2013
Tristes Staatsfunkerland Deutschland. Trotz Gebührenmilliarden im Überfluss keine Live-Übertragung des Top-Spiels der CL im deutschen Fernsehen. Peinliche Blamage für die öffentlich rechtlichen Sender. Zum Glück lebe ich mittlerweile in GB, wo (trotz Nichtbeteiligung eines englischen Clubs) alle Spiele der CL als Freeview auf ITV übertragen werden. Wir sind halt doch ein mediales Dritteweltland.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball-News
RSS
alles zum Thema Champions League
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 14 Kommentare
Tabellen