VfL Wolfsburg: Fünf Wochen Revision

Die Niederlage gegen Frankfurt hat die Situation für Wolfsburgs Coach Lorenz-Günther Köstner nicht leichter gemacht: Ein echter Aufwärtstrend ist nicht zu erkennen. Zudem ist seine Schonfrist nun vorbei, der neue Sportchef Klaus Allofs wird sich das VfL-Personal in der Winterpause genau ansehen.

Wolfsburg-Trainer Köstner: "Übernehme Verantwortung" Zur Großansicht
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Wolfsburg-Trainer Köstner: "Übernehme Verantwortung"

Hamburg - Als Felix Magath ging, war der Tiefpunkt erreicht. Der VfL Wolfsburg, vor drei Jahren noch Deutscher Meister, war Tabellenletzter. Sieben Spiele ohne Sieg, vier Niederlagen in Folge - es konnte nur besser werden. Wurde es auch. Direkt im ersten Spiel unter der Regie von Lorenz-Günther Köstner, vormals Trainer der VfL-Amateure, gewann Wolfsburg 4:1 gegen Fortuna Düsseldorf. Beobachter sprachen von der großen Befreiung. Seitdem: drei verlorene, drei gewonnene, zwei unentschieden gespielte Partien, Tabellenplatz 14 zur Winterpause. Ein echter Befreiungsschlag sieht anders aus.

Zum Abschluss der Hinrunde unterlag Wolfsburg jetzt auch noch Aufsteiger Frankfurt (0:2). Es war die erste Niederlage gegen die Eintracht seit 1964, und zugleich das erste verlorene Heimspiel unter Köstner. Es ist unklar, ob der 60-Jährige, der ohnehin zunächst nur als Interimslösung gedacht war, zu Beginn der Rückrunde noch im Amt sein wird.

Denn sicher ist, dass Wolfsburgs neuer Sportdirekter Klaus Allfos die fünfwöchige Winterpause nutzen wird, um eine ausführliche Bestandsaufnahme des Kaders zu machen, um auszusortieren und neu zu ordnen. Dass er dabei auch vor der Trainerbank nicht Halt macht, wäre nach den vergangenen Wochen nur konsequent.

Ende November, kurz nach Allofs Ankunft aus Bremen, hatte er versichert, dass er keine "sofortigen" Personal-Veränderungen vornehmen werde. Allofs wollte sich die nötige Zeit nehmen, um sich ein genaues Bild von der Situation in Wolfsburg machen zu können. Doch die Eingewöhnungsphase ist vorbei, seit seiner Aussage sind gut vier Wochen vergangen. Vier Wochen, in denen der Sportdirektor extreme Höhen und Tiefen bei seinem neuen Arbeitgeber erlebte.

"Die Ambitionen sind andere"

So verloren die Wölfe am 15. Spieltag gegen eine schwache Mönchengladbacher Elf 0:2, bevor sie nur eine Woche später glücklich 3:2 bei Meister Dortmund gewannen. Doch nach dem jüngsten Auftritt zu Hause gegen Frankfurt dürfte Allofs wieder ein dickes Minus in seinem Notizbuch vermerkt haben.

Vor allem die erste Halbzeit wird dem Sportdirektor missfallen haben: Erst vergab Bas Dost in der 9. Minute leichtfertig die Wolfsburger Führung, drei Minuten später konnte Frankfurts Alexander Meier eine Freistoß-Flanke von Pirmin Schwegler ungestört versenken. Zu allem Überfluss musste kurz darauf Josué wegen eines groben Fouls gegen Olivier Occéan vom Platz. Die Szene leitete den zweiten Frankfurter Treffer durch Takashi Inui (18.) ein.

Köstners Mannschaft konnte keinen Druck mehr aufbauen, zudem fehlten dem Trainer die Alternativen. Als einzig verbliebenen Stürmer brachte er kurz vor Ende Rasmus Jönsson, doch der Schwede setzte keine Akzente mehr.

"Dass die Ambitionen andere sind, ist klar", sagte Allofs nach der Partie. Es war durchaus als Fingerzeig in Richtung Köstner zu verstehen. Der hatte schon nach seiner Amtsübernahme im Oktober deutlich gemacht, dass er gern fest auf dem Trainerposten bleiben würde. Köstner forderte vor dem DFB-Pokalspiel am Mittwoch gegen Leverkusen deshalb Klarheit: "Ich habe die Mannschaft vom letzten Tabellenplatz geführt. Wenn man trotzdem nicht mit mir weiter arbeiten will, sollte man mir das ganz schnell sagen."

Zugleich gestand Köstner ein, selbst nicht ganz zufrieden zu sein: "Ich hätte gerne ein paar Punkte mehr, dafür übernehme ich die Verantwortung", sagte er. Vielleicht muss er das schon schneller, als ihm lieb ist.

VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt 0:2 (0:2)
0:1 Meier (12.)
0:2 Inui (18.)
Wolfsburg: Benaglio - Fagner, Naldo, Kjaer, Marcel Schäfer - Polak (74. Madlung), Josué - Hasebe (63. Kahlenberg), Diego, Vieirinha (85. Jönsson)
Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Butscher, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner (77. Matmour), Inui (81. Celozzi) - Occean (87. Lanig), Meier
Schiedsrichter: Gagelmann
Zuschauer: 26.452
Rote Karte: Josué wegen groben Foulspiels (16.)
Gelbe Karten: Diego, Naldo (5) - Inui (4)

psk

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Absprache
allereber 15.12.2012
Laut Schiedsrichterbesprechung nach dem Dortmundspiel mußten die Schiedsrichter die sogenannten Nachteile ausgleichen.Ist seit Jahren ganz normal.
2. Nachteilausgleich
kahlammaa 15.12.2012
Ich habe in dem Spiel keine Benachteiligung für Wolfsburg gesehen. Aber dass ein Spieler vom Platz fliegt, der vor einer Woche die unberechtigte rote Karte eines Gegenspielers mit Beifall bedacht hat, finde ich absolut in Ordnung.
3. Schade
ogniflow 16.12.2012
Sehr bedauerlich, dass Fürth und Augsburg so schlecht sind, sonst bestünde die Chance mit Hoffenheim und Wolfsburg gleich 2 Plastikvereine in einer Saison los zu werden.
4. Ich stimme ogniflow zu.
hennes1111 16.12.2012
Und wünsche beiden Aufsteigern eine starke Rückrunde!
5. No Plastik
allereber 16.12.2012
Zitat von ogniflowSehr bedauerlich, dass Fürth und Augsburg so schlecht sind, sonst bestünde die Chance mit Hoffenheim und Wolfsburg gleich 2 Plastikvereine in einer Saison los zu werden.
Wolfsburg ist kein Platikverein. Wolfsburg hat die meißten nationalen und internatinalen Titel in vielen Sparten in Europa.z.b.Deutscher Handballmeister, zig Oylimpiasieger und-und-und. War schon 1954 in der höchsten Deutschen Fussballliga. Außerdem würden viele Bundesligavereine ohne VW schon längst pleite.
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