Deutsche Fans bei der WM Reisestress und Ärger mit der Fifa

Fanbetreuer kümmern sich in Brasilien um die Probleme der deutschen Anhänger. Die Kriminalität während der WM sei geringer als befürchtet, sagen sie. Doch es gibt Konflikte mit Ordnern und der Polizei.

Aus Brasília und Fortaleza berichtet

Deutsche Fans in Rio de Janeiro: 6000 bis 8000 Anhänger in Brasilien
REUTERS

Deutsche Fans in Rio de Janeiro: 6000 bis 8000 Anhänger in Brasilien


SPIEGEL ONLINE Fußball
Nun also Belo Horizonte. In Salvador, Fortaleza und Recife waren sie bereits. Und wenn alles gut läuft, geht es danach nicht nach Brasília, sondern wieder zurück nach Rio - zum Finale. Das ist der Reiseplan der "Mobilen Fanbotschaft", einer Gruppe, die sich um die Anliegen der 6000 bis 8000 deutschen Fans in Brasilien kümmert.

Zehn Journalisten und Sozialpädagogen bilden die Anlaufstelle, es ist ein Angebot von der Koordinierungsstelle der Fanprojekte (KOS), den deutschen Auslandsvertretungen in Brasilien und dem DFB. Zu jedem Spiel erscheint zudem eine Ausgabe des "Helmut", einer Art Fanzine der deutschen Nationalmannschaft, das jeweils vor Ort gedruckt und gratis verteilt wird. Die gut 2000 Exemplare seien immer schnell vergriffen, heißt es.

Meist können die Anliegen der Fans schnell geklärt werden. Es geht darum, ein Hotelzimmer zu reservieren oder einen Arzttermin auszumachen. Dass der einzige Portier eines 500-Betten-Hotels selbst bei einfachen Worten wie "key" oder "breakfast" passen muss, ist keine Seltenheit in Brasilien. "Bei aller Kritik an der Fifa - für Brasilien ist es ein Segen, dass die WM hier stattfindet. Das Land muss sich noch mehr öffnen", findet Bruno, ein Student aus São Paulo, der mit seiner Freundin zum Viertelfinalspiel der Brasilianer nach Fortaleza gereist ist und exzellent Englisch spricht. Dass diese Kritik für die Sprachkenntnisse zutreffen mag, nicht aber für die Neugier und Freundlichkeit der Menschen, freut ihn zu hören. "Wir Brasilianer waren schockiert, dass in Europa im Vorfeld so viel von der Gewalt in Brasilien die Rede war. Ist es denn wirklich so schlimm?"

Glaubt man Martin Curi, kann man das verneinen. Der deutsche Anthropologe von der Universität Rio arbeitet derzeit bei der Fanbotschaft und hilft bei Sprachproblemen. Seit zwölf Jahren lebt er im Land. Er wisse nichts von Übergriffen auf deutsche Fans, beim Public Viewing in Salvador habe es allerdings ein paar Diebstähle gegeben. "Hier sind natürlich viele, die mancher Ultra-Fan aus den Vereinen despektierlich Eventfans nennen würde", sagt Curi. "Selbst wenn man versucht, möglichst günstig unterwegs zu sein, ist eine Reise nach Brasilien natürlich ein Kraftakt."

Flug für 20 Euro und zwei Nachtbusfahrten

Doch die Mitarbeiter wissen auch von Fans zu berichten, deren Geschichten jedem Ultra Respekt abnötigen würden. Wie die von jenem Fan, der den Wucherpreisen für Inlandflüge auswich. Statt den teuren Direktflug zwischen Porto Alegre und Rio zu nehmen, buchte der Mann einen Flug von Florianopolis nach São Paulo für 20 Euro und bestritt den Rest der Strecke mit zwei Nachtbusfahrten. Prompt hatte er gleich noch die Übernachtung gespart. "Lustig sind auch die Leute, die kein Wort Portugiesisch können und in irgendeinem Vorort bei einer brasilianischen Familie übernachten, die kein Wort Englisch kann." Dem Vernehmen nach verstünden sich alle dennoch prächtig.

Also alles eitel Sonnenschein? Nicht ganz. Dass die strengen Fifa-Richtlinien das Aufhängen von Zaunfahnen faktisch unmöglich machen, sorgt immer wieder für Frust. Und auch das Auftreten von Polizei und Ordnungsdienst scheint ein Ärgernis. So wie außerhalb der Stadien jede noch so kleine Demo gegen die Begleiterscheinungen der WM brutal aufgelöst wird, geht es offenbar auch in den Stadien eher willkürlich zu. Der Ordnungsdienst sei oft recht rabiat. "Und beim Spiel gegen Ghana ist die Polizei ohne ersichtlichen Grund in den deutschen Block gestürmt", erzählt Curi. "Prompt kippte die Stimmung, die vorher völlig entspannt war."

Überhaupt gebe es immer wieder Probleme zwischen Fußballfans und der Polizei - zuletzt wurden argentinische Fans beschuldigt, als Krawallmacher über die Grenze gereist zu sein: "Dabei sind viele von denen einfach mit dem Wohnwagen gekommen und haben sich irgendwo einen Stellplatz gesucht. Das hat sie offenbar schon verdächtig gemacht."



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
FX922 07.07.2014
1. wer den bericht
über die WM 2006 ("ein anderes Sommermärchen") gesehen hat weiß, dass bei solchen globalen Veranstaltungen oft historische Konflikte ausgetragen werden. ich denke der Großteil der aller Fans ist friedlich nach Brasilien gereist, aber es gibt immer Ausreißer.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.