DFB-Sieg gegen England: Ein Mann, eine Mission

Aus London berichtet

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Ein Londoner war der Matchwinner beim Länderspiel in Wembley: Per Mertesacker köpfte die DFB-Elf zum Erfolg. Der Arsenal-Profi ragte aus einer deutschen Mannschaft heraus, die im Schongang gegen harmlose Engländer siegte.

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Das Länderspiel zwischen England und Deutschland gehörte zu jenen Duellen, bei denen Sportreporter gerne das Wort "ausgerechnet" benutzen. Ausgerechnet Per Mertesacker war es, der Deutschland zum 1:0 (1:0)-Erfolg in Wembley geköpft hatte. Mertesacker, der als Innenverteidiger des FC Arsenal sein Geld ausgerechnet in der Stadt verdient, in der er den Engländern jetzt die Niederlage zugefügt hatte. Ausgerechnet "The Big Fucking German", wie er von den Arsenal-Fans liebevoll genannt wird.

Für den ehemaligen Bremer war er tatsächlich etwas Besonderes, dieser Abend seines 95. Länderspiels. Selten in den vergangenen Jahren in der Nationalmannschaft hatte man ihn so entschlossen, so leidenschaftlich auf dem Platz erlebt - als sei er auf einer Mission. Der Mission, es auch den Engländern zu zeigen, wie wichtig er in dieser deutschen Nationalmannschaft ist, die er aufgrund der Abwesenheit von Philipp Lahm auch noch als Kapitän auf den Platz führen durfte.

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England vs. Deutschland: Prestigeerfolg in London
Kurz vor seinem Tor in der 39. Minute hatte sich Mertesacker bereits eine ausgezeichnete Kopfballchance erarbeitet, die jedoch Englands Keeper Joe Hart vereitelte. Aber an diesem Abend hatte man das Gefühl: Er will das Tor unbedingt, er gibt erst Ruhe, wenn der Ball tatsächlich sein Ziel gefunden hat. Was dann eine Minute später der Fall war.

"Ich war felsenfest überzeugt, dass ich den Ball ins Tor bringe", sagte Mertesacker anschließend über seinen wuchtigen Kopfstoß nach feiner Vorlage von Toni Kroos. Dass er den letztlich souveränen Auftritt der im Vergleich zum Italienspiel am Freitag auf acht Positionen veränderten DFB-Elf anschließend als "leichtes Aufwärmen für die WM" bezeichnete, wird den Respekt für die deutsche Elf nicht verringert haben.

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DFB-Team in der Einzelkritik: Weidenfeller arbeitslos, Mertesacker hartnäckig
Den Bundestrainer braucht Mertesacker ohnehin nicht mehr zu überzeugen. "In der Defensive steht er immer am richtigen Platz", schwärmte Joachim Löw nach der Partie über seinen Innenverteidiger. In Sachen Beweglichkeit und Koordination habe er sich nach seinem Wechsel nach London noch erheblich entwickelt, lobte Löw weiter. Der 29-Jährige muss sich nach derzeitigem Stand keine Sorgen um einen Stammplatz bei der WM machen. Mertesacker ist gesetzt.

Eigentlich sollte Mats Hummels in der zweiten Hälfte den Nebenmann Mertesackers geben, nachdem vor der Pause der Münchner Jérôme Boateng die zweite Position in der Innenverteidigung gebildet hatte. Aber für den Dortmunder war schon nach 20 Minuten wieder Schluss. Nach Löws Auskunft habe er sich am Sprunggelenk verletzt, als er unglücklich nach einem Zweikampf auf den Boden getreten habe. Ob Hummels dadurch das Spitzenspiel der Bundesliga am Samstag gegen Bayern München (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) verpasst, ist offen.

Müller 90 Minuten auf der Bank, Schmelzer sofort ausgewechselt

Ohnehin: Die Spannung vor der Liga-Begegnung war zu spüren in Wembley, wo sich im Mai noch der BVB und der FC Bayern im Champions-League-Endspiel duelliert hatten. Löw agierte bei Aufstellung und Einwechslungen sorgsam, um erst gar keinen Anfangsverdacht aufkommen zu lassen, er bevorzuge ein Team, indem er Spieler der anderen Mannschaft zu lange auf dem Platz belasse. Boateng und Hummels wechselten sich paritätisch ab, dafür durften der Dortmunder Marco Reus und der Münchner Mario Götze beide länger spielen.

Bayern-Star Thomas Müller blieb 90 Minuten auf der Bank sitzen, BVB-Außenverteidiger Marcel Schmelzer wurde umgehend ausgewechselt, nachdem er einen Schlag auf die Wade bekommen hatte. Niemand sollte denken, der Bundestrainer nehme in irgendeiner Form Einfluss auf das Top-Spiel, was vor allem in Dortmund gern gemutmaßt wird. Dass ihn das Thema der vermeintlichen Rivalität der Bayern und Dortmunder in der Nationalelf ohnehin nerve, hatte Löw am Tag vor dem Spiel bereits kundgetan.

Zurückgewonnenes Selbstbewusstsein

Ein Dortmunder hatte allerdings gar nichts dagegen, die kompletten 90 Minuten durchzuspielen. Torwart Roman Weidenfeller genoss sein Debüt in der Nationalmannschaft, er habe "alles an diesem Abend aufgesogen", sagte der 33-Jährige. Dabei hatte der BVB-Keeper gegen in der Offensive überraschend harmlose Engländer beinahe nichts zu tun gehabt.

Das Jahr hat für die Löw-Elf geendet, wie es begonnen hat - mit einem Auswärtserfolg bei einer der traditionsreichen Fußballnationen. Im Februar siegte man zum Auftakt in Frankreich, dann folgte der souveräne Durchmarsch durch die Qualifikation, jetzt der Abschluss gegen England. Die Nationalmannschaft hat das Jahr 2013 vor allem dazu genutzt, das Selbstvertrauen zurückzugewinnen, das 2012 verloren gegangen war. Löw sagt, er sei "sehr zufrieden".

Wenn er das in einem Jahr auch noch behaupten kann, dann ist Deutschland vermutlich Weltmeister geworden.

England - Deutschland 0:1 (0:1)
0:1 Mertesacker (39.)
England: Hart - Walker, Smalling, Jagielka, Cole (53. Gibbs) - Lallana (76. Lambert), Cleverley (64. Wilshere), Gerrard (56. Henderson), Townsend - Rooney (71. Barkley), Sturridge
Deutschland: Weidenfeller - Westermann (67. Draxler), Boateng (46. Hummels; 65. Höwedes), Mertesacker, Schmelzer (46. Jansen) - Lars Bender, Sven Bender - Götze, Kroos, Reus (82. Schürrle) - Kruse (56. Sam)
Schiedsrichter: Stéphane Lannoy (Frankreich)
Zuschauer: 85.934

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
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1. Dreimal Fußball auf der Schlagzeilenseite!
robotnick 20.11.2013
Ist das hier der Kicker oder was? Gibt es nichts Wichtigeres aus der Welt? Reicht nicht eine Sportsparte?
2. Starke Vorstellung!
Munster 20.11.2013
Viel zu wenig Worte zu Sidney Sam! Sam stand zwar nicht lange auf dem Platz, aber nach seiner Einwechslung war er vielleicht der beste Spieler auf dem Feld; man hat auch bei ihm gesehen, dass er unbedingt ein Tor machen wollte. Ansonsten: Kein Offensivspektakel, aber eine wirklich klasse Defensivleistung, die die deutsche Mannschaft abgeliefert hat! Besonders Boateng und Mertesacker bärenstark, aber auch gegen die viel in Frage gestellten Jansen und Westermann war im Zweikampf kaum ein Kraut gewachsen! Der Mann des Spiels mMn aber Toni Kroos! Klasse Arbeit nach vorne und nach Hinten! Ich denke mehr konnte man von dieser jungen, im Zusammenspiel doch recht unerfahrenen deutschen Mannschaft kaum erwarten.
3.
gog-magog 20.11.2013
Zitat von sysopGetty ImagesEin Londoner war der Matchwinner beim Länderspiel in Wembley: Per Mertesacker köpfte die DFB-Elf zum Erfolg. Der Arsenal-Profi ragte aus einer deutschen Mannschaft heraus, die im Schongang gegen harmlose Engländer siegte. Deutsche Nationalmannschaft gewinnt dank Mertesacker gegen England - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/deutsche-nationalmannschaft-gewinnt-dank-mertesacker-gegen-england-a-934571.html)
Ich fand das Spiel gegen Italien deutlich besser, nur hätten dort die Tore gemacht werden müssen. Trotzdem war England gestern natürlich harmlos. Zu Schmelzer kann ich persönlich nur sagen: der Mann hat keinen Ball zum Mitspieler gebracht und gehört nicht in diese Mannschaft. Ich sehe Schmelzer nicht bei der WM, wenn sich niemand gravierend verletzen sollte. Mertesacker hat eines seiner besseren Spiele gemacht und wird wohl dabei sein, weil es außer ihm kaum wirkliche Kopfballungeheuer gibt und die braucht man nun mal bei einer WM.
4. nerv nicht
verinet 20.11.2013
Zitat von robotnickIst das hier der Kicker oder was? Gibt es nichts Wichtigeres aus der Welt? Reicht nicht eine Sportsparte?
das musst Du weder lesen noch drauf posten
5. Ich warte....
dr.joe.66 20.11.2013
Ich warte darauf, dass hier wieder ganz viele Wundertrainer (also Foristen) auf die Nationalmannschaft und vor allem auf den Trainer draufhauen. gestern haben 17 Spieler gespielt - ohne Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Kedhira, Gündogan, Özil, Klose, Müller, Podolski, ... Vielleicht sollte Deutschland zum nächsten Turnier 2 Mannschaften anmelden. Ich wette, die würden sich beide qualifizieren - und beide gegen England gewinnen.
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Roman Weidenfeller: Mit 33 endlich am Ziel

Fußball-WM: Alle Gastgeber und Gewinner
Jahr Gastgeber Weltmeister
2022 Katar ???
2018 Russland ???
2014 Brasilien Deutschland
2010 Südafrika Spanien
2006 Deutschland Italien
2002 Japan und Südkorea Brasilien
1998 Frankreich Frankreich
1994 USA Brasilien
1990 Italien Deutschland
1986 Mexiko Argentinien
1982 Spanien Italien
1978 Argentinien Argentinien
1974 Deutschland Deutschland
1970 Mexiko Brasilien
1966 England England
1962 Chile Brasilien
1958 Schweden Brasilien
1954 Schweiz Deutschland
1950 Brasilien Uruguay
1938 Frankreich Italien
1934 Italien Italien
1930 Uruguay Uruguay