Von Jan Reschke
Nach dem Uruguay-Spiel stand auch Oliver Bierhoff lachend auf dem Rasen und gratulierte den Spielern. Anders als noch 2006, als er nach dem Viertelfinale mit den unterlegenen Argentiniern zankte oder 2008, als er nach der Finalschlappe mit Michael Ballack aneinander geriet, blieb sein Wirken beim Turnier diesmal weitgehend unbemerkt. Er lebt derzeit in dem Wissen, einzig von den Gnaden des DFB abhängig zu sein, der ihn nach den geplatzten Vertragsverlängerungen Anfang des Jahres wohl lieber heute als morgen aus dem Amt jagen würde.
Allerdings kann der Verband nicht handeln, ohne in der wichtigsten Personalie Klarheit zu haben: der Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw.
Denn die Frage nach den Zukunftschancen stellt sich nicht allein in Hinblick auf die Spieler. Löw ist der Architekt und Baumeister dieser jungen Elf, sein Werk aber noch unvollendet. Der Bundestrainer hat die Arbeit in der Nationalelf so stark professionalisiert wie in wohl kaum einem anderen Fußballverband. Deutschland ist mit dem derzeitigen Trainerstab bestens aufgestellt, doch Löws Zukunft noch immer offen. Er sagte nach dem Uruguay-Spiel: "Ich brauche jetzt erst einmal Ruhe. Aber meine Entscheidung wird zeitnah fallen."
Sein Abgang wäre fatal. Löw gelingt der Spagat, Respektsperson und gleichzeitig bei den Spielern beliebt zu sein. Wenn man seinen Profis zuhört, wird vor allem ein Wunsch deutlich: Löw soll weitermachen. Weil die Mannschaft bei der WM in Südafrika am eigenen Leib gespürt hat, wie weit sie die Arbeit des Bundestrainers gebracht hat. Und weil jeder Einzelne gemerkt hat, wie sehr er sich unter Löw weiterentwickelt hat. Zudem schafft Löw ein Klima des Vertrauens - was für Typen wie Klose oder Podolski eminent wichtig ist.
Wie geht es weiter? Bei der Medaillenvergabe zog DFB-Präsident Theo Zwanziger Löw demonstrativ zu sich heran, wollte ihn innig umarmen - doch der Bundestrainer löste sich so schnell, dass man meinen konnte, Löw wolle die Kluft zwischen sich und Zwanziger ja nicht zu gering werden lassen. Ob der unter einer Grippe leidende Löw Zwanziger nicht anstecken wollte, oder ihn ablehnte, kann nur vermutet werden. Doch wer es wie Löw versteht, was für eine symbolische Wirkung eine Umarmung in der Öffentlichkeit entfaltet hätte, muss zu dem Schluss kommen, dass seine Vorbehalte gegen Zwanziger zumindest nicht kleiner geworden sind.
Fazit: Die Mission WM 2014 kann nur Erfolg verlaufen, wenn der unter Löw eingeschlagene Weg konsequent fortgeführt wird - und das geht nur mit einem Bundestrainer Löw.
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