Deutsche WM-Bilanz und Ausblick: Mehr als ein Schlandfleck
Die deutsche Nationalmannschaft ist jung, erfolgshungrig und spielt spektakulär - das hat die WM 2010 deutlich gezeigt. Aber hat das Löw-Team schon Weltklasse-Niveau? Und wie stehen die Chancen auf den Titelgewinn 2014? SPIEGEL ONLINE zieht Bilanz und wagt den Ausblick.
Bastian Schweinsteiger tat das, was er das ganze Turnier über schon getan hatte: Er schritt voran. Mit entblößtem Oberkörper lief er an die Seitenlinie, beklatschte das Publikum auf dem Weg zur Bank, wo sich der gesamte DFB-Tross nach dem 3:2 (1:1) gegen Uruguay im Spiel um Platz drei versammelt hatte.
Dort angekommen bedankte sich Schweinsteiger bei den mitgereisten Ärzten um Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, den Physiotherapeuten mit Klaus Eder an der Spitze, beim Medienbeauftragten Harald Stenger. Kurz: bei allen, die am dritten Platz der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika irgendeinen noch so kleinen Anteil hatten.
Schweinsteiger trat auf wie ein echter Kapitän. Gereift. Weltmännisch. Eigentlich weltmeisterlich.
Und er demonstrierte genau das, was die DFB-Elf bei der WM in Südafrika ausgezeichnet hat: das Zusammenspiel als Team. Gegen Uruguay fehlten mit den erkrankten Miroslav Klose, Philipp Lahm und Lukas Podolski gleich drei Stammspieler. Doch die Mannschaft kompensierte alle Verluste und erkämpfte sich den Erfolg. Jetzt kann sie das Flugzeug, das am Sonntag um 20 Uhr von Johannesburg nach Deutschland startet, mit einem guten Gefühl besteigen.
Platz drei beim Treffen der weltbesten Fußball-Mannschaften - eine tolle Leistung. Den "Schlandfleck", den viele Kritiker vor dem Turnier erwartet hatten, gibt es nicht. Aber was steckt noch in dieser Elf? Hat sie das Potential für mehr? Für einen Titel?
Das ist die entscheidende Frage: Wenn der Tross am Montag um 6.35 Uhr in Frankfurt landet, ist das südafrikanische Wintermärchen endgültig vorüber. Die Spieler kehren in den Alltag zurück. Nach einem Urlaub wartet die Bundesliga-Vorbereitung. Dann müssen neue Ziele her.
Und für alle, die beim Abenteuer Südafrika dabei waren, kann es nur eines geben: Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien dabei zu sein und erneut nach dem Titel zu greifen.
Die Aussichten sind gut: Die jetzigen Führungskräfte im Team, Philipp Lahm, Schweinsteiger, Lukas Podolski und Per Mertesacker, werden dann im besten Fußballeralter sein, Jungstars wie Manuel Neuer, Thomas Müller, Mesut Özil, Jérôme Boateng und Sami Khedira gereift.
Die Perspektiven für das kommende Weltturnier sind vielversprechend.
SPIEGEL ONLINE analysiert, in welchen Mannschaftsteilen das deutsche Team schon heute weltmeisterlich aufgestellt ist - und wo sich für eine erfolgreiche Zukunft noch etwas tun muss:
- 1. Teil: Mehr als ein Schlandfleck
- 2. Teil: Das Tor - besser geht es nicht
- 3. Teil: Die Abwehr - Probleme auf links, weltmeisterlich auf rechts
- 4. Teil: Das Mittelfeld - gut, aber noch nicht gut genug
- 5. Teil: Der Angriff - Klose und dann lange nichts
- 6. Teil: Das Trainer-Team - die Zukunft gehört Löw
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- Sonntag, 11.07.2010 – 00:33 Uhr
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live über die WM in Südafrika:
| Deutschlands WM-Bilanz | |
| 1930 | nicht teilgenommen |
| 1934 | Spiel um Platz drei (3:2 gegen Österreich) |
| 1938 | Achtelfinale (2:4 gegen Schweiz) |
| 1950 | nicht teilgenommen |
| 1954 | Weltmeister (3:2 gegen Ungarn) |
| 1958 | Spiel um Platz drei (3:6 gegen Frankreich) |
| 1962 | Viertelfinale (0:1 gegen Jugoslawien) |
| 1966 | Finale (2:4 n.V. gegen England ) |
| 1970 | Spiel um Platz drei (1:0 gegen Uruguay) |
| 1974 | Weltmeister (2:1 gegen Niederlande) |
| 1978 | 2. Gruppenphase |
| 1982 | Finale (1:3 gegen Italien) |
| 1986 | Finale (2:3 gegen Argentinien) |
| 1990 | Weltmeister (1:0 gegen Argentinien) |
| 1994 | Viertelfinale (1:2 gegen Bulgarien) |
| 1998 | Viertelfinale (0:3 gegen Kroatien) |
| 2002 | Finale (0:2 gegen Brasilien) |
| 2006 | Spiel um Platz drei (3:1 gegen Portugal) |
| 2010 | Spiel um Platz drei (3:2 gegen Uruguay) |
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