DFB-Affäre Neue Belege bringen ehemaligen WM-OK-Vizepräsidenten in Bedrängnis

Von einem Millionendarlehen an die deutschen WM-Planer habe er erst Ende 2004 erfahren, sagt Ex-DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt. Dem SPIEGEL liegen Unterlagen vor, die seiner Darstellung widersprechen.

Ex-DFB-Generalsekretär Schmidt: "Von Zahlung an Bin Hammam keine Kenntnis"
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Ex-DFB-Generalsekretär Schmidt: "Von Zahlung an Bin Hammam keine Kenntnis"


In der Sommermärchen-Affäre hat eine der Schlüsselfiguren offenbar Gedächtnislücken.

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Heft 7/2016
Sensationelle Signale: Das Universum erzählt sein Geheimnis

Bislang behauptete Horst R. Schmidt, Vizepräsident des deutschen Organisationskomitees für die Fußball-WM 2006 (WM-OK), er sei erst Ende 2004 über das dubiose 6,7-Millionen-Euro-Darlehen des Ex-Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an die deutschen WM-Planer informiert worden. Nun liegen Unterlagen aus der Reisestelle des DFB vor, die den Verdacht nahelegen, dass Schmidt die Unwahrheit gesagt hat. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Die neue Ausgabe finden Sie hier.)

Dabei handelt es sich um Flugbuchungen aus dem Herbst 2003 für Schmidt und den kurz zuvor berufenen Vizepräsidenten des WM-OK, Theo Zwanziger. Grund für die Reise nach Lugano soll ein Besuch bei Louis-Dreyfus gewesen sein, bei dem Schmidt und Zwanziger vergebens versuchten, den Milliardär zum Verzicht auf die Rückzahlung des Kredits zu bewegen. Kurze Zeit später bedankte sich Schmidt in einem Brief an Louis-Dreyfus für "das konstruktive Gespräch". Schmidt und Zwanziger haben als Zeitpunkt der Visite bei Louis-Dreyfus bislang das Frühjahr 2005 angegeben.

Auch handschriftliche Aufzeichnungen Schmidts aus dem März 2003 nähren Zweifel an seiner bisherigen Version. Dort hatte er unter anderem die Worte "Bin Hammam, WM-OK, 6,7-Millionen" notiert. Mohamed Bin Hammam, ehemals Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, steht im Verdacht, die 6,7 Millionen Euro empfangen und möglicherweise als Schmiergeld weiterverteilt zu haben.

Vom SPIEGEL zu dieser Notiz befragt, teilte Schmidt mit: "Von einer Zahlung an Bin Hammam habe ich bis heute keine Kenntnis. Von dem Vorgang 'Darlehen Dreyfus' hörte ich Ende 2004 erstmals."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 3 Beiträge
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Justitia 12.02.2016
1. Und was ist mit der Glaubwürdigkeit von Zwanziger?
Wieso erwähnt Spon eigentlich nicht, dass aufgrund dieser Info, sofern sie zutreffend sein sollte, genauso der Wahrheitsgehalt der bisherigen Darstellungen von Zwanziger in Frage gestellt werden? Nach meinem Kenntnisstand behauptete auch Zwanziger, zu diesem Zeitpunkt von den Zahlungen nichts gewusst zu haben.
Wolfgang Porcher 12.02.2016
2. was soll nur dieses Theater?
Fussball ist ein finanzielles Spektakel, da werden Spieler mit Millionen gehandelt, wer Geld hat der hat. Und dazu gehört auch das Topspektakel WM. Niemand wurde geschädigt, auch das Finanzamt nicht, denn wenn die WM woanders gewesen wäre hätte der Fiskus gar nichts gesehen. Fragen wir und also, um was geht es hier wirklich ihre Schlauen beim Spiegel, an wem soll gesägt werden, bitte schön?
wolleh 12.02.2016
3. Wer hat etwas davon,
wenn bewiesen werden kann, dass 2006 geschmiert wurde. Niemand. Jedem ist klar, dass geschmiert werden musste, um die Ausrichtung zu bekommen. Niemand wurde geschädigt. Im Gegenteil. Wir, die Zuschauer, waren die Gewinner. Stoßt Franz nicht vom Thron. Sorgt dafür, dass so etwas in der Zukunft nicht mehr notwendig wird.
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