DFB Sportgericht: Bewährung statt Kollektivstrafen

Der Deutsche Fußball-Bund hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und will in Zukunft mehr auf Prävention statt Repression setzen. Sowohl für Spieler als auch für Fans könnte es demnach eine Strafe auf Bewährung geben, die der Verband bereits erfolgreich getestet hat.

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Bayern-Profi Ribéry: Rote Karte wegen Tätlichkeit

Hamburg - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) plant weitreichende Änderungen seiner Sportgerichtsbarkeit. Statt kollektive Sanktionen auszusprechen, will der Verband in Zukunft die Chance auf Bewährung einräumen. Sowohl zur Strafe für das Fehlverhalten der Spieler als auch der Fans.

"Mit Beginn der neuen Legislaturperiode werden wir unsere Sanktionen mehr präventiv denn repressiv ausgestalten", sagte der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts Hans E. Lorenz der "Welt am Sonntag".

In den Fanblöcken wurde diese Rechtsprechung bereits in der vergangenen Rückrunde erfolgreich getestet, als die Anhänger von Eintracht Frankfurt nach dem Pyro-Eklat von Leverkusen im Januar eben nicht mit dem eigentlich fälligen Zuschauerausschluss bestraft, sondern "nur" unter besondere Beobachtung gestellt wurden.

"Diese Möglichkeit hatten wir bislang nicht. Und die hätte in dem einen oder anderen Fall unseren Entscheidungsspielraum sinnvoll erweitert", sagte Lorenz: "Wenn ich ein Stadion schließe, kann ich das dann erst mal auf Bewährung machen. Der erzieherische Wert, auch auf die Fans, ist ein viel größerer, als wenn ich das sofort durchziehe."

Bei Rotsündern würde die neue Regelung "bei kurzen Sperren nicht greifen", so Lorenz: "Aber möglicherweise in Fällen wie bei Paolo Guerrero, der wegen eines Fouls mal sieben Spiele gesperrt wurde. Da könnten dann drei davon zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Diskussion wird aktuell geführt."

Der DFB-Bundestag, für den diese Beschlüsse angekündigt wurden, findet im Oktober dieses Jahres in Nürnberg statt.

asi/sid

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Dirk Ahlbrecht 21.07.2013
Zitat von sysopDPADer Deutsche Fußball-Bund hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und will in Zukunft mehr auf Prävention statt Repression setzen. Sowohl für Spieler als auch für Fans könnte es demnach eine Strafe auf Bewährung geben, die der Verband bereits erfolgreich getestet hat. http://www.spiegel.de/sport/fussball/deutscher-fussball-bund-plant-bewaehrungsstrafen-a-912265.html
Den Satz des Vorsitzenden des DFB-Sportgerichts "Mit Beginn der neuen Legislaturperiode werden wir unsere Sanktionen mehr präventiv denn repressiv ausgestalten" ist der pure Neusprech. Denn Sanktionen kann ich gar nicht präventiv, also in Form einer vorausschauenden Problemvermeidung, einsetzen - nämlich weil der Sanktion ein vorheriges Fehlverhalten vorausgegangen sein muss. Denn was will ich sonst sanktionieren? Was Herr Lorenz den Leuten eigentlich verkaufen will ist dieses: Für einen möglichen Schlag ins Gesicht eines Gegenspielers oder auch fürs Zünden von Bengalos gibt es zukünftig zunächst einmal ein "DU, DU, DU" - wenn auch mit erhobenem Zeigefinger und strengem Blick. Und das wir die Leute ganz sicher beeindrucken.
2. Paulo Guerrero
Kekser 21.07.2013
wurde meiner Meinung nach viel zu kurz gesperrt. Bei seiner Aktion gegen Ulreich war grob unsportliches Verhalten und Vorsätzlichkeit nicht zu übersehen. Er nahm eine schwerwiegende Verletzung des Spielers in Kauf.
3. DFB-Gerichtsbarkeit
Blackjack51 21.07.2013
Das Interview in der Welt ist wirklich lesenswert ( http://www.welt.de/sport/fussball/article118231314/DFB-fuehrt-Bewaehrungsstrafe-fuer-Rot-Suender-ein.html ). Leider scheint demnach der DFB immer noch nicht gewillt zu sein, die grundlegenden Probleme in der Sportgerichtsbarkeit anpacken zu wollen. Dazu gehört insbesondere: 1) Eine unabhängige Sportgerichtsbarkeit, die nicht durch den DFB selber oder deren Kontrollausschuss (als dessen verlängerten Arm des DFB) manipulierbar ist, so wie wie Herr Lorenz es selber in dem Interview angedeutet hat. 2) Verschuldensunabhängige Sanktionen Wie Hr. Lorenz sagte, werden die Vereine deswegen bestraft, weil der DFB die echten Täter nicht ermitteln konnte, wollte oder diese mangels Mitgliedschaft nicht durch den DFB sanktioniert werden können. Sprich: Wenn ich keinen Täter habe, bestrafe ich halt irgendjemanden anderen. Und das sagt ein verbeamteter Richter am LG Mainz... 3) DFB, Grundgesetz und Demokratie Wenn ein Hr. Niersbach zu der Aussage kommt, daß ein Verband wie auch die FIFA nicht demokratisch geführt werden kann, dann müsste bei einem Richter in Deutschland, der einen Amtseid abgeleistet hat, alle Alarmglocken schellen. Er hätte dann darauf zu achten, daß es eben zu keinen verbandskonformen Manipulationen wie "positiven Platzstürmen" kommt. Aber so weit ist der Bundestag des DFB und damit die Sportgerichtsbarkeit des DFB noch nicht.
4. Bewährung ist doch Quatsch!
jaydeeblue 21.07.2013
Vielleicht fehlt es mir einfach an Phantasie, aber die hier genannten Bsp. sind doch für eine Bewährung einfach nicht geeignet! Wie lange sollte denn die besagte Bewährung bei einem Guerrero laufen & vor allem was wäre die Konsequenz bei weiteren Verstößen. Tätlichkeiten kommen ja wahrlich nicht jede Woche vor. Selbst bei einem Heißsporn wie Guerrero wären das vermutlich maximal alle 18 bis 24 Monate der Fall. Ergo müsste die "Bewährung" ja minimal drei, wenn nicht vier Jahre laufen. Und wie sähe dann eine Strafe aus? Sieben Spiele, davon vier auf Bewährung; ergo dann im Wiederholungsfalle mindestens 11 Spiele? Das ist doch Quatsch! Wenn man eine "alternative Strafe" für Spieler haben mächte, dann muss es an den Geldbeutel gehen. Ein Spiel = 1/12 des Jahresgehalts entsprechend 7 Spiele = 7/12 des Jahresgehalts. Wenn dann müsste die Alternative richtig weh tun! Bei Fanauschreitungen sollte man die Vereine einfach nur mal verpflichten die Verursacher in Regreß zu nehmen. Wenn die ersten Bengaloidioten in Privatinsolvenz sind, dann wird sich das mehr als schnell von alleine erledigen!
5. Fragwürdig Herr Lorenz
sgd1953 22.07.2013
Den Wiederholungstäter Frankfurt hat man den fälligen Zuschauerausschluss erspart, sondern die fans nur unter besondere Beobachtung gestellt. Wenige wochen später wirft er persönlich Dresden aus dem DFB Pokal. Kann mir einer dieser Logik erklären???
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Die Alpenrepublik war zuletzt der Lieblingsgegner des DFB, seit knapp 25 Jahren hat Deutschland keine Partie mehr gegen Österreich verloren. Darunter waren vier Gastspiele in Wien. Von den insgesamt 36 Duellen sind aber zwei unrühmlich in Erinnerung geblieben: Die "Schmach von Cordoba" 1978 und die "Schande von Gijón" 1982. Österreich spielt um die achte WM-Teilnahme - seit 1998 blieb nur die Zuschauerrolle.

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Färöer-Inseln
Fußball ist auf der Inselgruppe im Nordatlantik angesagt wie kaum ein anderer Sport - aber auf schwachem Niveau. Bei nicht einmal 50.000 Einwohnern hat der irische Nationaltrainer Brian Kerr nicht viele personelle Alternativen. So bleiben Achtungserfolge des Weltranglisten-112. Ausnahmeerscheinungen. Die einzigen beiden Spiele gegen die deutsche Nationalmannschaft waren derartige: Im Rahmen der EM-Qualifikation 2004 tat sich das Team des damaligen Teamchefs Rudi Völler sowohl beim 2:0 auswärts als auch beim 2:1 daheim schwer. Eine Überraschung gelang den Färöern im Juni 2010 mit einem 2:0 über Estland.

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Kasachstan
Seit 1994 ist Kasachstan Mitglied der Fifa und wartet seither auf die Teilnahme an einem großen Turnier. Das Land liegt zu 90 Prozent in Asien. Deutschland hat eine makellose Bilanz gegen den Fußball-Zwerg - das Löw-Team gewann beide Duelle in der Qualifikation zur EM 2012 (3:0, 4:0). Der Auftritt in der Hauptstadt Astana bedeutet wieder Reisestrapazen samt rund fünfeinhalb Flugstunden für die DFB-Auswahl. Namhafte Spieler hat das Land nicht zu bieten, bis auf wenige Ausnahmen - etwa Heinrich Schmidtgal, der in der 2. Bundesliga für die SpVgg Greuther Fürth aufläuft.

Bilanz gegen Deutschland: 0 Siege, 0 Unentschieden, 4 Niederlagen; 1:13 Tore.

Höchste DFB-Siege in der EM-Qualifikation
Datum Gegner Ergebnis
06.09.2006 San Marino 13:0
28.02.1976 Malta 8:0
27.02.1980 Malta 8:0
08.04.1967 Albanien 6:0
02.06.2007 San Marino 6:0
07.09.2010 Aserbaidschan 6:1
08.10.1995 Moldawien 6:1
04.06.1999 Moldawien 6:1
17.10.1979 Wales 5:1
26.10.1983 Türkei 5:1