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Mögliche Niersbach-Nachfolger: Duell in der zweiten Reihe

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Bis zur Europameisterschaft soll ein neuer DFB-Präsident her. Drei Kandidaten haben bereits abgesagt. Alles läuft nun auf ein Duell zwischen Interimschef Koch und Schatzmeister Grindel hinaus. Wer hat die besseren Chancen?

Theoretisch könnte der Übergang ein Jahr lang dauern. Erst Anfang November 2016 steht der nächste ordentliche Bundestag des DFB an, wo ein Nachfolger von Wolfgang Niersbach gewählt werden könnte. Doch DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat bereits erklärt, dass spätestens im Sommer ein neuer Präsident her muss.

Gemeinsam mit Liga-Boss Reinhard Rauball führt Koch seit Montagabend die Geschäfte. Die beiden galten zunächst auch als Favoriten auf die Nachfolge von Niersbach. Doch Rauball sagte der "Bild"-Zeitung, er wolle nicht kandidieren: "Das Amt des DFB-Präsidenten ist nicht in meiner Lebensplanung vorgesehen. Ich möchte Präsident von Borussia Dortmund bleiben und im August 2016 erneut für das Amt des Liga-Präsidenten kandidieren", so Rauball.

Damit läuft es auf ein Duell zwischen Koch und dem DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel hinaus. Beide sind bislang Funktionäre der zweiten Reihe. Die Krise des Deutschen Fußball-Bundes bietet ihnen die Gelegenheit, es ganz nach oben zu schaffen.

DFB-Vizepräsident Rainer Koch Zur Großansicht
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DFB-Vizepräsident Rainer Koch

Rainer Koch steht zum ersten Mal im Rampenlicht. Bislang wirkte der 56-jährige Funktionär eher im Hintergrund, er war zuständig für Rechts- und Satzungsfragen. Kochs Vorteil: In der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 gilt er als unbelastet, weil er erst 2007 ins Präsidium rückte.

Der gebürtige Kieler war Schiedsrichter und Jugendtrainer, übernahm 2004 den bayerischen Fußballverband und 2011 den Süddeutschen Verband. Profiliert hat er sich als Chef des DFB-Sportgerichts, dort arbeitete er unter anderem den Manipulationsskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer auf.

Der Richter des Oberlandesgerichts München hat sich als Stimme der Amateure profiliert. Er gilt aber als nicht sonderlich beliebt bei den Vertretern der Profiligen. Außerdem könnte ihm für das Präsidentenamt der letzte Ehrgeiz fehlen, glauben Insider.

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DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel

Dieses Problem hat Reinhard Grindel nicht. Der Politiker, der seit 2002 für die CDU im Bundestag sitzt, gilt als sehr ambitioniert und sehr selbstbewusst. Außerdem ist er seit 2011 Anti-Korruptionsbeauftrager des DFB, was in der aktuellen Affäre kein Nachteil sein dürfte.

Allerdings ist Grindel bislang im Verband kaum verwurzelt. Erst seit 2013 gehört er dem DFB-Präsidium an. Auch öffentlich fiel der Bundestags-Hinterbänkler bislang kaum auf.

Kritik brachte ihm seine Doppelfunktion als DFB-Schatzmeister und stellvertretender Chef des Bundestags-Sportausschusses ein. Beides wurde er im selben Jahr. Der Grünen-Politiker Özcan Mutlu spricht von einer "höchst problematischen" Ämtersammlung. Schließlich sei der Sportausschuss auch dazu da, die Affäre um die WM-Vergabe aufzuklären. Und Grindel müsse entweder Fragen stellen oder welche beantworten. Doch beides tue er nicht, kritisiert Mutlu.

Neben Rauball haben auch Heribert Bruchhagen und Oliver Bierhoff bereits abgesagt. "Ich komme nicht infrage, weil ich bei Eintracht Frankfurt Vorstandsvorsitzender bin", sagte Bruchhagen dem Hessischen Rundfunk. Auch Bierhoff sagte: "Das Präsidentenamt ist kein Thema für mich." Er müsse die Nationalmannschaft auf die EM in Frankreich vorbereiten und sich darüber hinaus auf die Akademie des DFB konzentrieren, so Bierhoff.

Video: Niersbach - "Absolut sauber und gewissenhaft gearbeitet"

REUTERS

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Schwer, sich da zu entscheiden.
Goldschwund 10.11.2015
Beides gleichermaßen große und charismatische Persönlichkeiten, die den Fußball in Deutschland über Jahre geprägt haben. Ich möchte die Wahl nicht treffen wollen.
2. Falsch gedacht
Bueckstueck 10.11.2015
Zu Rainer Koch: "Außerdem könnte ihm für das Präsidentenamt der letzte Ehrgeiz fehlen, glauben Insider." Tja, solche Insider braucht man aber nicht, denn sie sind offenkundig Teil des Problems im Funktionärswesen. Man will keinen mit Ehrgeiz! Man will eigentlich einen der es der Sache wegen tun will und nicht aus eigene Ehrgeiz...
3. Nun,...
MrWitzig 10.11.2015
...zumindest ist Koch auf dem Foto besser getroffen als Grindel. Das allein schon könnte im Unterbewußtsein über Sympathie oder eben nicht entscheiden, ein Schelm, der....usw.
4. Alternative
Mondaugen 10.11.2015
Wieso läuft alles auf ein Duell zwischen Koch und Grindel hinaus? Gibt es keine Alternativen, ist die Wahl also mal wieder "alternativlos"? Persönlichkeiten ohne zu enge Beziehung zum bisherigen DFB-Funktionärsclan könnten erfrischend wirken, siehe (man möge mir den unpassenden Vergleich verzeihen) Papst Franziskus. Grindel wirkt in Auftreten und Vita wie ein Wiedergänger der CDU-Ehrgeizlinge Althaus oder Mappus: Hauptsache ist die eigene Karriere, Aufklärung der DFB-Machenschaften erwarte ich da nicht. Koch wirkt wenig inspirierend, aber vielleicht braucht es ja mehr Nüchternheit. Warum dann nicht eine über alle Grenzen und Lager anerkannte Führungspersönlichkeit wie Ottmar Hitzfeld?
5. Trotz aller Beherrschung...
ich_bin_der_martin 10.11.2015
Ihr könnt ablenken, wie Ihr wollt. Dem Armen werdet Ihr mit noch soviel Brot und Spiele und mit noch mehr Menschlichkeit, die Verlustangst nicht nehmen. Immer war es so, das sich Minderbemittelte das Vorhandene teilen mußten. Mehr Teiler ergeben ein kleineres Ergebnis... Wir können nur noch das eigene Leben geben, dieses wird jedoch so teuer wie möglich...
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