Deutschland contra Niederlande Mach mal Platz

Der dicke Brocken wartet am Schluss: Das Länderspiel-Jahr geht für die deutsche Nationalmannschaft mit einem Duell gegen die Niederlande zu Ende. Bei der Partie geht es um weit mehr als nur ums Prestige. Einige Spieler der DFB-Elf kämpfen um die letzten EM-Plätze.

Nationalspieler Aogo: Heimspiel mit der DFB-Elf in Hamburg
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Nationalspieler Aogo: Heimspiel mit der DFB-Elf in Hamburg


Testspiel. Das klingt schon so unwichtig. Als sei das Ergebnis solcher Partien zweitrangig, als stünden bloß irgendwelche Experimente an erster Stelle. Gegen einen Gegner wie die Ukraine mag das so sein. Nicht aber, wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf die Niederlande trifft. Das ist nie unwichtig, sondern ein Prestigeduell. Der wichtigste Test des Jahres, wenn man so will.

Das Spiel gegen Oranje in Hamburg (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist aber nicht nur wegen der viel beschriebenen Rivalität zwischen beiden Nationen ein besonderes. Für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) geht es auch darum, ein fast perfektes Länderspiel-Jahr positiv abzuschließen. Für die deutschen Nationalspieler ist es 2011 die letzte Möglichkeit, sich im DFB-Dress nachhaltig für einen Platz im Kader für die Europameisterschaft im kommenden Sommer zu empfehlen. Und mit einem Sieg würde die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw erneut beweisen, dass sie die Großen schlagen kann.

Zudem würde ein Erfolg wunderbar zum Jubiläum des 51-Jährigen passen, für den es das 75. Spiel als Bundestrainer ist - selbst wenn der nichts davon wissen will. "Es ist für mich das Schönste auf der Welt, Bundestrainer zu sein. Aber mit dem Jubiläum beschäftige ich mich nicht. Das sagt mir gar nichts. Unser Augenmerk gilt alleine der Vorbereitung auf die Euro. Denn wir wollen unbedingt den ersten Titel seit der EM 1996 holen", sagt Löw.

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Deutsch-niederländische Duelle: Schwalbenflug und Spuck-Attacke
Dass die DFB-Elf bei der Mission Titelgewinn auf einem guten Weg ist, zeigte sie 2011 mehrfach. Die EM-Qualifikation beendete sie mit einer makellosen Bilanz, holte zehn Siege in zehn Spielen. Außerdem widerlegte die Nationalmannschaft mehrfach den früher häufig geäußerten Vorwurf, sie könne nicht gegen die vermeintlich großen Nationen gewinnen. Gegen Brasilien und den WM-Vierten Uruguay gelang dem Löw-Team jeweils ein Sieg, gegen Italien stand am Ende ein 1:1. Ein Erfolg über Vizeweltmeister Niederlande würde das Länderspiel-Jahr 2011 abrunden.

Für einige Spieler ist es auch die letzte Chance in diesem Jahr, positiv im Nationalmannschafts-Trikot auf sich aufmerksam zu machen, bevor sich Löw über die Feiertage im Dezember in Ruhe Gedanken um sein Team für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine (9. Juni bis 1. Juli 2012) macht. Viele Plätze im 23er-Kader sind schon fast sicher vergeben, aber es gibt Fragezeichen. Von der Elf, die gegen die Niederlande aufläuft, muss sich vor allem Linksverteidiger Dennis Aogo (HSV) bei seinem Heimspiel in der Hamburger Arena nachhaltig empfehlen, was ihm im Verein bislang kaum gelungen ist.

Aogo ist nicht der einzige Wackelkandidat. Auf der Bank warten Lars Bender, Simon Rolfes (beide Bayer Leverkusen), Marco Reus (Borussia Mönchengladbach) und Christian Träsch (VfL Wolfsburg) - Spieler, die auf einen Platz im EM-Kader hoffen, sich aber nicht sicher sein können. André Schürrle hingegen ist wohl kommenden Sommer dabei. Daher dürfte es der Offensivspieler von Bayer Leverkusen verschmerzen können, dass er mit einem grippalen Infekt ausfällt.

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DFB-Gegner Niederlande: Die Hoffnungen ruhen auf dem "Hunter"
Im Gegensatz zum Spiel in der Ukraine steht wieder Manuel Neuer anstelle von Ron-Robert Zieler im Tor. Davor verteidigen Benedikt Höwedes (rechts), Per Mertesacker, Holger Badstuber und Aogo. Das Experiment mit der Dreierkette ist damit beendet.

Dafür probiert Löw gegen Oranje etwas anderes aus: Er lässt erstmals mit zwei Sturmspitzen spielen, Mario Gomez und Miroslav Klose dürfen gemeinsam beginnen. Weil der Bundestrainer dafür einen Mittelfeldspieler weniger aufbieten kann, wird nur Sami Khedira im defensiven Mittelfeld auflaufen. In der Offensive bilden Thomas Müller (rechts), Mesut Özil (zentral) und Lukas Podolski die bewährte Dreierreihe.

Bei den Niederländern fehlen mit Rafael van der Vaart und Robin van Persie zwei Stars. Dennoch versprechen Namen wie Wesley Sneijder, Ryan Babel, Klaas-Jan Huntelaar und Dirk Kuijt ansehnlichen Offensivfußball. Für die Defensivspieler Joris Mathijsen, Nigel de Jong und Khalid Boulahrouz wird die Partie eine Rückkehr an ihre einstige Wirkungsstätte, sie liefen früher für den HSV auf.

Oranje-Kapitän Mark van Bommel sagte vor der Begegnung: "Freundschaftsspiele gibt es heute nicht mehr, erst recht nicht gegen Deutschland. Da spielen viele Emotionen mit." Das Ergebnis ist daher alles andere als zweitrangig.

Die voraussichtlichen Aufstellungen
Deutschland:
Neuer - Höwedes, Mertesacker, Badstuber, Aogo - Khedira - Müller, Özil, Podolski - Gomez, Klose
Niederlande: Stekelenburg - van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, Braafheid - van Bommel, Strootman - Kuijt, Sneijder, Babel - Huntelaar
Schiedsrichter: Cakir (Türkei)

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
spargel_tarzan 15.11.2011
1. aogo in der start11...
da kann ich vermutlich vor lachen das spiel nicht sehen. gomez werde ich wohl noch erkennen, das ist dann der der immer im abseits steht und hofft, daß eine flanke seinen kopf trifft, damit der ball ist tor abtropft. der abend könnte spannend werden, könnte.
Haio Forler 15.11.2011
2. .
Zitat von sysopDer dicke Brocken*wartet am*Schluss: Das Länderspieljahr geht für die deutsche*Nationalmannschaft*mit einem Duell gegen die Niederlande zu Ende.*Bei der Partie*geht es um weit mehr als nur ums Prestige. Einige Spieler der*DFB-Elf*kämpfen um die*letzten EM-Plätze. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,797996,00.html
0:0
Alias_aka_InCognito 15.11.2011
3. Träsch
Ich denke wir können uns alle einig sein, dass Träsch kein gewinnbringender Spieler für die Mannschaft ist. An der Aussenlinie braucht man ein richtig schnellen Mann, der im 1 gegen 1 meistens seine Gegenspieler stehen lässt und so Druck auf der rechten Seite erzeugen kann. Bei Träsch kann man nur beobachten, dass er den Ball annimmt (immerhin!) und dann provokant vor seinem Gegenspieler stehen bleibt, als ob er gerade dazu ansetzt, ihn vorzuführen. Aber dann sieht man nur einen Rückpass zurück zur Mitte. Und wenn er mal einen freien Laufweg hat, dann zieht er nicht richtung Tor und sucht den Abschluss, sondern schlägt eine Flanke die keinen erreicht und absolut berechenbar ist für die Gegenspieler. Ich denke Träsch ist kein adäquater Ersatz für Thomas Müller.
nariu 15.11.2011
4. Gute Nachbarn
'Die "Duelle" Holland-Deutschland sind nicht mehr so brisant, weil die holländische Gesellschaft langsam von ihrem psychisch völlig verbohrten Deutschenhass, den kleine Kinder schon eingebläut bekamen, abrückt. Wird ein interssantes Spiel.' Ich persönlich finde wir können uns keine besseren Nachbarn wünschen aber... HAUT DEN KÄSKÖPPEN DIE BUDE VOLL! (wenn nicht heut, dann bei der EM)
dwhm 15.11.2011
5. Vilen Dank
Zitat von spargel_tarzanda kann ich vermutlich vor lachen das spiel nicht sehen. gomez werde ich wohl noch erkennen, das ist dann der der immer im abseits steht und hofft, daß eine flanke seinen kopf trifft, damit der ball ist tor abtropft. der abend könnte spannend werden, könnte.
für ihren äusserst konstruktiven Beitrag. Da schreibt ein wahrer Kenner der Materie. Da können wir uns nur glücklich schätzen Sie hier beim Spiegel begrüssen zu dürfen. Ich nehme ja mal stark an dass Sie beim Forum der Bild gesperrt wurden und ihnen dann ein Bekannter den Tip mit dem Spiegel gegeben hat.....
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