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Fußball-WM in Brasilien: Klose rettet deutsches Unentschieden gegen Ghana

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Deutsches Remis gegen Ghana: Kampf bis aufs Blut Fotos
REUTERS

Was für eine packende Partie - in der zweiten Hälfte: Deutschland lag gegen Ghana zurück, der eingewechselte Miroslav Klose rettete dem Team von Bundestrainer Löw das Unentschieden. Kurz vor Schluss hatte der Stürmer sogar den Siegtreffer auf dem Fuß.

SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Zwei Teams, die bedingungslos nach vorne spielten, vier Treffer und ein Rekord - viel mehr kann eine WM-Partie eigentlich nicht bieten. Doch die Begegnung zwischen Deutschland und Ghana war eine Halbzeit lang enttäuschend, beinahe langweilig. Dann folgte eine spektakuläre zweite Hälfte, am Ende stand es 2:2 (0:0).

Mario Götze brachte die Deutschen zunächst in Führung (51. Minute), André Ayew (54.) und Asamoah Gyan (63.) drehten die Partie zwischenzeitlich für Ghana. Joker Miroslav Klose besorgte in der 71. Minute nicht nur den Ausgleich zum Endstand, der 36-Jährige stellte zudem mit seinem insgesamt 15. WM-Treffer den Torrekord des Brasilianers Ronaldo ein.

"Es war ein offener Schlagabtausch. Ein irrsinniges Tempo. Die Spieler haben alles gegeben und sich völlig verausgabt", sagte Bundestrainer Joachim Löw: "Für uns hat sich die Ausgangsposition nicht entscheidend verändert. Wir wollen das nächste Spiel gewinnen und Tabellenführer bleiben." Mit nun vier Punkten hat Deutschland weiter gute Chancen auf das Achtelfinale, Ghana muss auf Schützenhilfe von Portugal gegen die USA hoffen (Montag, 0 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Löw setzte auf die gleiche Startelf wie beim 4:0 gegen Portugal. Auch der angeschlagene Mats Hummels konnte spielen. Bei Ghana, das nach der 1:2-Pleite gegen die USA unter Druck stand, begann der Schalker Kevin-Prince Boateng. Außerdem tauschte Coach Kwesi Appiah seinen Torwart aus, überraschend durfte Fatawu Dauda auflaufen.

Ghana probiert es vorzugsweise aus der Distanz

Wer eine erneute Gala des DFB-Teams erwartet hatte, wurde enttäuscht. Insgesamt fehlten in der ersten Hälfte bis auf wenige Ausnahmen Tempo, Kreativität und Sicherheit im Spielaufbau. Ob es an den hohen Temperaturen um 30 Grad Celsius lag?

Ghana jedenfalls präsentierte sich deutlich stärker als gegen die USA und bereitete Deutschland große Probleme. Auch die besseren Chancen hatten die Afrikaner: In der siebten Minute schoss Gyan aus aussichtsreicher Position weit daneben. Christian Atsu hatte die Möglichkeit vorbereitet - mit ihm hatte die deutsche Defensive, besonders Linksverteidiger Benedikt Höwedes, die größten Schwierigkeiten. Danach war Ghana vor allem aus der Distanz gefährlich. DFB-Keeper Manuel Neuer wehrte Fernschüsse von Atsu (13.) und Sulley Muntari (33.) ab.

Deutschland wurde nur selten gefährlich - und fast ausschließlich mit dem gleichen Muster. Flache Hereingabe in die Mitte, doch dort war ein DFB-Akteur von mindestens vier Gegenspielern umzingelt (21./30./36.). Dazu ein harmloser Distanzschuss von Sami Khedira in der 18. Minute und ein Versuch von Götze 20 Minuten später von der Strafraumkante, der direkt auf Dauda kam - alles jedoch bestenfalls nur Halbchancen.

Löws Doppelwechsel führt zum Ausgleich

Umso überraschender fiel in der 51. Minute der Führungstreffer für Deutschland. Erstmals wurde schnell umgeschaltet, Ghana stand nicht so dicht gestaffelt wie sonst, Müller flankte mustergültig auf den einlaufenden Götze. Der 22-Jährige köpfte sich selbst aufs Knie, von dort ging der Ball ins Tor. "Es war etwas glücklich, dass mein Kopfball reingegangen ist", gab Götze später zu.

Quasi im Gegenzug gelang den Ghanaern der Ausgleich: Atsu flankte aus dem Halbfeld in die Mitte, dort setzte sich der nur 1,76 Meter große André Ayew gegen die deutschen Verteidiger durch und köpfte das 1:1. Der in der Halbzeit für Jérôme Boateng (muskuläre Probleme) eingewechselte Shkodran Mustafi sah dabei besonders unglücklich aus.

Knapp zehn Minuten später geschah der nächste schwere Fehler - allerdings von einem der gewöhnlich sichersten Deutschen: Philipp Lahm. Der Kapitän spielte in der Vorwärtsbewegung einen Fehlpass, Muntari schickte Gyan, der frei vor Neuer sicher in die lange Ecke traf (63.). Danach wurde Ghana noch stärker, drängte auf das dritte Tor - oft über die linke Seite, auf der Mustafi defensiv überfordert wirkte.

Bundestrainer Löw brachte Klose und Bastian Schweinsteiger für Götze und Khedira. Ein Wechsel, der sich schon nach wenigen Sekunden auszahlte. In der 71. Minute trat Kroos eine Ecke von der linken Seite, Höwedes verlängerte und Klose grätschte den Ball zum 2:2 über die Linie. Schweinsteiger hatte den Eckstoß herausgeholt.

Die folgende Schlussphase war sehr intensiv, beide Teams wollten den Sieg. Dabei hatte Schweinsteiger die nächste Chance, als er nach einem erneuten Eckball über das Tor köpfte (73.). In der 84. Minute passte Kroos steil auf Müller, der jedoch zögerte und so noch gestört werden konnte. Auch Ghana blieb gefährlich, der für Kevin-Prince Boateng eingewechselte Jordan Ayew prüfte Neuer aus der Distanz (88.). Kurz vor Schluss verpasste Klose den alleinigen WM-Torrekord, als er aus 14 Metern links vorbeischoss.

Sekunden vor dem Schlusspfiff stießen Müller und Ghanas John Boye mit den Köpfen zusammen, beide blieben liegen. Müller erlitt eine Platzwunde.

Deutschland - Ghana 2:2 (0:0)
1:0 Götze (51.)
1:1 André Ayew (54.)
1:2 Gyan (63.)
2:2 Klose (71.)
Deutschland: Neuer - Boateng (46. Mustafi), Hummels, Mertesacker, Höwedes - Lahm, Khedira (69. Schweinsteiger) - Özil, Kroos, Götze (69. Klose) - Müller
Ghana: Dauda - Afful, Mensah, Boye, Asamoah - Rabiu (78. Badu), Muntari - Atsu (72. Wakasu), Boateng (53. Jordan Ayew), André Ayew - Gyan
Schiedsrichter: Sandro Ricci (Brasilien)
Zuschauer (in Fortaleza): 60.000
Gelbe Karten: / - Muntari (2)
Ballbesitz (in Prozent): 62 / 38
Schüsse: 12 / 19
Zweikämpfe (in Prozent): 53 / 47

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insgesamt 57 Beiträge
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1.
willi_der_letzte 21.06.2014
Zitat von sysopREUTERS http://www.spiegel.de/sport/fussball/deutschland-gegen-ghana-unentschieden-bei-wm-in-brasilien-a-976662.html
Gegen unterirdisch schlechte Portugiesen Grundlos hochgejubelt. Gegen halbwegs gute Ghanaer so durchgeduselt. Wie gut sind sie nun wirklich? Mit dem bisher gebotenen kommen sie jedenfalls nicht weit. Wenn man sich mehrfach vom gegnerischen Strafraum bis vor den eigenen zurückdrängen lässt ohne das der Gegner ein mal den Ball berührt ist was faul.
2. Glück gehabt
patricka1 21.06.2014
Es ist festzustellen, dass es keine einzige übermannschaft bei diesem Turnier gibt. Vielleicht schreibt die Presse die Mannschaft in Zukunft nicht so hoch, war ja klar, dass es dann so kommt.
3. Die Realität
noelkenproettel 21.06.2014
Wurde Jogis Jungens heute aufgezeigt. Nicht vor der Überlegenheit gegen 10 Portugiesen, so sieht die wirklichkeit aus meine Herren. Wenn man sich das Spiel anschaut fragt sich der Leihe warum Leute wie Özil dabei sein dürfen, eine Pleite auf ganze Linie..... Viel Spass wenn richtige Manschaften kommen......
4. Taktik völlig falsch
vio26 21.06.2014
gerade weil die klimatischen Bedingungen so waren hätte ein aggressives forward pressing mit einem frühen Treffer deutliche Kraftersparnis gebracht. Dieser Schlafwagenfussball mit Tici-Taca Geschiebe war völlig destruktiv. Müller als einzig penetrierende Spitze war bei 2-3 Gegenspielern völlig berechenbar. Traurig -aber erwartete Desilliusionierung. Jetzt noch eine Niederlage gegen die USA, 2 Erfolge von Portugal und Tschüss Die Häme für Spanien und England wird allen im Hals steckenbleiben. Löw - der Maaschterplan ist taktisch, faktisch falsch im Ghana Spiel
5.
theodorzaloschnik 21.06.2014
Klose hat wieder gezeigt, daß er gebraucht wird. Und das nicht nur, weil er einer der wenigen Fußballer ist, der sich nicht die Arme zu tätowiert hat. Klose ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil für die deutsche Nationalmannschaft und das mit 36 (!!!) Jahren. Er arbeitet, macht und tut auf dem Feld und das ohne Eskapaden außerhalb des Platzes. Sehr sympathisch.
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2014 Brasilien Deutschland
2010 Südafrika Spanien
2006 Deutschland Italien
2002 Japan und Südkorea Brasilien
1998 Frankreich Frankreich
1994 USA Brasilien
1990 Italien Deutschland
1986 Mexiko Argentinien
1982 Spanien Italien
1978 Argentinien Argentinien
1974 Deutschland Deutschland
1970 Mexiko Brasilien
1966 England England
1962 Chile Brasilien
1958 Schweden Brasilien
1954 Schweiz Deutschland
1950 Brasilien Uruguay
1938 Frankreich Italien
1934 Italien Italien
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