Nationalspieler Draxler So jung, so gut - so wenige Einsätze

Julian Draxler ist eines der größten Talente im deutschen Fußball. Doch in der Nationalmannschaft hat der Schalker den Durchbruch noch nicht geschafft. Womöglich braucht der 21-Jährige eine Luftveränderung.

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Aus Gelsenkirchen berichtet


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Am Dienstag wird Julian Draxler mal wieder einen Rekord aufstellen. Wenn der Nationalspieler im EM-Qualifikationsspiel in Gelsenkirchen gegen Irland (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL) zum Einsatz kommt, wird er der jüngste Schalker sein, der je im heimischen Stadion ein Länderspiel bestritten hat. Mit 21 Jahren und 24 Tagen unterbietet er die bisherige Marke von Olaf Thon aus dem Jahr 1987.

Solche Rekorde ist Draxler gewohnt. Er hat seit seinem Bundesligadebüt 2011 viele davon gebrochen. Er war jüngster DFB-Pokalsieger, jüngster Schalker Bundesligaspieler, jüngster deutscher Torschütze in der Champions League, jüngster Spieler mit 100 Liga-Einsätzen, gar schon einmal jüngster DFB-Kapitän.

Wer nur diese Aufzählung liest, müsste denken, Draxler sei der neue Superstar des deutschen Fußballs; einer, der jetzt schon alle anderen Talente in den Schatten stellt; der größte Trumpf, den der DFB in der Hand hält. Tatsächlich ist Julian Draxler in der Nationalmannschaft bisher nur eine Nebenfigur.

Fast so schnell wie Reus, fast so trickreich wie Özil

14 Länderspiele hat der Schalker absolviert, man kann nicht behaupten, dass ein Auftritt dabei war, der nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Meist ist er als Einwechselspieler in die Partie gekommen, mit wenig Zeit und Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Seinen bisher einzigen Treffer im DFB-Dress hat er passenderweise auf der sportlich unbedeutenden Amerikareise im vergangenen Sommer erzielt.

Draxlers Problem ist: Er hat zu viel Konkurrenz. Draxler ist annähernd so dynamisch wie André Schürrle, er ist annähernd so schnell wie Marco Reus, annähernd so ausgebufft wie Thomas Müller, annähernd so trickreich wie Mesut Özil, annähernd so torgefährlich wie Mario Götze, annähernd so schussstark wie Lukas Podolski - alle die Genannten jedoch haben ihren Wert für die Nationalelf bereits nachdrücklich unter Beweis gestellt.

Sie haben wichtige Tore geschossen, sind in den wichtigen Spielen zum Einsatz gekommen. All das haben sie Draxler voraus. Das ist weniger eine Frage des Alters als der Gelegenheit: Götze hat Deutschland zum WM-Sieg geschossen, da war er gerade 22 geworden. Schürrle gab die Vorlage dazu und ist auch erst 23 Jahre alt.

Draxler hat diese Chance bisher nicht gehabt, und manche sagen, es liege auch daran, dass er immer noch und bisher ausschließlich für den FC Schalke spielt. Schürrle ist inzwischen beim FC Chelsea gelandet, Müller und Götze spielen beim FC Bayern, Özil ist über Real Madrid zum FC Arsenal gekommen. Es sind die ersten Adressen in Europa.

Im Mittelpunkt von Transferspekulationen

Draxler dagegen ist mit den Schalkern über ein Champions-League-Viertelfinale nicht hinausgekommen. Er hat als Erfolg mit dem Verein lediglich einen DFB-Pokalsieg vorzuweisen, und was der neue Trainer Roberto Di Matteo aus dem Team macht, ist offen. Draxler ist auf Schalke nicht nur irgendein Star, er ist vermutlich der wichtigste Spieler in der Offensive neben dem Niederländer Klaas-Jan Huntelaar. Aber viele haben derzeit das Gefühl: Er stagniert. Als bräuchte der junge Mann einen neuen Impuls. Das kann der neue Trainer sein, es kann aber auch ein neuer Verein sein.

Nicht dass es in der Vergangenheit an Gelegenheiten gemangelt hätte. Vor allem die englischen Premium-Vereine sollen mehrfach energisch bei Draxler angeklopft haben. Selbst der ewige Rivale Borussia Dortmund hat ihn 2013 schon einmal angefragt, worauf Draxler "höflich und dankend" abgelehnt habe. Bei Twitter tauchten im Frühjahr fast im Stundentakt neue Spekulationen um die Zukunft des Jungstars auf.

Bisher ist er den Königsblauen treu geblieben, im Vorjahr verlängerte er seinen Vertrag auf Schalke demonstrativ bis 2018. Die Wechselgerüchte hat er damit nicht stoppen können. Noch hat er auf dem Transfermarkt den Weltmeister-Bonus, auch wenn er in Brasilien nur ein paar Turnierminuten aus dem Halbfinale vorzuweisen hat. Arsenal wird derzeit mal wieder als Interessent genannt. In der englischen Presse war sogar schon die Ablösesumme zu lesen, die die Londoner zu zahlen gewillt sein sollen: 47 Millionen Euro.

"Ich fühle mich sehr wohl derzeit, ich bin in dieser Saison viel besser drauf als im Vorjahr", hat Draxler am Montag vor der Presse gesagt. Am Dienstag wäre die Möglichkeit da, das auch mal allen zu zeigen.

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Seite 1
hirlix 13.10.2014
1.
Obwohl er Schalker ist, muss ich sagen, dass ich seine Treue zum Verein gut finde und auch denke, dass ein Wechsel zu einem sehr starken Club zwar viele Chancen birgt, aber genauso gut auch sehr schief gehen kann. Man sehe sich mal Holtby an, der war auch mal nen Talent und ist in England zu nem Mittelklassespieler verkommen. Wahrscheinlich hat Draxler in Schalke mehr Chancen sich noch zu beweisen und ein richtiger Führungsspieler zu werden.
nescius 13.10.2014
2. genau richtig
guter Tipp. Auf Schalke wird er nix reissen und Schalke mit ihm nicht. Sorry, aber dazu fehlt einfach die Qualität des Kaders. Und wenn man sich selbst schon den Weg zu einer besseren Mannschaft verbaut.....es muss ja auch nicht unbedingt die sein. Aber der Weitblick für solche Entscheidungen sollte schon da sein. Denke, dass er von einem Wechsel zu einer Spitzenmannschaft profitieren kann als bei der Trümmertruppe und Vorstand.
moebiuz1980 13.10.2014
3. Draxler kein Superstar
47 Mio. Euro für Draxler? Draxler der verkannte Star? Aus meiner Sicht zeigt er bei Schalke nur Ansätze und ist bisher nur punktuell als Talent aufgefallen. Max Meyer, der Hunter und auch, wenn er fit ist, Farfan, sind bestimmt nicht schlechter als Draxler - und das bei einer mittelmäßigen Mannschaft wie S04. Sofern Schalke den für das Geld verkaufen kann, sollten sie sofort zuschlagen...Spieler wie Kramer, Kruse & Co. sind bestimmt nicht viel schlechter und deutlich günstiger! Wenn alle deutschen Spieler fit sind hat es Draxler schwer, überhaupt unter die Top 20 zu kommen. Götze und Reus spielen da in einer ganz anderen Liga
laberbacke08/15 13.10.2014
4. bleibt zu hoffen
das er aus Namen wie Podolski, Rau, Schlaudraff etc. gelernt hat und nicht denselben Fehler wie sie begeht. Arsenal, Spurs Athletico das waere was fuer ihn und wuerde ihn weiterbringen.
J.M.Mierscheid 13.10.2014
5.
Was soll eigentlich diese Stammtischthese, dass junge, gute Spieler immer zu den vermeintlich großen der Branche wechseln MÜSSEN, um besser zu werden und weil sie angeblich nur dort groß werden können? Es ließen sich sicherlich mehr Beispiele dafür finden, dass gute und talentierte Spieler nach einem Wechsel in ihrer Entwicklung stagniert haben oder sogar schlechter wurden. Diese Behauptung ist eine von den unzähligen Fußballweisheiten, die auch nicht dadurch richtiger wird, wenn jeder 2. Sportjournalist meint sie möglichst häufig erwähnen zu müssen. Draxler hat sicherlich Talent. In der ersten Saison (10/11), die Saison in der er bekannter wurde, hat er sein Können aufblitzen lassen. Darauf folgte eine eher durchwachsende Saison und darauf eine richtig gute, wo man meinte, dass Draxler endlich seinen Durchbruch geschafft haben könnte. Die letzte Sasion dürfte seine bisher schwächste Saison gewesen sein. Betrachtet man seine Leistungen insgesamt, dann ist Draxler über den Status des vielversprechenden Talent s noch nicht hinausgewachsen.
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