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Pressestimmen zum DFB-Sieg: "Himmel von München über Italien eingestürzt"

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Italiens Torhüter Gianluigi Buffon

"Ohne Stolz und Würde", "eine Demütigung", "ein Desaster": Italiens Medien gehen nach der 1:4-Pleite gegen Deutschland hart mit der Nationalmannschaft ins Gericht. Pressestimmen im Überblick.

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Deutscher Weckruf. Italien im Test in München von Deutschland überrollt. Die heftige Niederlage lässt für die EM die Alarmglocken schrillen. Italien tut sich weh, Europa ist weit weg. Der Himmel von München scheint über Italien eingestürzt zu sein. 90 Albtraum-Minuten, Test gescheitert. Die Wahrheit ist, dass Italien und Deutschland Teams aus verschiedenen Kategorien zu sein scheinen - oder sogar sind?"

Corriere dello Sport: "Deutschkurs für ein Italien ohne Stolz und Würde. Conte macht alles falsch. Italien im Dunkeln. Die Nationalelf hält dem Aufeinandertreffen mit dem Weltmeister nicht stand. Ein Albtraum, die Deutschen fertigen uns mit vier Toren ab. Antonio Conte wollte einen Test, der die Wahrheit bringt, und er hat ihn bekommen."

Tuttosport: "Totales Desaster. Deutschland triumphiert 4:1. Harte Niederlage für Italien. Conte, was für eine Demütigung. Italien überrollt von Deutschland. Zu viel Deutschland, ein düsteres Italien. Der Weltmeister erteilt Italien eine Fußball-Lektion."

La Repubblica: "Italien ist nicht wiederzuerkennen, Deutschland dominiert. Die schlechteste Partie in der Amtszeit von Conte wenige Monate vor der EM. Die Demütigung in der Allianz Arena ist noch ein bisschen härter als die, die Juve sich bereits abgeholt hat."

Corriere della Sera: "Finsteres Italien. Dunkel und ohne Sterne ist die Nacht in der Allianz Arena. Oder besser gesagt, die Sterne sind alle deutsch. Die Deutschen verwandeln die Pfiffe von Berlin in Applaus, Italien hingegen landet jäh wieder auf dem Boden. Die härteste Niederlage in der Ära Conte. Auch das schlimmste Spiel. Nach der großen Hoffnung nun die große Angst. So kommt man nicht weit."

Die Einzelkritik der deutschen Mannschaft:

Marc-André ter Stegen, Tor: Der Keeper des FC Barcelona agierte wie ein Seiltänzer im Zirkus: ter Stegen ließ sich immer wieder in Zweikämpfe mit den heranstürmenden Angreifern der Azzurri verwickeln. Der Keeper verursachte mit seinen Waghals-Aktionen zwar keine Gegentore - Ruhe und Sicherheit verlieh er seiner Abwehr damit allerdings auch nicht.

Antonio Rüdiger, Abwehr: Der Italien-Legionär vom AS Rom zeigte, dass er viel Potenzial, aber auch noch viel Lernbedarf hat. Sucht zu häufig und dadurch oft zu übermotiviert Zweikämpfe, die er besser mit klugem Stellungsspiel hätte umgehen können. Im Spielaufbau fehlt ihm noch die technische Finesse, um sich gegen ein intensives Gegner-Pressing vernünftig zur Wehr zu setzen. Fälschte vor dem 1:4 den Ball noch entscheidend ab.

Shkodran Mustafi, Abwehr: Agierte diesmal als eine Art Libero. Mustafi positionierte sich zwischen den beiden Innenverteidigern und sorgte so oft für eine Überzahl und erhöhte Sicherheit in der eigenen Abwehr. Zudem beteiligte er sich häufig am Spielaufbau und machte das recht gekonnt.

Mats Hummels, Abwehr: Spielte klar, ruhig, mit sehr viel Übersicht. Hatte nur dann Probleme mit dem italienischen Angriff, wenn er die Fehler von Rüdiger beheben musste. Aber selbst das gelang Hummels, der nach Müllers Auswechslung Kapitän war, ziemlich gut.

Sebastian Rudy, Mittelfeld: Hatte zu viele technische Fehler in seinem Spiel, verlor dadurch zu häufig einfache Bälle. Auf höchstem Niveau wird ihm das nicht so leicht verziehen wie gegen diese schwache italienische Mannschaft. Bewies allerdings auch großen Mut, als er mit seinem beherzten Vorstoß in den gegnerischen Strafraum den Elfmeter zum 4:0 herausholte.

Mesut Özil, Mittelfeld: War präsenter als im Spiel gegen die englische Mannschaft und initiierte durch einen Pass auf Müller auch die 2:0-Führung. Verwandelte zudem seinen Elfmeter in der 75. Minute zum 4:0 absolut nervenstark und sicher. Hatte zwischendurch aber immer noch zu viele Momente, in denen er abtauchte und sich nicht mehr am Spiel beteiligte.

Toni Kroos, Mittelfeld (bis 90. Minute): Wie im Spiel gegen die englische Nationalmannschaft sorgte Kroos auch gegen die Azzurri mit einem präzisen Schuss für die 1:0-Führung (24.). Der Madrid-Profi schob den Ball diesmal allerdings mit seinem rechten Innenrist aus rund 18 Metern flach ins Tor. Leitete mit guter Übersicht auch viele weitere Angriffe des DFB-Teams ein, baute allerdings zum Ende der Partie wieder zu stark ab.

Christoph Kramer, Mittelfeld (ab 90. Minute, Archivbild): Wurde spät für Kroos eingewechselt und durfte sich letztlich nur noch über den Sieg freuen.

Jonas Hector, Mittelfeld (bis 85. Minute): Wirkte konzentrierter und gefestigter als im Spiel gegen das englische Team. Die Angreifer der italienischen Nationalmannschaft liefen ihn aber auch nur selten an, gaben Hector so mehr Zeit für den Spielbau. Der Profi des 1. FC Köln hatte sogar so viel Platz, dass er in der 60. Minute völlig überraschend im gegnerischen Strafraum auftauchen und mit einem Schuss in die lange Torecke das 3:0 und seinen ersten Treffer im DFB-Dress erzielen konnte.

Matthias Ginter, Mittelfeld (ab 85. Minute, Archivbild): Kam spät für Hector und hatte keine Möglichkeit mehr, um sich auszuzeichnen.

Julian Draxler, Mittelfeld (bis 85. Minute): Bekam eine Startelf-Chance und machte seine Sache nicht so schlecht: Er lieferte eine sehr gute Hereingabe, die Götze nur äußerst knapp verpasste (30.) und versuchte mit seiner Geschwindigkeit oft die gegnerische Mannschaft unter Druck zu setzen. In der 60. Minute gelang das so gut, dass er den freien Hector mustergültig zum 3:0 bedienen konnte. Einzige Kritik: Draxler hätte noch häufiger den eigenen Abschluss suchen müssen, statt vor dem Strafraum quer zu spielen.

Kevin Volland, Mittelfeld (ab 85. Minute, Archivbild): Kam für Draxler und somit zu seinem sechsten Länderspiel.

Thomas Müller, Mittelfeld (bis 69. Minute): Müller lief zum ersten Mal in seiner Karriere als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft auf. Und das auch noch in seinem „Wohnzimmer“, dem Stadion des FC Bayern München. Beides schien den Ur-Bayer ordentlich beflügelt zu haben, denn Müller zeigte ein herausragendes Spiel und war beinahe an jeder entscheidenden Spielsituation beteiligt: Seine flache Hereingabe, die allerdings noch vom Gegner abgefälscht wurde, sorgte für die 1:0-Führung (24.). Kurz vor dem Pausenpfiff bediente er dann auch noch Mario Götze mustergültig, der das 2:0 erzielte. Durfte nach 69 Minuten das Spielfeld verlassen.

Emre Can, Mittelfeld (ab 69. Minute, Archivbild): Wurde für Müller eingewechselt und musste diesmal nicht auf der ungeliebten rechten Abwehrseite ran, sondern durfte auf seiner Stammposition im defensiven Mittelfeld spielen. Auch wenn Can nur wenige Aktionen hatte, wirkte er in der Zentrale deutlich sicherer als sonst auf der rechten Abwehrseite.

Mario Götze, Angriff (bis 61. Minute): Durfte nach monatelanger Verletzungspause und Nicht-Beachtung von Josep Guardiola endlich mal wieder ein Fußballspiel von Beginn an bestreiten. Und Götze zeigte, warum er immer noch das Prädikat „Weltklassetalent“ trägt: Der kleine Dribbler suchte immer wieder die Eins-gegen-eins-Situationen, auch wenn er noch zu häufig am Gegner hängen blieb. Götze bot sich seinen Mitspielern an, lief oft in die richtigen Schnittstellen der Abwehr, sorgte immer wieder für Verwirrung bei seinen Gegenspielern. Der Weltmeistertorschütze belohnte sich kurz vor der Halbzeitpause dann auch für seinen Einsatz und erzielte unter großer Bedrängnis per Kopf das 2:0. Starke Partie! Götze hat die Chance genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen und durfte ausgepowert nach 61. Minuten duschen gehen.

Marco Reus, Angriff (ab 61. Minute): Kam für Götze, lief viel, konnte aber keine wirklichen Akzente mehr setzen.

Die Einzelkritik der Italiener:

Gianluigi Buffon, Tor: Es war das 157. Länderspiel der Juventus-Legende - einen Ehrenplatz wird es nicht bekommen. Buffon hatte wenig Gelegenheit, sich auszuzeichnen und durfte viermal den Ball aus dem Netz holen. Buffon wird die Münchner Arena 2016 nicht gut in Erinnerung behalten, immerhin schied er hier mit Juventus aus der Champions League aus. Dass er auch noch einen Elfmeter verschuldete, passte zu diesem Abend. Vielleicht war es ja sein letztes Spiel in München. Der Mann ist allerdings erst 38 Jahre alt. Dino Zoff lächelt darüber.

Matteo Darmian, Abwehr: Der United-Verteidiger kennt das in dieser Saison, wenn die gegnerischen Sturmreihen Angriff auf Angriff aufs eigene Tor fahren. Der 26-Jährige hatte dem wenig entgegenzusetzen. Auch nach vorn ging nicht viel.

Leonardo Bonucci, Abwehr (bis 61. Minute): Der Routinier in der Deckung hatte alle Hände voll zu tun, seine Abwehrreihe zusammenzuhalten. Und man kann auch nicht behaupten, dass ihm das immer gelungen ist. Der Juventus-Verteidiger gab der Defensive wenig Struktur. Nach dem dritten Gegentor wurde er verletzt ausgewechselt.

Andrea Ranocchia, Abwehr (ab 61. Minute): Der Verteidiger von Sampdoria Genua ersetzte Bonucci nach dem 0:3. Kein schöner Spielstand, um eingewechselt zu werden. Zumindest konnte er nachher mit Fug und Recht behaupten, dass er nicht die Hauptschuld an der Pleite hatte.

Francesco Acerbi, Abwehr: Zum ersten Mal durfte der Abwehrspieler von Sassuolo in der A-Elf ran. Er hätte sich bessere Debüts wünschen können. Von den Nebenleuten gab es wenig Unterstützung, Acerbi wirkte in manchen Situationen deutlich überfordert.

Thiago Motta, Mittelfeld (bis 68. Minute): Der Mann von PSG hat so viel internationale Erfahrung, von ihm hätte man erwarten müssen, diese junge Mannschaft zu führen. Aber das passierte nur in einzelnen Momenten, wenn er seine Zweikampfstärke ausspielen konnte. Ansonsten war er zwar oft am Ball, lief auch viel, aber auch Motta kann viel mehr. Auch er entging nicht der Auswechselorgie seines Trainers.

Marco Parolo, Mittelfeld (ab 68. Minute, Archivbild): Kam für Motta aufs Feld und durfte ebenfalls 20 Minuten lang das Debakel in Grenzen halten.

Riccardo Montolivo, Mittelfeld: Der Mailänder mit den deutschen Wurzeln wollte wohl den Landsleuten seiner Mutter nicht wehtun. Von ihm gingen besonders in der ersten Halbzeit wenige Akzente aus. Montolivo hat man in der Nationalelf schon viel stärker erlebt. Immerhin hatte er nach der Pause die erste echte Torchance für sein Team. Ohnehin in der zweiten Hälfte leicht verbessert.

Alessandro Florenzi, Mittelfeld (bis 61. Minute): Der Römer im Mittelfeld hatte, wie so viele seiner Teamkollegen, keinen guten Tag erwischt. In seinem Zeugnis stand zumindest: Er hat sich bemüht. Aber die Rolle, die Stürmer mit Zuspielen zu füttern und gleichzeitig die Defensivlöcher zu schließen, konnte er nicht ausfüllen. Nach dem 0:3 war für ihn Schluss.

Lorenzo De Silvestri, Abwehr (ab 61. Minute): Der Abwehrspieler kam für Florenzi nach einer Stunde. Das Spiel war da bereits gelaufen. De Silvestri sollte noch Schlimmeres verhüten. Das ist ihm so halbwegs gelungen.

Emanuele Giaccherini, Mittelfeld (bis 69. Minute): Auf der linken Offensivseite noch derjenige, der das meiste versuchte, um das Spiel anzukurbeln. Er verstrickte sich dabei allerdings viel zu oft in Dribblingsversuchen und Einzelaktionen und half damit seiner Mannschaft auch nicht viel weiter. In der zweiten Hälfte ausgetauscht wie fünf seiner Mitspieler.

Stephan El Shaarawy, Angriff (ab 69. Minute): Kam für die letzten 20 Minuten und mühte sich. Das ist mehr, als man für einige seiner Mitspieler behaupten konnte. Belohnte sich mit dem, was man im Fußballsprech so gern Ehrentor nennt.

Federico Bernardeschi, Angriff: Beim AC Florenz einer der Shootingstars der Saison, beim Länderspiel in München tauchte er ab. Offenbarte zudem in der Rückwärtsbewegung Schwächen, nach vorn entwickelte er keinen Zug. Eine schwache Partie, aber für wen in der italienischen Elf galt das nicht?

Simone Zaza, Angriff (bis 78. Minute): Der Stürmer von Juventus Turin biss sich immer wieder an der deutschen Abwehr fest, gegen Mats Hummels bekam er keinen Stich. Komplett harmlos, zudem mehrfach ungenau im Abspiel. Die letzte Viertelstunde durfte er endlich zusehen.

Luca Antonelli, Abwehr (ab 78. Minute): War lange einer der wenigen im Kader, der noch von sich sagen konnte, ich war nicht dabei beim 0:4. Aber dann schickte ihn Conte auch noch aufs Feld.

Lorenzo Insigne, Angriff (bis 68. Minute): Der kleine Angreifer vom SSC Neapel hatte gegen Spanien noch mit einem Torerfolg geglänzt, gegen die deutsche Abwehr gab es auch für ihn kein Durchkommen. Blass, ohne Kreativität, mit leichten Ballverlusten. Er passte sich der schwachen Leistung seiner Kollegen an. Auch ihn holte der Trainer vorzeitig vom Feld.

Stefano Okaka, Angriff (ab 68. Minute): Kam für Insigne ins Spiel - und wenig überraschend konnte auch Okaka der Partie keine Wende mehr geben.

cte/dpa

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