DFB-Routinier Schweinsteiger: Löws schlapper Leader

Aus Charkiw berichtet

Es ist das Duell der Giganten: Die EM-Partie Deutschland gegen die Niederlande verspricht Hochspannung. Joachim Löw stehen alle Spieler zur Verfügung, dennoch hat der Bundestrainer ein Problem - Bastian Schweinsteiger. Der Anführer im Mittelfeld ist immer noch auf der Suche nach seiner Form.

DPA

Die Partie ist noch nicht gespielt, aber sie hat jetzt schon das Zeug zum Klassiker. Das Duell Deutschland gegen die Niederlande, der Weltranglistendritte gegen den Weltranglistenvierten, Mark van Bommel gegen seinen Ex-Kumpel Bastian Schweinsteiger, Arjen Robben gegen seinen Vereinskollegen Philipp Lahm, dazu die beiden Ersten der Bundesliga-Torschützenliste im Vergleich: Mario Gomez und Klaas-Jan Huntelaar, falls der Schalker bei Holland denn spielt.

Die DFB-Elf gegen Oranje: Mehr geht nicht bei einer Europameisterschafts-Vorrunde. Und das auch noch im Glutofen von Charkiw, wo selbst zur Anstoßzeit am Mittwochabend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) noch fast 30 Grad Celsius erwartet werden. Und was für eine Ausgangssituation schon am zweiten Vorrundenspieltag: Die Niederländer müssen nach ihrer Auftaktpleite gegen Dänemark unbedingt punkten, das Duell aus ihrer Sicht möglichst gewinnen. Für Oranje ist es praktisch ein K.o.-Spiel. Es könnte eine Auseinandersetzung werden, die in eine Reihe passt mit den legendären Treffen beider Nationen von 1974, 1988 und 1990.

Seit 2004 sind sich die alten Rivalen bei großen Turnieren aus dem Weg gegangen. Damals war es der Vorrundenauftakt der EM in Portugal, und für Bastian Schweinsteiger war das 1:1 von Porto das erste Turnierspiel in der Nationalmannschaft überhaupt. Der Münchner wurde damals in der zweiten Hälfte für Bernd Schneider eingewechselt, es war ohnehin erst sein zweiter Einsatz fürs DFB-Team. Mittlerweile sind 89 Länderspiele hinzugekommen, Schweinsteiger gehört zu den Routiniers der Mannschaft - aber derzeit nicht zu den Leistungsträgern.

Schweinsteiger sorgte gegen Portugal für die Ballverluste

In der ersten EM-Partie gegen Portugal war es Schweinsteiger, der das deutsche Spiel verlangsamte, der einfache Bälle wegschenkte, der dem Gegner dadurch schnelle Vorstöße ermöglichte - all das, was Bundestrainer Joachim Löw bei seiner Mannschaft auf keinen Fall sehen möchte. Trotzdem wird der 27-Jährige auch am Mittwoch in der Startelf stehen. Noch glaubt Löw an seinen Führungsspieler, setzt darauf, dass der Mittelfeldmann seine Form wiederfindet, der er jetzt schon ein gutes halbes Jahr hinterherläuft.

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Zweites DFB-Gruppenspiel: Schweinsteiger auf Formsuche
"Natürlich weiß ich, dass ich schon mal besser gespielt habe als im Moment", sagt Schweinsteiger. Er ist selbstkritisch genug für eine realistische Analyse. Um im nächsten Moment anzufügen: "Ich weiß aber auch, dass ich noch zu meiner Top-Form kommen werde." Allerdings räumt er ein: "Wann, weiß ich noch nicht genau."

Kampfansage von Schweinsteiger Richtung Holland

An mangelnder Spielpraxis kann es nicht liegen. Das ist auch dem Bundestrainer klar. Er weist regelmäßig darauf hin, dass der Münchner bereits beide Finals des FC Bayern im Mai durchgespielt habe, dass er in der Endphase der Meisterschaft dabei war. Schweinsteiger musste sich zwar auf der Pressekonferenz am Dienstag die geradezu mitfühlende Journalistenfrage "Herr Schweinsteiger, wie geht es Ihnen?" gefallen lassen. Aber er selbst blockt jeden Verdacht auf mangelnde Fitness ab: "Mir geht es gut, ich bin gesund und voll da."

Verbal stimmt das auch. Einen Tag vor dem Duell der EM-Favoriten schickte er schon einmal Kampfansagen an den niederländischen Gegner. Er sei überzeugt, dass "wir das Spiel gewinnen", so Schweinsteiger. Die Niederlande hätten "vielleicht die besseren Einzelspieler, aber letztlich gewinnt die bessere Mannschaft". Er musste nicht extra betonen, welches Team er damit meint.

Es sei "nicht einfach gewesen, nach all den Verletzungen in der Saison wieder an die Top-Leistung heranzukommen", sagt Schweinsteiger. Und man möchte hinzufügen, dass er es bis heute nicht geschafft hat. Der Leader des Teams, der er beim WM-Turnier 2010 war, ist er noch lange nicht. Gegen Portugal musste ihn Nebenmann Sami Khedira durch die Partie tragen, die Löcher stopfen, die sich neben ihm auftaten.

Schweinsteiger setzt auf die Zeit, um Form und Rhythmus zu finden: "Das kommt noch mit den Spielen." Das behauptet er allerdings schon seit längerem. Und dann sagt er noch einen Satz, der möglicherweise mehr darüber verrät, wie es um seinen Gemütszustand steht: "Ich stelle mich in den Dienst der Mannschaft. Mir ist es auch recht, wenn die Mannschaft gewinnt und ich dabei nicht so gut gespielt habe." So wie gegen Portugal.

Die voraussichtlichen Aufstellungen
Niederlande:
Stekelenburg - van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, Willems - van Bommel, N. de Jong - Robben, Sneijder, Afellay - van Persie
Deutschland: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - T. Müller, Özil, Podolski - Gomez
Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)

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insgesamt 77 Beiträge
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1. Dt. Wort für Leader
paretooptimal 13.06.2012
Dieser Ausdruck "Leader" geht mir so langsam auf die Nuss. Nennt ihn doch einfach Chef, Leiter oder Mannschaftsführer, aber sind Worte mit dem Begriff "Führer" rechtes Gedankengut?
2. Gibt es nicht etwas BESCHEIDENER ?!
spejismo 13.06.2012
Zitat von sysopDPAEs ist das Duell der Giganten: Die EM-Partie Deutschland gegen die Niederlande verspricht Hochspannung. Joachim Löw stehen alle Spieler zur Verfügung, dennoch hat der Bundestrainer ein Problem - Bastian Schweinsteiger. Der Anführer im Mittelfeld ist immer noch auf der Suche nach seiner Form. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,838518,00.html
[QUOTE=sysop;10354866]Es ist das Duell der Giganten. DAS DUELL DER GIGANTEN: Deutschland - Niederlande.
3. Form
Nonvaio01 13.06.2012
bekommt man nur durch spiel praxis. Ausserdem wer sonst soll es denn machen?
4. Die Entwicklung abschliessen
Alias_aka_InCognito 13.06.2012
Das Löw Barcelona und Spanien als Vorbild hat, ist schön und gut und man kann einverstanden sein damit. Dann muss er aber endlich mal auch die letzte Entwicklungsstufe abschliessen und keine echte Spitze bzw. keinen Mittelstürmer aufstellen, der als Dreh- und Angelpunkt fungiert. Der Vorteil wäre, dass die gegnerische Abwehr nicht mehr an genau diesem Punkt ansetzen kann, um gut verteidigen zu können. Ihnen fehlt quasi die Angriffsfläche und es muss schon eine intelligente Abwehr oder eine engmaschige Abwehr mit zwei Viererketten auflaufen, um die auch geistig schwierige Aufgabe zu bewältigen, ein diffuses, aber sehr torgefährliches Mittelfeld am Tore schiessen zu hindern. Die Leute haben wir, die so ein Spiel aufziehen könnten. Und in der Jugendarbeit können wir noch mehr solcher Talente fördern. Die Spanier und Barcelona sind gerade deswegen sehr erfolgreich in den letzten Jahren gewesen. Und auch schon in früheren Turnieren waren uns andere Gegner überlegen, weil sie in ihrem Spielsystem morderner waren und keine statischen, stämmigen Stürmer hatten, der unbeding hoch und quer angespielt werden wollten. Darauf sollte man jetzt endgültig verzichten. Früher DFB-Spiele erinnerten eher an einen Torwarttraining, bei dem er hohe Bälle zu fangen hatte.
5. na ich bin ja mal gespannt...
andydevine 13.06.2012
... wie lange Löw an den formschwachen Bayern festhält. Ich wünsche ihm den nötigen Mut, um Reus, Schmelzer, Götze und Klose zu bringen und bitte nicht erst in der 80 min.
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