DFB-Remis gegen Paraguay Abwehrlöcher noch und nöcher

Schon wieder drei Gegentreffer: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft offenbarte im Testspiel gegen Paraguay erneut Abwehrschwächen. Die Defensive wird zehn Monate vor der WM zum Problemfall. An den man sich eventuell sogar gewöhnen muss.

Aus Kaiserslautern berichtet


Abwehrlöcher, falsche Zuordnungen, fehlende Abstimmungen in der Defensive, Laufwege, die nicht funktionierten - aber den Bundestrainer sorgte dies alles wenig. Nach dem 3:3 gegen Paraguay, bei dem die deutsche Auswahl haarsträubende Defizite in der Verteidigung offenbarte, sagte Joachim Löw lediglich: "In den nächsten Spielen werden wir das alles verbessern und stabiler auftreten." Und die vielen Gegentore in den vergangenen Spielen? "Das wird nicht so weitergehen." Punkt.

Die Zuversicht Löws in Ehren, Zweifel sind nach der Vorstellung von Kaiserslautern dennoch statthaft. Schließlich stand gegen die wackeren, aber keineswegs überragenden Südamerikaner die potentielle WM-Abwehr auf dem Platz. Wobei vor allem die Innenverteidigung aus Mats Hummels und Per Mertesacker einen besorgniserregenden Zustand offenbarte.

Beide ließen sich bei den Gegentreffern in der ersten Hälfte düpieren, daran konnte auch der Bundestrainer nichts schönreden. "Elementare Fehler" seien da gemacht worden, "im taktischen Bereich haben wir uns mehrfach einfach falsch verhalten", sezierte er vor allem die Situation vor dem 0:1, als Hummels sich von einem langen Ball aus dem Mittelfeld überraschen ließ. "Die Situation hätte man frühzeitig erkennen können", analysierte Löw, zwar ohne Namen zu nennen, aber deutlich in Richtung des Dortmunder Abwehrchefs.

Schweinsteigers ordnende Hand wurde vermisst

Fotostrecke

15  Bilder
DFB-Team vs. Paraguay: Chaos-Start und Aufholjagd
Auch vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld offenbarten sich heftige Turbulenzen. Sami Khedira und Ilkay Gündogan, später Lars Bender wussten kämpferisch durchaus zu gefallen, dem Team die nötige defensive Balance zu verleihen, vermochten auch sie allerdings nicht. Es fehlte, und man traut sich dies angesichts der Diskussionen der vergangenen Wochen kaum zu schreiben, es fehlte der Gleichgewichtsgeber, es fehlte Bastian Schweinsteiger.

Dass die Elf die Partie dennoch nicht verlor, lag daran, dass sie es immerhin versteht, ihre Mängel in der Abwehr durch eine nimmermüde Offensive zu kompensieren. Ilkay Gündogan, Thomas Müller und Lars Bender konterten die Treffer der Gäste. Darüber hinaus hatte die Mannschaft noch zahlreiche weitere Torgelegenheiten, die aber "teilweise fahrlässig" vertan wurden.

Der Abend von Kaiserslautern war denn auch ein Spiegelbild des Zustandes, in dem sich die DFB-Auswahl zehn Monate vor dem WM-Turnier befindet. Derzeit scheint es so, dass die Abteilung Angriff zahlreiche Tore vorlegen muss, um gegen die Abwehrschwächen anarbeiten zu müssen. Und selbst drei erzielte Treffer sind dann keine Garantie für einen Erfolg, wie das Spiel gezeigt hat. Es müssten eigentlich vier, fünf, sechs Treffer sein, um einigermaßen beruhigt agieren zu können.

Dass dies kein Zustand sein kann, mit dem man ein WM-Turnier erfolgreich bestreitet, das ist auch dem Bundestrainer bewusst. Entsprechend gebetsmühlenartig wiederholt er seine Aufforderung an die Mannschaft, die Defensivaufgaben konzentriert und ernst anzunehmen, wobei sich dieser Appell dezidiert auch an die Offensivkräfte richtet. "Die Gegentore sind die Konsequenz der Fehler, die wir gemeinsam machen", sagt Stürmer Miroslav Klose, "letztlich bin ich als Angreifer der erste im Defensivverbund."

Auf dem Platz wird Spektakel erwartet

Das klingt gut, scheint aber bisher nur begrenzt umgesetzt. Spieler wie Marco Reus, wie André Schürrle oder Mesut Özil, auch Mario Götze sind nicht für die Defensive erschaffen worden. Wenn sie auf dem Platz sind, dann erwartet man zu Recht Spektakel, diese Spieler laufen los Richtung gegnerisches Tor, sie wollen sich durchkombinieren bis ganz nach vorne, das ist ihre besondere Qualität. "Uns immer wieder Chancen zu erspielen, das ist das, was dieses Team kann."

Die Offensive hat Deutschland in den vergangenen Jahren viel Bewunderung eingebracht, sie hat Deutschland zu einem der modernsten und attraktivsten Teams im Weltfußball werden lassen - und dagegen steht eine Abwehr mit einem starken Philipp Lahm, aber mit Nebenleuten, die ihre Schwächen haben. Ein Per Mertesacker, auch das zeigte der Mittwoch, wird mit den Jahren nicht unbedingt besser, Mats Hummels hat in der Nationalmannschaft immer auch seine Tiefen gehabt. Marcel Schmelzer, neben Lahm der zweite Außenverteidiger, ist ein guter, aber kein international außergewöhnlich guter Abwehrspieler. Möglicherweise kann man von dieser Deckungsreihe einfach nicht erwarten, dass sie jedes Spiel zu null bestreitet.

Die Schokoladenseite der Nationalmannschaft ist die Vorwärtsbewegung. Niemand würde das bestreiten, niemand würde das auch ändern wollen. In der Defensive geht es dagegen im Hinblick auf 2014 vor allem um Stabilisierung. Man kann es auch härter sagen: Es geht um Schadensbegrenzung.

Deutschland - Paraguay 3:3 (2:3)
0:1 Nunez (9.)
0:2 Pittoni (13.)
1:2 Gündogan (18.)
2:2 Müller (31.)
2:3 Samudio (45.+1)
3:3 Lars Bender (75.)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker (ab 46. Boateng), Hummels, Schmelzer (ab 81. Jansen) - Khedira, Gündogan (ab 27. Lars Bender) - Müller (ab 81. Schürrle), Özil, Reus (ab 62. Podolski) - Klose (ab 54. Gomez)
Paraguay: Villar (ab 46. Fernandez) - Candia, da Silva, Aguilar, Samudio (ab 54. Melgarejo) - Ayala, Pittoni (ab 62. Romero), Ortiz, Fabbro (ab 62. Rojas) - Nunez (ab 46. Riveros), Santa Cruz (ab 81. Sanabria)
Schiedsrichter: Ivan Bebek (Kroatien)
Zuschauer: 47.522 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lars Bender - da Silva, Ayala, Romero



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 205 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spiegelleser99 15.08.2013
1. niemals...
wird die nationalmannschaft unter dem luschi löw einen titel gewinnen!
hirlix 15.08.2013
2. optional
Hummels scheint im Moment allgemein ein Formtief zu haben, in der letzten Saison hat er sich ja auch in der BVB Defensive weit mehr Patzer geleistet als Subotic, da war man bei manch einem Spiel fast froh, als Santana ihn mal vertreten musste....
hjanko 15.08.2013
3. Zum jetztigen Zeitpunkt? Egal
Hallo, dieses Jahr bis zur WM ist sowas wie eine Generalprobe, da ist es besser das die Fehler jetzt aufgezeigt werden. Und ein so komplexes System, wie es die deutsche N11, zu spielen braucht mehr als 2 Tage und die Anweisung "Ihr spielt jetzt soundso". Zur WM hat Löw wie lange Zeit? Mehr als 4 Wochen! Da sieht dann das ganze Spiel ganz anders aus.
charlsgrill 15.08.2013
4. wenn ich als ösi, einem fußballentwicklungsland etwas sagen darf:
macht jupp heynckes zum bundestrainer und ihr werdet weltmeister.
Andr.e 15.08.2013
5.
Zitat von sysopAFPSchon wieder drei Gegentreffer: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft offenbarte im Testspiel gegen Paraguay erneut Abwehrschwächen. Die Defensive wird zehn Monate vor der WM zum Problemfall. An den man sich eventuell sogar gewöhnen muss. http://www.spiegel.de/sport/fussball/deutschland-gegen-paraguay-nationalmannschaft-mit-schwacher-abwehr-a-916673.html
Kahn so: "Ich denke, das wird eine klare Sache - 4 : 1." Ich finde das 3 : 3 gegen Paraguay interessanter als das bedeutungslose 4 : 4 gegen die Schweden. Muss man sich doch Sorgen machen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.