Drei Thesen zum Länderspiel gegen Peru Die Zukunft hat begonnen

Joachim Löw wird vorgeworfen, er würde den Umbruch beim DFB nur halbherzig vorantreiben. Der knappe Sieg gegen Peru hat gezeigt: Die Nationalelf ist mittendrin - und der Bundestrainer hat einen Plan.

Julian Brandt, Kai Havertz, Timo Werner und Nico Schulz (v.l.)
DPA

Julian Brandt, Kai Havertz, Timo Werner und Nico Schulz (v.l.)

Von und


1. Der Umbruch ist in vollem Gange

Schwache Chancenverwertung und ein einfaches Gegentor nach einem Konter: Viele Zuschauer fühlten sich beim 2:1 (1:1)-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Peru an die Auftritte der DFB-Elf beim historischen WM-Vorrundenaus in Russland erinnert. Der Eindruck nährte die Kritik, Bundestrainer Joachim Löw habe den angekündigten Umbruch bislang nicht vollzogen.

Das ist eine falsche Wahrnehmung. Gegen Peru standen zwar auch wieder erfahrene Spieler wie Marco Reus, Jérôme Boateng oder Toni Kroos in der Startelf. Aber eben auch neue Gesichter, die in den kommenden Jahren wahrscheinlich eine prägende Rolle in der Nationalmannschaft spielen werden: Niklas Süle, Julian Brandt und Timo Werner sind solche Kandidaten - Joshua Kimmich sowieso. Viele Kritiker übersehen den Umbruch, weil er nicht plötzlich kommt, sondern schleichend. Das neue System, das Löw in den Spielen gegen Frankreich und Peru installierte, ist nur der offensichtlichste Schritt.

Mit Thilo Kehrer und Kai Havertz wurden gegen Peru die Löw-Debütanten Nummer 98 und 99 eingewechselt - und auch Julian Draxler und Antonio Rüdiger haben ihren Zenit noch nicht erreicht. Das Durchschnittsalter der deutschen Spieler, die bei Abpfiff auf dem Platz standen, betrug 24,6 Jahre. Damit war die Elf im Schnitt zweieinhalb Jahre jünger als der WM-Kader. Das zeigt: Der Umbruch, wenn es denn einen geben muss, ist in vollem Gange. Auch wenn manche das vielleicht nicht wahrhaben wollen.

Fotostrecke

17  Bilder
Deutschland in der Einzelkritik: Brandt, Löws gefährlichste Offensiv-Waffe

2. Das neue System bringt Stabilität

Bei 167 Länderspielen stand Löw als Bundestrainer an der Seitenlinie. Diesen Wert hat vor ihm nur der legendäre Sepp Herberger erreicht. Nach dem frühen WM-Aus stand die Frage im Raum, ob Löw der Richtige für einen Neuanfang sei. Nach den ersten Tests wird deutlich: Er hat seine Schlüsse aus den Niederlagen gezogen und sein System von 4-2-3-1 auf 4-1-4-1 umgestellt. In Russland ließ er noch mit zwei bei Ballbesitz offensiv denkenden Sechsern spielen, die es mit der defensiven Absicherung nicht so genau nahmen. Die Umstellung auf nur einen Abräumer vor der Abwehr macht Sinn: Löw hat den spiel- und zweikampfstarken Kimmich in die Zentrale beordert, der den beiden offensiveren Achtern - gegen Peru Kroos und Ilkay Gündogan - den Rücken freihält.

Das Spiel gegen Frankreich hat gezeigt, dass das neue System funktionieren kann. Kimmich hält sich vollends aus der Offensive raus. Mit ihm und den beiden Innenverteidigern stehen mindestens drei Spieler hinter dem Ball und können Konter unterbinden. Gegen Peru funktionierte das vor allem in der ersten Hälfte nicht wie gewünscht. Immer wieder schalteten die Südamerikaner schnell um und gingen so auch in Führung. Löw erkannte das und machte nach der Partie selbstkritisch die im Vergleich zum Frankreich-Spiel offensivere Grundausrichtung dafür verantwortlich. Wenn es der deutschen Mannschaft nicht gelang, den Ball im Gegenpressing sofort zurückzuerobern, wurde es gefährlich, weil fast alle Spieler mit aufgerückt waren. Da muss Löw nachjustieren, aber dafür ist es ein Umbruch.

RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

3. Kimmich, Kroos und Gündogan sind tragende Säulen

Nur mit jungen Spielern wird es nicht gehen. Für den Aufbau einer neuen Mannschaft braucht Löw auch erfahrene Kräfte. Gegen Peru fanden sie sich auf der neu geschaffenen Doppelacht wieder: Kroos und Gündogan harmonierten gut als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff.

Beide profitierten von der Absicherung durch Kimmich. Sie konnten sich auf den Spielaufbau und das Kreieren von Torchancen konzentrieren - was in der ersten Hälfte auch phasenweise richtig gut funktionierte. Kimmich, Gündogan und Kroos - Löw scheint einen Plan mit ihnen zu haben. Gemeinsam mit Leon Goretzka könnten sie zu den tragenden Säulen im Mittelfeld der neuen Nationalelf werden. Die Spiele gegen Frankreich und Peru haben angedeutet, dass und wie dieser Plan aufgehen kann.

insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
IntelliGenz 10.09.2018
1. zuerst war ich ja enttäuscht
aber der SPON-Beitrag erklärt es und es leuchtet mir ein. Wenn die EM spruchreif ist, sind die meisten Spieler von heute auf der Höhe ihres Schaffens. So stelle ich mir einen Nationaltrainer vor: Planen für morgen und kleinere Schwächen der bereits Aufgestellten (Reus, Rüdiger, Gündogan) wegstecken. Es war eh nur ein "friendly" gegen Peru. solche Spiele benötigt man zum Justieren einer Mannschaft
heindeburk 10.09.2018
2. Wenig Analyse, viel Lobhudelei
Neben einigen guten Überlegungen wirft dieser lobhudelnde Beitrag vor allem die Frage auf, wie unabhängig die Autoren vom DFB sind
pirx64 10.09.2018
3.
Heutzutage sind Freundschaftsspiele auch inflationär, die sollten mal rausgerechnet werden. Ansonsten versucht der Autor Sch...e schön zu reden.
SirWolfALot 10.09.2018
4. Komische Berichterstattungen
Erst letztens als die N11 gegen Frankreich gespielt hat hieß es, es sei kein Neuanfang zu sehen. Jetzt ist er plötzlich da? Was wird denn erwartet, dass alle Stammspieler ausgetauscht werden nur weil man ausgeschieden ist? So blöd es klingen mag, zum Sport gehört auch verlieren dazu.
stoffi 10.09.2018
5. Ich hoffe
Das dies neue Team zusammen wächst und Löws ,,Neuerung" auch Veränderungen bringt, von denen gestern noch nicht viel zu sehen war. Immer wieder verfielen die Spieler in alte Muster, Hinten offen, vorn keine Durchschlagskraft und dazwischen immer wieder nach hinten und einfallslos nach dem Motto:,, Ich will nicht, mach du" was zu stupiedem Ballbesitz führte.Allerdings war auch ab und an zu erkennen, das Zweikämpfe nicht um jeden Preis vermieden und das Tempo angezogen wurde. Man sollte aber nicht vergessen, gegen wen gestern gespielt wurde. Letzten Donnerstag hätten sie sich sicher einiges gefangen, obwohl Neuer ein anderes Kaliber als Ter Stegen ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.