Peru-Legende Cubillas Der Mann mit der Schärpe

Deutschlands Testspielgegner Peru hat einen Großen des Weltfußballs hervorgebracht. Teófilo Cubillas gehörte zu den besten Stürmern - aber sein Name ist auch mit einer dunklen Stunde verbunden.

Teófilo Cubillas
imago/ Sportfoto Rudel

Teófilo Cubillas

Aus Sinsheim berichtet


Dieses Trikot. Diese schlichte Eleganz. Die rote Schärpe bewegt sich majestätisch von der linken Schulter diagonal über den Oberkörper bis zur Hüfte. Rot auf blütenweißem Grund. Fast jeder Fußballfan verehrt dieses Trikot.

Aber keiner hat es mit solcher Würde getragen wie Teófilo Cubillas.

Es gibt drei Spieler, die es bei Fußball-Weltmeisterschaften geschafft haben, bei zwei Turnieren jeweils fünf Tore zu erzielen. Einer steht am Sonntag in Sinsheim beim Testspiel Deutschlands gegen Peru (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL) auf dem Feld, das ist Thomas Müller. Der zweite gehörte noch vor einigen Wochen zur WM-Trainercrew des DFB, das war Miroslav Klose. Der dritte ist: Teófilo Cubillas. Dass seinen Namen mittlerweile viele vergessen haben, wenn es um die besten Fußballer der Geschichte geht, gehört zu den Ungerechtigkeiten dieses Sports.

Teófilo Cubillas
AP

Teófilo Cubillas

Die Siebzigerjahre waren die große Zeit des peruanischen Fußballs. 1970 und 1978 haben sich die Südamerikaner für die WM qualifiziert, und das war damals noch erheblich schwieriger als heute. Lediglich Brasilien und Uruguay vertraten 1970 neben Peru die Farben Lateinamerikas. Kein Argentinien, kein Chile, kein Kolumbien. Acht Jahre später waren die Peruaner neben Gastgeber Argentinien und den Brasilianern die alleinigen Vertreter ihres Kontinents - ermöglicht hatten ihnen dies die Tore von Cubillas.

Mit 19 war der junge Mann aus Lima erstmals in der Nationalmannschaft aufgetaucht, er kam mit der Empfehlung des Torjägers vom Hauptstadtklub Alianza, und so einen hatte die peruanische Liga vorher noch nicht gesehen. Wo er ging und stand, traf Cubillas das Tor. Als er Alianza 1972 verließ, hatte er für den Verein in sechs Jahren fast 200 Treffer erzielt.

Bei der WM in Mexiko ging auch sein internationaler Stern auf. Fünf Spiele, fünf Tore, in jeder Partie traf Cubillas einmal - zum Beispiel gegen Deutschland bei der 1:3-Vorrundenniederlage gegen Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Gerd Müller und Co. Und auch bei der 2:4-Niederlage im Viertelfinale gegen Brasilien, wo Cubillas einem noch Größeren begegnete. Pelé machte sich und sein Team zum dritten Mal zum Weltmeister. Die größte Ehre, die Cubillas zuteil wurde, war der Spitzname, der ihm verliehen wurde: der Pelé von Peru. Obwohl sie ihn in seiner Heimat alle "Nene" gerufen haben, das Kind.

WM 1978
Imago/ Sven Simon

WM 1978

Fußballer des Jahres in Südamerika 1972 - vor Pelé. Zehn Weltmeisterschaftstore in drei Turnieren: Mehr als Diego Maradona, Karl-Heinz Rummenigge und Eusébio. Und dennoch gehört Cubillas zu denen, die keine große Karriere gemacht haben. Seine Vereinslaufbahn ist zumindest nichts das, was man glamourös nennen würde. 1972 wechselte er aus Peru zum FC Basel, weil der dortige Geldgeber Ruedi Reisdorf sich in den Kopf gesetzt hatte, den Star in die Schweiz zu holen - und dafür jeden Preis zahlte. Die Schweizer Kälte, das Schweizer Essen - das war alles nichts für den Südamerikaner Cubillas. Nach nur zwölf Spielen verabschiedete er sich zum FC Porto.

Nach drei Jahren in Portugal ging es zurück in die Heimat, später tingelte er durch die US-Profiliga, wie das so viele Stars der damaligen Zeit im Herbst ihrer Laufbahn taten. 1987 stellte er sich noch einmal mit fast 40 Jahren in den Dienst seines alten Vereins Alianza Lima, nachdem der Klub bei einem fürchterlichen Flugzeugunglück seine komplette Mannschaft verloren hatte.

Teófilo Cubillas im Mai 2016
imago/ ZUMA Press

Teófilo Cubillas im Mai 2016

Cubillas, dribbelstark, schnell, in jeder Minute torgefährlich, man stelle sich vor, welche Karriere er heutzutage gemacht hätte. Inzwischen sitzt er als Fußballpensionär im Rentnerparadies Miami.

Wenn von Peru bei der WM 1978 die Rede ist, erinnern sich die wenigsten an die fünf Treffer von Cubillas, sondern vielmehr an die sechs Tore Argentiniens beim 6:0 über die Peruaner. Es war genau das Ergebnis, das die Gastgeber damals brauchten, um ins Endspiel einzuziehen.

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Fußball-WM 1978: Weltmeisterschaft der Ungereimtheiten

Das Skandalspiel von Rosario, die Schande von Rosario, außerhalb Argentiniens gibt es kaum Zweifler daran, dass Korruption im Spiel war. In Argentinien wie in Peru regierten damals die Militärs, die Junta in Buenos Aires soll ihren Kollegen in Lima 50 Millionen Dollar gezahlt haben - damit am Ende genau das herauskommt, was herauskommen sollte.

Dieser Makel bleibt an Cubillas und seinen Teamkollegen hängen, an dieser Mannschaft mit so tollen Fußballtypen wie Abwehrchef Héctor Chumpitaz oder Sturmkollege Juan Carlos Oblitas. Das blütenweiße Trikot mit der roten Schärpe hat einen dunklen Fleck.



insgesamt 3 Beiträge
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argoetz 08.09.2018
1. Berichtigung
Ein 4-0 hätte Argentinien schon gereicht.
Svenner80 08.09.2018
2. Argentinien - Peru
Argentinien hätte 1978 ein 5:0 gereicht. Und obwohl es sicher keinen überraschen würde, wäre das Spiel gekauft gewesen, ist außer wilden Gerüchten nix von Korruption bekannt. Argentinien, zu Hause, vor fanatischem Publikum, in guter Form, gegen ein zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschiedenes Kolumbien. Dazu hässliche Einschüchterung: Kolumbiens Spieler hätten wohl kaum Lust gehabt, herauszufinden, wie sie aus dem Stadion heraus kämen, hätten sie nicht hoch genug verloren. Trotz der Einschüchterung: Das hohe Ergebnis lag im Bereich des sportlich Möglichen.
Stäffelesrutscher 08.09.2018
3.
»Lediglich Brasilien und Uruguay vertraten 1970 neben Peru die Farben Lateinamerikas.« Falsch. Aus Lateinamerika waren auch noch Gastgeber Mexiko sowie El Salvador dabei (komischerweise in derselben Vorrundengruppe). Man muss schon aufpassen und zwischen Süd- und Lateinamerika unterscheiden. Was Herr Ahrens meint, sind die Vertreter des südamerikanischen Verbandes Conmebol (alle Staaten Südamerikas ohne Guyana und Suriname). Insofern ist der Satz »Acht Jahre später waren die Peruaner neben Gastgeber Argentinien und den Brasilianern die alleinigen Vertreter ihres Kontinents« nicht unbedingt falsch, aber unglücklich. Denn neben der Sichtweise, ganz Amerika von Alaska bis Feuerland sei ein Kontinent, gibt es auch die Sichtweise, es handle sich um einen »Doppelkontinent« (»Las Américas«, also Plural), wobei dann Südamerika (mit oder ohne Panama) als ein Kontinent gilt.
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